Winterdepression, Erkrankten

Winterdepression: 23 Prozent der Erkrankten haben einen circadianen Subtyp

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Persönlichkeitsmerkmale und biologische Rhythmen beeinflussen saisonale Verstimmungen; Lichttherapie und Verhaltenstherapie zählen zu den Behandlungsoptionen.
Eine verschneite Winterlandschaft in der Dämmerung mit bläulichem Licht und langen Schatten auf einer unberührten Schneedecke. Illustration mit AI erstellt.

Depressive Erkrankungen greifen tief in das emotionale und seelische Erleben ein. Wie Prof. Dr. Sonja Friedrich-Killinger in einem Vortrag auf dem 1. Hohe-Mark-Symposium zum Thema Depression darlegte, kann eine solche Erkrankung auch die Gottesbeziehung und den Glauben belasten, sodass sich dieser hohl und leer anfühlt; zugleich zeigte sie Wege auf, verlorenen Glauben wiederzufinden.

Neben existenziellen Sinnkrisen rücken in den dunkleren Monaten vor allem saisonale Verstimmungen in den Fokus. Fachanalysen und wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und biologische Rhythmen das Risiko für herbst- und winterliche Episoden maßgeblich mitbestimmen.

Anfälligkeit durch Persönlichkeitsmerkmale und circadiane Faktoren

Erkenntnisse zur Studienlage zeigen, dass spezifische Eigenschaften die Anfälligkeit für winterliche depressive Verstimmungen verstärken. Dazu zählen eine ausgeprägte Empathie und Reizbarkeit im Rahmen eines sensiblen Nervensystems, starkes Grübeln sowie eine hohe Verantwortungsübernahme ohne ausreichende Erholungspausen. Zudem begünstigt ein Abendtyp-Rhythmus, bei dem der Melatoninspiegel früher ansteigt, die Entstehung eines saisonalen Stimmungstiefs.

Ein Mangel an Tageslicht beeinflusst die Serotoninproduktion sowie den Schlaf-Wach-Rhythmus direkt. Bei geringer Helligkeit wandelt sich Serotonin früher in Melatonin um, was zu vorzeitiger Müdigkeit und gedrückter Stimmung führt.

Die Verbreitung depressiver Erkrankungen ist generell hoch: Laut dem Gesundheitsatlas der AOK Hessen leben allein in Hessen rund 750.000 Menschen beziehungsweise 13,2 % der Bevölkerung ab zehn Jahren mit einer diagnostizierten Depression.

Der circadiane Subtyp und saisonale Häufigkeiten

Umfangreiche Untersuchungen wie die an der University of Sydney durchgeführte Australian Genetics of Depression Study, über die auch im British Journal of Psychiatry berichtet wurde, analysierten 11.380 Personen mit Depressionen.

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Bei 2.604 Teilnehmenden – was einem Anteil von 23 % entspricht – identifizierten die Forscher einen circadianen Subtyp. Dieser wird über mindestens drei von sechs Merkmalen definiert: einen saisonalen Verlauf, späteres Einschlafen, längeren Schlaf, den Abendtyp, Erschöpfung beim Erwachen sowie einen sozialen Jetlag am Wochenende.

Betroffene dieses Subtyps wiesen einen früheren Erkrankungsbeginn, schwerere Symptome, mehr Suizidgedanken und ein schwächeres Ansprechen auf SSRI- und SNRI-Antidepressiva auf. Da diese Ergebnisse vorläufig sind und sich auf Personen europäischer Abstammung beschränken, ist eine Bestätigung in diverseren Populationen noch erforderlich.

Die saisonale affektive Störung (SAD) wurde erstmals 1984 von Dr. Norman Rosenthal an den US-National Institutes of Health (NIH) beschrieben. Nach NIH-Angaben sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen.

In den USA betrifft die saisonale Depression laut der American Psychiatric Association etwa 1 von 20 Erwachsenen; andere Erhebungen sprechen von jährlich rund 10 Mio. betroffenen Amerikanern. In Europa bezifferte der Psychologe Trevor Harley von der University of Dundee den Anteil der Bevölkerung mit Winterdepressionen je nach Region auf 2 bis 8 %.

Therapeutische Optionen und Verhaltensansätze

Bei der Behandlung saisonaler Verstimmungen spielt Licht eine zentrale Rolle. Kathryn Roecklein von der University of Pittsburgh stellte fest, dass Betroffene von SAD insbesondere im Winter weniger empfindlich auf blaues Licht reagieren. In der Praxis kommt die Lichttherapie mit 10.000 Lux für 30 Minuten am Morgen zum Einsatz; entsprechende Geräte kosten zwischen 50 bis über 400 US-Dollar.

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Während Antidepressiva als Erstlinientherapie gelten, zeigte Kelly Rohan von der University of Vermont auf, dass eine kognitive Verhaltenstherapie nachhaltiger wirkt als eine reine Lichttherapie, deren Effekt nach dem Absetzen wieder nachlässt.

Fachleute aus Medizin und Psychotherapie empfehlen ergänzende Verhaltensmaßnahmen: Neben 20 bis 30 Minuten natürlichem Morgenlicht werden ganzjährig feste Schlafzeiten, eine Raumtemperatur von maximal 20 Grad im Schlafzimmer und Bewegung direkt nach Feierabend angeraten.

Auch ernährungsbezogene Faktoren spielen eine Rolle, da Tryptophan aus Haferflocken, Nüssen und Bananen zu Serotonin verstoffwechselt wird und Omega-3-Fettsäuren aus Fisch entzündungshemmend wirken. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit raten Mediziner dazu, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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