Betrüger, Phishing-Volumen

WM 2026 lockt Betrüger an: Phishing-Volumen 22-fach gestiegen

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 17:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Lidl meldet Datenschutzvorfall, während Vishing-Wellen und KI-gestützte Betrugsmaschen Unternehmen und Verbraucher bedrohen.

Cyberangriffe auf Firmen: Vishing, Phishing und KI-Betrug
Nahaufnahme von Händen, die auf einer Tastatur tippen, mit überlagerten digitalen Sicherheitssymbolen, die Cyberbedrohungen und Datenverstöße darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Lidl meldet Datenschutzvorfall bei externem Dienstleister

Der Discounter Lidl hat seine Online-Kunden über einen Sicherheitsvorfall informiert, der sich am heutigen Freitag ereignete. Unbefugte verschafften sich Zugriff auf eine separat gespeicherte Kundendatei eines externen IT-Dienstleisters.

Betroffen sind Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten und Kundennummern. Passwörter, Postadressen sowie Bank- und Zahlungsdaten blieben nach Unternehmensangaben sicher. Der Dienstleister hat seine Systeme inzwischen abgesichert. Lidl leitete eine forensische Untersuchung ein, erstattete Strafanzeige und informierte die zuständigen Datenschutzbehörden.

Vishing-Welle rollt durch Unternehmen

Im Unternehmenssektor schlagen Sicherheitsfirmen wie Okta und Palo Alto Networks Alarm. Seit April 2026 treibt eine als „O-UNC-066" oder „Pink" bekannte Erpressergruppe ihr Unwesen. Die Täter nutzen Voice-Phishing (Vishing) und geben sich als IT-Mitarbeiter aus.

Die Masche: Sie rufen gezielt Angestellte an und locken sie auf gefälschte Microsoft-Entra-ID-Seiten. Dort registrieren die Angreifer mithilfe raffinierter Phishing-Kits ihre eigenen Zugangsschlüssel – selbst wenn mehrstufige Authentifizierung aktiv ist. Einmal im System, stehlen sie Daten aus SharePoint und OneDrive. Betroffen sind vor allem Firmen aus Technologie, Automobilindustrie, Luftfahrt, Gesundheitswesen, Bau und Lebensmittelbranche.

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Parallel dazu tauchte die Gruppe Helix auf, die ähnliche Vishing-Taktiken einsetzt. Forscher von ReliaQuest beobachteten, wie Helix sich als Manager ausgab, um neue Authentifizierungs-Apps zu registrieren. Die Gruppe steht in Verbindung mit bekannten Erpresserbanden wie ShinyHunters und BlackFile.

WM-Phishing und KI-gestützte Betrugsmaschen

Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika lockt auch Betrüger an. Ein Bericht von KnowBe4 vom 9. Juli zeigt: Bis zum 22. Juni stieg das Phishing-Volumen rund um die WM auf das 22-Fache des Niveaus von Ende April. Bereits Mitte Juni wurden im deutschsprachigen Raum gefälschte FIFA-Mystery-Box-Angebote registriert.

Die Integration künstlicher Intelligenz verschärft die Lage. Kriminelle klonen Stimmen für Vishing-Attacken und generieren polymorphische Schadsoftware, die sich ständig verändert. Experten raten: Dringlichkeit ist das neue Alarmzeichen – wer unter Zeitdruck gesetzt wird, sollte alle Anfragen über offizielle Kanäle überprüfen.

Warnungen von Behörden und Banken

Mehrere Institutionen haben ihre Sicherheitshinweise aktualisiert:

  • Deutsche Rentenversicherung: Anfang Juli warnte die DRV vor einer Welle von Phishing-Mails, Anrufen und Videos. Betrüger drohen mit Rentenkürzungen oder fordern einen digitalen „Lebensnachweis" bis August.
  • Bankensektor: Verbraucherschützer warnten am 9. Juli vor betrügerischen Mails an Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken. Die Nachrichten behaupten, ein Sicherheitsupdate sei nötig, um die TAN-Freischaltung zu verhindern.
  • WhatsApp: Nach der Einführung einer neuen Nutzernamen-Reservierung Ende Juni warnten Verbraucherschützer vor Identitätsdiebstahl – Betrüger könnten bekannte Persönlichkeiten imitieren.
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Gericht stärkt Verbraucherschutz

Ein wegweisendes Urteil des Oberlandesgerichts Brandenburg vom 27. Mai 2026 klärt die rechtliche Lage: Banken müssen Kunden warnen, wenn diese eine Hotline zu einem bekannten Betrugsfall kontaktieren. Im konkreten Fall haftet die Bank teilweise für den Verlust von über 20.000 Euro – weil der Hotline-Mitarbeiter keine sofortige Warnung aussprach, obwohl die Betrugsmasche dokumentiert war.

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