Wohngeld, Budget

Wohngeld halbiert: Budget sinkt von 5 auf 3 Milliarden Euro

23.06.2026 - 15:56:04 | boerse-global.de

Die Bundesregierung verlängert das EH55-Plus-Programm, plant aber eine drastische Reduzierung des Wohngeldbudgets um zwei Milliarden Euro.

Förderung für energieeffizientes Bauen verlängert, Wohngeld wird gekürzt
Wohngeld - Ein Schlüsselbund mit einem einzelnen Schlüssel, der vor einem unscharfen Hintergrund aus Bauplänen oder einem kleinen Modellhaus liegt. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Bundesregierung verlängert die Förderung für energieeffizientes Bauen, plant jedoch massive Einschnitte beim Wohngeld. Für einkommensschwache Haushalte wird die Wohnungsplanung damit zur Zerreißprobe.

EH55-Plus läuft weiter – aber das Geld wird knapp

Das Förderprogramm EH55-Plus wurde bis zum 31. Dezember 2026 verlängert. Rund 33.700 Wohneinheiten wurden darüber bereits mit einem Volumen von 3,2 Milliarden Euro gefördert. Noch stehen 343 Millionen Euro zur Verfügung.

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Die Konditionen sind attraktiv: Kredite bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit, effektiver Jahreszins bei zehn Jahren Laufzeit: 1,0 Prozent. Voraussetzung: eine Baugenehmigung und eine Wärmeversorgung ohne fossile Brennstoffe. Ergänzend läuft seit Ende 2025 die KfW-55-Förderung mit 800 Millionen Euro und Zinsen ab 1,94 Prozent effektiv.

Wohngeld-Budget schrumpft um zwei Milliarden

Doch während der Neubau weiter subventioniert wird, plant Bauministerin Verena Hubertz (SPD) einen harten Schnitt beim Wohngeld. Das Budget soll von fünf auf drei Milliarden Euro sinken. Rund 400.000 der bisher 1,2 Millionen Empfänger-Haushalte würden ihren Anspruch verlieren – etwa ein Drittel.

Besonders betroffen: Familien (44 Prozent der Empfänger) und Rentner (52 Prozent). Fachverbände und Opposition warnen vor den sozialen Folgen. Die Debatte entzündet sich an der Grundsatzfrage: Subjekt- oder Objektförderung? Wohngeld und Kosten der Unterkunft verschlingen jährlich rund 28 Milliarden Euro. Gleichzeitig stehen nur eine Million Sozialwohnungen einem Bedarf von elf Millionen berechtigten Haushalten gegenüber.

Beispiel Nordrhein-Westfalen: Quartier statt Einzelobjekt

Wie die Förderung in der Praxis aussieht, zeigt das Quartier „Alte Feuerwache“ in Hattingen. Das Land NRW steuert rund 9,89 Millionen Euro bei. Von 63 geplanten Wohneinheiten werden 30 öffentlich gefördert. Das Gesamtinvestment: 30 Millionen Euro, inklusive Senioren-WGs und Gewerbeflächen.

Solche Projekte kombinieren Miet- und Eigentumsformen. Für Erwerber mit wenig Eigenkapital bleibt der Traum vom Eigenheim dennoch schwer. Marktanalysen aus dem Ruhrgebiet zeigen: Bei aktuellen Zinsen liegen Monatsraten für einfache Eigentumswohnungen oder Reihenhäuser oft über 1.200 Euro. Eigenkapital bleibt die Grundvoraussetzung.

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Immobilienwirtschaft fordert „Eigentumsoffensive“

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) schlägt eine Befreiung von der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber vor, dazu eigenkapitalersetzende Darlehen. Der GdW Bundesverband begrüßt die Verlängerung bestehender Programme, fordert aber eine dauerhafte Verstetigung.

Die Branche setzt auf den „Gebäudetyp E“, serielles Bauen und schnellere Planungsverfahren. Nur so lasse sich der Neubau trotz hoher Auflagen und Baukosten für breitere Schichten bezahlbar halten. Ob die Politik das Tempo mitgeht, ist offen.

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