WM-Phishing: Angriffe auf Microsoft-365 um das 22-Fache gestiegen
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 13:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsanalysten beobachten derzeit eine drastische Zunahme gezielter Phishing-Versuche, die im Zusammenhang mit der laufenden FuĂball-Weltmeisterschaft stehen. WĂ€hrend das allgemeine Aufkommen von betrĂŒgerischen E-Mails in den vergangenen Monaten rĂŒcklĂ€ufig war, verzeichnen Experten fĂŒr das sportliche GroĂereignis eine exponentielle Steigerung der Bedrohungslage. Insbesondere Microsoft-365-Konten in Nordamerika und Europa stehen dabei im Fokus der Angreifer.
Drastischer Anstieg trotz rĂŒcklĂ€ufigem Gesamttrend
Laut Berichten von Zscaler und den KnowBe4 ThreatLabs ist das Volumen von WM-bezogenen Phishing-E-Mails seit Ende April um das 22-Fache gestiegen. Ein besonderer Höchststand wurde im Juni verzeichnet, als statistisch gesehen eine von 161 E-Mails einen betrĂŒgerischen Hintergrund mit WM-Bezug aufwies. Diese Entwicklung steht in deutlichem Kontrast zum allgemeinen Marktgeschehen: Das gesamte Phishing-Volumen sank im selben Zeitraum um 33,4 %. Auch das Spam-Aufkommen bei groĂen Anbietern wie GMX und web.de ging laut Zscaler-Daten um 45 % auf etwa 990 Millionen E-Mails pro Woche zurĂŒck.
Die aktuellen Angriffe zielen primĂ€r auf Nutzer in Nordamerika und Europa ab. Dabei seien vor allem Branchen wie das Gesundheitswesen, das Bildungswesen, Regierungsorganisationen sowie der Technologiesektor betroffen. Die BetrĂŒger nutzen dabei verschiedene Kampagnentypen, darunter Recruiting-Betrug, klassisches Commodity-Phishing sowie sogenannten Reply-Back-Betrug. In letzterem Fall werden den Opfern PrĂ€mien von bis zu 8.000 US-Dollar in Aussicht gestellt.
Professionelle Kampagnen und FIFA-Spoofing
Sicherheitsforscher haben zwei spezifische Kampagnen identifiziert, die unter den Namen âKali365â und âGreatnessâ firmieren. Ein wesentliches Merkmal dieser Wellen ist die missbrĂ€uchliche Verwendung bekannter Markennamen. So sei das sogenannte Spoofing unter dem Namen des WeltfuĂballverbandes FIFA im Kontext dieser Phishing-Welle um das Sechsfache angestiegen.
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ZusĂ€tzlich zu den E-Mail-Kampagnen identifizierte Group-IB eine bereits seit August des Vorjahres laufende Operation mit dem Namen âGhost Stadiumâ. Im Rahmen dieser Kampagne wurden mehr als 4.300 gefĂ€lschte Domains registriert, von denen ĂŒber 300 weiterhin aktiv seien. Der wirtschaftliche Schaden durch Ticket-Betrug im Zusammenhang mit dieser spezifischen Kampagne wird von den Experten auf eine Summe zwischen 71 Millionen und 474 Millionen US-Dollar geschĂ€tzt.
Datendiebstahl und soziale Medien
Die Auswirkungen dieser groĂflĂ€chigen Angriffe sind bereits messbar. Group-IB zufolge wurden im Zuge der WM-Phishing-Kampagnen mehr als 27.000 Login-Daten von Besuchern offizieller FIFA-Seiten entwendet. In sogenannten Stealer-Logs fanden sich zudem ĂŒber 4.600 URLs mit direktem FIFA-Bezug. Auch die Belegschaft des Verbandes scheint betroffen zu sein; in Ă€lteren Datenleaks wurden bereits ĂŒber 1.500 Konten von FIFA-Mitarbeitern identifiziert.
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Neben E-Mails und gefĂ€lschten Websites dienen soziale Netzwerke als zentrale Plattform fĂŒr die Angreifer. Fortinet meldete die Entdeckung von mehr als 1.700 gefĂ€lschten Social-Media-Konten, die im WM-Kontext erstellt wurden. Rund 90 % dieser Profile seien auf den Plattformen Facebook und Instagram aktiv.
Angesichts der hohen ProfessionalitĂ€t der Angriffe raten Sicherheitsexperten dringend dazu, ausschlieĂlich offizielle KanĂ€le der FIFA fĂŒr TicketkĂ€ufe oder Informationen zu nutzen. Von der Verwendung von Drittanbieter-Apps oder der Reaktion auf unaufgeforderte Gewinnversprechen per E-Mail sollte abgesehen werden, um den Diebstahl sensibler Zugangsdaten zu verhindern.
