Weniger Seehunde im Wattenmeer gezÀhlt
01.11.2023 - 11:38:57Der Bestand an Seehunden im Wattenmeer hat sich nach ZÀhlungen von Experten im dritten Jahr in Folge verringert. Insgesamt wurden im August 22.621 Seehunde im Wattenmeer DÀnemarks, Deutschlands und der Niederlande sowie der Insel Helgoland gezÀhlt - 4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Wattenmeersekretariat am Mittwoch mitteilte.
Es handle sich um die niedrigste Zahl seit 2010, die Ursachen des Negativtrends seien noch nicht eindeutig geklĂ€rt. Die Zahlen werden im Juni und zur Zeit des Fellwechsels im August erhoben. Seehunde zĂ€hlen zu den gröĂten Meeresraubtieren im Wattenmeer.
«Angesichts dieses anhaltenden RĂŒckgangs der Zahlen können wir mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass der Bestand abnimmt», sagte Anders Galatius von der UniversitĂ€t Aarhus, Hauptautor des Berichts. «Es wĂ€re wichtig, die möglichen Ursachen zu untersuchen, zu denen eine Verschlechterung des Lebensraums, die VerfĂŒgbarkeit von Nahrung und die zunehmende Zahl von Kegelrobben in dem Gebiet gehören könnten.»
ZĂ€hlung im Juni und im August
Die ZĂ€hlung der Jungtiere hatte im Juni einen Anstieg um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ergeben. Insgesamt wurden im Wattenmeer 9334 Jungtiere gezĂ€hlt - 820 mehr als ein Jahr zuvor. In drei Teilen des Wattenmeers wurden steigende Zahlen beobachtet: In DĂ€nemark stieg die Zahl der Jungtiere um 23 Prozent, in Schleswig-Holstein um 12 Prozent und in den Niederlanden um 18 Prozent. In Niedersachsen und Hamburg dagegen wurde ein RĂŒckgang um 5 Prozent festgestellt. Auf Helgoland wurde kein Jungtier gesichtet. Erst in den nĂ€chsten Jahren wird sich den Angaben zufolge zeigen, ob der Bestand an Jungtieren dem Trend der Gesamtzahlen folgen wird.
Zum jĂ€hrlichen Fellwechsel im August ging die Zahl der gezĂ€hlten Seehunde in nahezu allen Gebieten zurĂŒck. Ausnahmen waren Niedersachsen und Hamburg, wo die Zahl um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 5639 Tiere stieg. In DĂ€nemark sank die Zahl der Seehunde um 19 Prozent auf 2268 Tiere, in Schleswig-Holstein um 5 Prozent auf 7936 Tiere. In den Niederlanden wurden 6706 Seehunde gezĂ€hlt, 11 Prozent weniger als 2022. Auf Helgoland schlieĂlich wurden 72 Tiere erfasst - 2022 waren es noch 98, das bedeutet einen RĂŒckgang um 27 Prozent.
Nach Angaben des Wattenmeersekretariats stagnierte die Zahl der wĂ€hrend des Fellwechsels beobachteten Seehunde seit 2010, seit drei Jahren gibt es einen RĂŒckgang. Ursachen könnten demnach eine Verschlechterung des Lebensraums und Störungen im Wattenmeer oder vor der KĂŒste - etwa durch Fischerei, Schifffahrt oder Windkraftanlagen - sowie die Konkurrenz um Ressourcen mit der Fischerei oder anderen MeeressĂ€ugetieren sein. Auch die Sterblichkeit als Beifang oder als Beute fĂŒr andere Tiere könnte eine Rolle spielen.


