Winter und Knochenbrüche: Kliniken melden rund 30 Prozent mehr Fälle
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deKürzere Tage, anhaltender Bewegungsmangel in geschlossenen Räumen und glatte Straßenverhältnisse stellen den Bewegungsapparat in den Wintermonaten vor erhebliche Herausforderungen.
Fachleute, darunter der Physiotherapeut Ozo Ehiogu vom Royal Orthopaedic Hospital in Birmingham, weisen darauf hin, dass eine verringerte körperliche Aktivität in Kombination mit fehlendem Sonnenlicht und erhöhter Rutschgefahr die Knochensubstanz schwächt und das Risiko von Frakturen messbar ansteigen lässt.
Erhöhte Sturzgefahr und Bewegungsmangel im Alltag
Notaufnahmen verzeichnen bei winterlichen Straßenverhältnissen regelmäßig hohe Fallzahlen infolge von Glätteunfällen. Tückisch ist vor allem kaum sichtbares Glatteis, das rasch zu Handgelenk- und Hüftfrakturen oder Kopfverletzungen führt.
Berichte aus Kliniken in Huangshi zeigen für den Winter ein Plus von etwa 30 Prozent bei Knochenbruchbehandlungen im Vergleich zum Herbst, wobei Femur-, distale Radius- und Wirbelkörperfrakturen dominieren. Betroffen sind vermehrt ältere Frauen ab einem Alter von etwa 50 Jahren.
Um Mobilität und Knochendichte auch bei schlechtem Wetter zu erhalten, rät Ehiogu zu gezielter Alltagsbewegung: Bereits zehn Minuten Treppensteigen oder zügiges Gehen im Wohnraum, Bewegung bei leicht erhöhter Atemfrequenz sowie drei bis vier kurze Krafttrainingseinheiten pro Woche seien wirksamer als seltene, lange Belastungen.
Als Übungen bieten sich Wandliegestütze mit acht bis zehn Wiederholungen an, die über Knie-Liegestütze gesteigert werden können, sowie Überkopfdrücken mit Gewichten.
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Für Wege im Freien empfehlen Sicherheitsfachleute festes Schuhwerk mit Profilsohlen oder Spikes, warme Kleidung sowie kleine, langsame Schritte, bei denen das Körpergewicht über dem Vorderfuß liegt. Die Hände sollten nicht in den Taschen verbleiben, um das Gleichgewicht auszusteuern, während Smartphones beim Gehen tabu sein sollten. Kommt es dennoch zum Sturz, verringert ein seitliches Abrollen mit angezogenem Kinn das Verletzungsrisiko.
Chronischer Knochenabbau und Sarkopenie im Alter
Das Risiko schwerer Sturzfolgen hängt eng mit dem Zustand von Knochen und Muskulatur zusammen. Nach Angaben von Physio Basel sind allein in der Schweiz rund 400.000 Menschen von Osteoporose betroffen, mehrheitlich Frauen.
Ab dem 50. Lebensjahr liege das Bruchrisiko bei durchschnittlich 51 Prozent für Frauen und 20 Prozent für Männer. Gleichzeitig warnt das Geriatrienetzwerk Ostsachsen vor einem Teufelskreis: Aus Furcht vor Stürzen meiden viele ältere Menschen Aktivitäten, was den Muskelabbau beschleunigt.
Experten heben hervor, dass die maximale Knochenmasse mit rund 30 Jahren und die Muskelmasse mit etwa 40 Jahren erreicht wird, bevor ein jährlicher Abbau einsetzt.
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Als Indikatoren für eine nachlassende Muskelfunktion (Sarkopenie) gelten unter anderem eine Handgriffkraft unter 18 Kilogramm bei Frauen beziehungsweise unter 28 Kilogramm bei Männern sowie ein Wadenumfang unter 33 Zentimetern (Frauen) beziehungsweise 34 Zentimetern (Männer). Benötigen Betroffene für fünf Aufstehbewegungen vom Stuhl mit verschränkten Armen mehr als 12 Sekunden, weist dies ebenfalls auf Defizite hin.
Die Rolle von Vitamin D und Calcium
Zwischen November und Februar findet in Mittel- und Nordeuropa keine körpereigene Vitamin-D-Synthese über die Haut statt. Der Internist und Endokrinologe Stephan Scharla definiert einen Mangel ab Werten unter 50 nmol/l im Blut; unter 30 nmol/l drohen Folgeschäden.
Während Leitlinien des britischen National Health Service für Erwachsene im Herbst und Winter täglich 10 µg Vitamin D und für Erwachsene ab 19 Jahren 700 mg Calcium empfehlen, schätzen Endokrinologen den Tagesbedarf auf rund 800 IE.
Gleichzeitig mahnen Fachleute vor unkontrollierter Überdosierung: Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor Hyperkalzämie ab 4.000 IE täglich. Eine Auswertung von 69 Studien mit mehr als 154.000 Erwachsenen durch kanadische Forscher im Fachjournal BMJ ergab zudem, dass Supplemente bei gesunden Personen ohne Vorerkrankung kaum klinisch relevanten Schutz vor Brüchen bieten. Bei manifester Osteoporose oder nachgewiesenem Mangel bleibt eine medizinisch begleitete Zufuhr jedoch essenziell.
