WordPress-Angriff: 1,2 Millionen Websites durch Supply-Chain-LĂŒcke gefĂ€hrdet
Veröffentlicht am: 17.06.2026 um 07:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehr als 1,2 Millionen Websites sind potenziell von einer vollstĂ€ndigen Ăbernahme durch Angreifer bedroht.
Der Vorfall traf die Infrastruktur von Awesome Motive, einem der gröĂten Anbieter von WordPress-Tools. Die Angreifer schleusten bösartigen JavaScript-Code in Dateien ein, die ĂŒber Content Delivery Networks (CDNs) ausgeliefert wurden. Betroffen sind vor allem die weit verbreiteten Marketing- und Engagement-Plugins OptinMonster, TrustPulse und PushEngage.
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Schwachstelle in UpdraftPlus als Einfallstor
Die Angriffskette begann am 12. Juni 2026. Die TĂ€ter nutzten eine SicherheitslĂŒcke in der Backup-Software UpdraftPlus (CVE-2026-10795) aus. Der Schwachstelle wurde ein CVSS-Score von 8,1 zugewiesen â ein kritischer Wert. Obwohl das Sicherheitsupdate bereits am 5. Juni veröffentlicht worden war, gelang es den Angreifern, ĂŒber einen Marketing-Server einen CDN-API-SchlĂŒssel zu stehlen.
Mit diesem SchlĂŒssel konnten die Angreifer legitime CDN-Dateien manipulieren â darunter solche auf den Domains a.omappapi.com und clientcdn.pushengage.com. Die ersten schĂ€dlichen AktivitĂ€ten wurden am 12. Juni zwischen 22:17 und 22:42 UTC registriert. Besonders lang zog sich der Angriff auf PushEngage hin: Hier blieb die Kompromittierung teilweise bis zum 14. Juni aktiv.
Gezielte Angriffe nur auf Administratoren
Die eingeschleuste Schadsoftware verfolgte eine raffinierte Strategie: Sie wurde nur aktiv, wenn ein Seitenadministrator im WordPress-Dashboard eingeloggt war. Normale Besucher bemerkten nichts â die Angreifer blieben so lange unentdeckt.
Sobald die Bedingung erfĂŒllt war, erstellten die Skripte automatisch neue Administratorkonten. Besonders hĂ€ufig tauchte der Benutzername "developer_api1" auf oder Varianten mit dem PrĂ€fix "dev_". ZusĂ€tzlich installierte die Malware versteckte HintertĂŒr-Plugins, die sich als harmlose Werkzeuge tarnten â etwa als "Content Delivery Helper" oder "Database Optimizer".
Diese HintertĂŒren ermöglichten den Abfluss von Daten an eine Kommando- und Kontrollzentrale (C2) unter der Domain tidio.cc. Die Domain war bereits am 28. April 2026 registriert worden â die Angreifer hatten also monatelang Vorbereitungszeit. Zur VerschlĂŒsselung der Kommunikation nutzten sie einen spezifischen XOR-SchlĂŒssel (jX9kM2nP4qR6sT8v).
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Weitere Angriffe im Awesome-Motive-Ăkosystem
Die SicherheitslĂŒcke beschrĂ€nkte sich nicht auf die drei Haupt-Plugins. Anfang der Woche wurde bekannt, dass auch Uncanny Automator betroffen war â hier wurde eine HintertĂŒr in Version 7.3.0.5 verteilt. Dabei erbeuteten die Angreifer Kunden- und E-Mail-Adressen. Zudem wurde die Website von MonsterInsights am 13. Juni gehackt. Von dort aus verschickten die TĂ€ter Phishing-E-Mails, die eine gefĂ€lschte Version 10.3.0 des Plugins bewarben.
Der Sicherheitsdienst Patchstack berichtet, zwischen dem 14. und 15. Juni insgesamt 271 Angriffsversuche auf 13 Websites blockiert zu haben. Die Angriffe kamen von 81 verschiedenen IP-Adressen. Die meisten zielten auf die WordPress-REST-API, einige nutzten Administrationsformulare und AJAX-Anfragen.
Handlungsempfehlungen fĂŒr Betreiber
Der schĂ€dliche Code ist inzwischen nicht mehr auf den betroffenen CDNs aktiv. Dennoch warnen Sicherheitsexperten: Betreiber der 1,2 Millionen gefĂ€hrdeten Websites sollten dringend ihre Systeme ĂŒberprĂŒfen. Konkret empfehlen sie:
- ĂberprĂŒfung der Benutzerliste auf unbekannte Administratorkonten
- Kontrolle des Plugin-Verzeichnisses auf unbekannte oder verdÀchtige Erweiterungen
- Durchsicht der Authentifizierungslogs und Datenbankzugriffe
Die Angriffsmethode erinnert an frĂŒhere prominente Supply-Chain-Angriffe â etwa den Polyfill-Vorfall von 2024. Auch damals nutzten Angreifer vertrauenswĂŒrdige Drittanbieter-Skripte, um an ihre Opfer zu gelangen. FĂŒr WordPress-Betreiber gilt: Wer OptinMonster, TrustPulse oder PushEngage einsetzt, sollte umgehend handeln.
