Wohngeld-Kürzungen: Mehr als 380.000 Haushalte könnten den Anspruch verlieren
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die finanzielle Belastung privater Haushalte durch Wohnkosten sowie die staatlichen Kompensationsleistungen stehen im Zentrum aktueller Analysen und politischer Abwägungen. Während statistische Daten für das Jahr 2025 eine deutliche Zunahme der Wohngeldempfänger belegen, zeichnen sich für die kommenden Jahre tiefgreifende Veränderungen in der Förderstruktur und regionalen Mietpreisregulierung ab.
Rekordwerte bei Wohngeldbeziehern und Ausgaben im Jahr 2025
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bezogen Ende 2025 rund 1,3 Millionen Haushalte in Deutschland Wohngeld. Dies entspricht einer Zunahme um 7,2 % oder etwa 90.000 Haushalte gegenüber dem Vorjahr. Damit lag der Anteil der Wohngeldempfänger an allen privaten Haushalten bei 3,2 %.
Den Analysen zufolge hat sich die Zahl der Bezieher seit 2019 nahezu verdreifacht, wobei die Werte für 2025 den höchsten Stand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005 erreichten.
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen bezifferte die Gesamtausgaben für das Wohngeld im Jahr 2025 auf 4,992 Milliarden Euro, was eine Steigerung um 6,4 % im Vergleich zu den 4,689 Milliarden Euro des Vorjahres bedeutet. Der durchschnittliche monatliche Anspruch pro Haushalt stieg im selben Zeitraum um 3,1 % auf 296 Euro.
Besonders betroffen von der Abhängigkeit von staatlichen Wohnzuschüssen sind Ruheständler, die in 51 % der Wohngeldhaushalte die Haupteinkommensperson stellten. In 39 % der Haushalte lebten Kinder unter 25 Jahren. Regional zeigten sich deutliche Unterschiede: Während in Mecklenburg-Vorpommern 5,8 % aller Haushalte Wohngeld bezogen, lag dieser Anteil in Bayern lediglich bei 1,9 %.
Geplante Reformen und Kritik durch Sozialverbände
Trotz der gestiegenen Bedarfe plant die Bundesregierung laut vorliegenden Gesetzentwürfen signifikante Einsparungen im Wohngeldetat. Ein Entwurf sieht vor, die Wohngeldmittel von Bund und Ländern ab 2027 um rund 45 % zu senken. Konkret werden Kürzungen von 1,5 Milliarden Euro für das Jahr 2027 und mehrere Milliarden Euro jährlich ab 2028 angestrebt.
Zu den vorgesehenen Maßnahmen ab Januar 2027 gehören das Aussetzen der Wohngeldanpassung, eine Halbierung der Heizkostenkomponente sowie eine Verschärfung der Berechnungsformel. Zudem soll ein monatlicher Anspruch von unter 15 Euro künftig entfallen.
In Beratungen des Bundesrates im September 2026 empfahlen die zuständigen Ausschüsse eine Ablehnung oder deutliche Nachbesserung des Entwurfs. Schätzungen der Ausschüsse zufolge könnten mehr als 380.000 Haushalte ihren Anspruch verlieren, wobei rund 143.000 Betroffene in die Grundsicherung wechseln müssten.
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Der Deutsche Mieterbund (DMB) und der Sozialverband VdK äußerten in Berichten vom September 2026 deutliche Kritik an diesen Plänen. Laut DMB-Mietenreport 2026 berichteten 58 % der befragten Mieter von gestiegenen Wohnkosten innerhalb der letzten zwölf Monate.
Fast jeder dritte Befragte sorge sich, die Miete künftig nicht mehr begleichen zu können. Der VdK betonte zudem, dass über die Hälfte der Bezieher Rentner seien, die durch die Kürzungen besonders hart getroffen würden.
Regionale Regulierungsansätze in Hessen und Berlin
Parallel zur Bundespolitik verstärken einzelne Bundesländer ihre Maßnahmen zur Mietpreisbegrenzung. Hessen plant laut einer Mitteilung vom September 2026, die Mieterschutzverordnung ab November 2026 von bisher 49 auf 71 Kommunen auszuweiten.
In diesen Gebieten soll die Miete bei Wiedervermietung grundsätzlich höchstens 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Für Bestandsmieten ist eine Deckelung der Erhöhung auf 15 % innerhalb von drei Jahren vorgesehen.
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In Berlin befasste sich eine im September 2026 veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung mit der Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Die Forscher schätzten die Entschädigungssumme für rund 210.000 Wohnungen auf etwa 13,5 Milliarden Euro.
Während die Studie die Vergesellschaftung als Ergänzung zur Mietpreisdämpfung für sinnvoll erachtet, betont sie gleichzeitig, dass dies den Wohnungsmangel ohne zusätzlichen Neubau nicht beheben könne. Steffen Krach hatte im Vorfeld Schätzungen zwischen 20 und 30 Milliarden Euro angeführt.
Marktentwicklung und strukturelle Knappheit
Die Lage am privaten Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Laut BNP Paribas Real Estate stiegen die Angebotsmieten im Bestand im ersten Halbjahr 2026 in deutschen Großstädten um durchschnittlich 3 %. Die Median-Angebotsmiete für Neubauwohnungen in den sieben größten Städten erreichte 21,35 Euro pro Quadratmeter.
Gleichzeitig meldete der Immobilienverband IVD eine Wohneigentumsquote von lediglich 43,5 % für das Ende des Jahres 2025 – der niedrigste Stand seit zwei Jahrzehnten. Laut IVD-Wohn-Preisspiegel 2026/27 erschweren vor allem restriktive Kreditvergaben und fehlendes Eigenkapital den Erwerb von Wohneigentum, trotz des Wunsches von über 80 % der unter 45-jährigen Mieter nach den eigenen vier Wänden.
