WorldSkills Shanghai: 19 Unitree-H2-Roboter tanzen autonom im Großverband
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei der Eröffnungsfeier der 48. WorldSkills in Shanghai sind 20 vollgroße humanoide Roboter des chinesischen Herstellers Unitree Technology gemeinsam mit menschlichen Darstellern aufgetreten. Wie Medien am 22. September 2026 berichteten, führten 19 Exemplare des Modells H2 eine koordinierte Choreografie vor. Nach Angaben der Veranstalter handelte es sich dabei um den weltweit ersten autonomen Cluster-Tanz vollgroßer humanoider Maschinen.
Technische Autonomie und direkte Interaktion
Die eingesetzten Roboter des Typs H2 weisen eine Körpergröße von 180 cm sowie ein Gewicht von 140 kg auf. Für den synchronen Gruppentanz griffen die 19 Maschinen nicht auf externe Positionierungssysteme zurück, sondern nutzten bordeigenes Lidar für eine autonome Verortung im Zentimeterbereich sowie eine Synchronisation im Millisekundenbereich. Die Bewegungsabläufe basieren auf Algorithmen des bestärkenden Lernens und verfügen über Mechanismen zur autonomen Fehlerkorrektur.
Neben der Gruppenformation demonstrierte ein mit einer geschickten Roboterhand (Dexterous Hand) ausgestattetes Modell eine zehnsekündige Fingerchoreografie, deren Steuerung Reaktionszeiten innerhalb von 5 Millisekunden erforderte.
Zudem tanzten sechs H2-Roboter gemeinsam mit sechs Tänzerinnen einen Walzer, bei dem es zu unmittelbarem physischem Körperkontakt kam. Laut Unitree-Marketingdirektor Huang Jiawei stellte die Anwesenheit von über 10.000 Zuschauern und zahlreichen mobilen Endgeräten eine erhebliche Belastung für die drahtlose Signalübertragung dar.
Monatelange Proben und Hitzeprobleme im Kostüm
Die Regie unter der Leitung von Hou Jie hatte den Auftritt zunächst als Überraschungseffekt angelegt. Generalregisseur Huang Hui begründete die verdeckte Inszenierung damit, dass konventionelle Roboterauftritte mittlerweile als überkonsumiert wahrgenommen würden.
Zu Beginn der Szene trugen fast 20 Darsteller einheitliche Kostüme und Masken, sodass Mensch und Maschine für das Publikum zunächst optisch ununterscheidbar blieben, ehe die Tänzer ihre Masken abnahmen und die metallenen Gehäuse freilegten. Allein dieser Übergang wurde über mehr als zwei Monate hinweg in nahezu zehn Versionen erprobt.
Ausführender Regisseur Bao Shutong verwies auf einen zehnmonatigen Entwicklungsprozess, hunderte Testläufe und mehr als drei Monate Bühnenproben. Zur Vorbereitung war ab Juli 2026 auf einem 70 km entfernten Gelände in Lingang eine über 300 Quadratmeter große Trainingsfläche mit 18 Kameras zur Bewegungserfassung errichtet worden, über die 790 Datensätze menschlicher Tanzbewegungen aufgezeichnet wurden.
Was in Shanghai auf der Bühne lief, ist für Integratoren ein Prüfstein: 19 vollgroße humanoide Roboter koordinierten sich ohne externe Positionierung, allein über bordeigenes Lidar und Synchronisation im Millisekundenbereich. Wer Mehrroboter-Systeme ausrollt, findet in diesem kostenlosen Praxisleitfaden die entscheidenden Architektur-Hebel — von der Verortung bis zur autonomen Fehlerkorrektur. Praxisleitfaden autonome Roboter-Cluster jetzt anfordern
Bei den Tests beschädigten die Maschinen zeitweise den Bodenbelag. Zudem führte eine mangelnde Belüftung der Kostüme dazu, dass die Gehäusetemperatur binnen gut zehn Minuten auf 80 Grad Celsius kletterte, was zu Systemabstürzen führte.
Während die menschlichen Tänzer zu Beginn Helme tragen und einen Sicherheitsabstand von 50 Metern wahren mussten, näherten sich die Akteure schrittweise bis zum direkten Händchenhalten an.
Zur Optimierung nutzte das Produktionsteam in Zusammenarbeit mit der Shanghai Jiao Tong University und dem Beijing Institute of Technology ein System zur KI-Simulation und Previsualisierung, das die Prozesseffizienz um das Zwei- bis Dreifache gesteigert habe.
Rahmenprogramm und Rekordbeteiligung bei den Wettbewerben
Die 90-minütige Eröffnungsveranstaltung fand am Huangpu-Ufer statt, wo rund 10.000 Zuschauer das Geschehen vor Ort und weitere 3.400 im Außenbereich verfolgten. Das Programm gliederte sich in drei thematische Kapitel, wobei der Roboterauftritt den Höhepunkt des Abschlussblocks bildete.
Zu den weiteren technischen Elementen zählten ein 200 Tonnen schweres Monument basierend auf traditionellen Zapfenverbindungen, dessen Unterbühnenmechanik über 20 Tonnen wog und innerhalb von 1 Minute und 15 Sekunden zusammengesetzt wurde, sowie ein rund 39 Meter langes Himmelssegel mit fast 200 Aufhängepunkten.
Die 48. WorldSkills laufen vom 22. bis zum 27. September 2026 und markieren mit 1.385 Teilnehmern aus 68 Ländern und Regionen in 64 Disziplinen die bislang größte Ausgabe der Berufs-Weltmeisterschaft. Chinas Ministerpräsident Li Qiang eröffnete die Veranstaltung offiziell, Staatspräsident Xi Jinping übermittelte eine schriftliche Grußbotschaft.
Bei den Proben stieg die Gehäusetemperatur binnen gut zehn Minuten auf 80 Grad Celsius — die Systeme stürzten ab. Solche thermischen und mechanischen Belastungsgrenzen entscheiden, ob ein Roboter-Cluster im Dauerbetrieb hält. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie Belastungsgrenzen früh erkennen, Testläufe richtig aufsetzen und Ausfälle vermeiden. Leitfaden Belastungsgrenzen jetzt sichern
Die chinesische Delegation umfasst 220 Personen, darunter 71 aktive Wettkämpfer. Unter den internationalen Vertretern reiste auch die britische Bildungsministerin Baroness Jacqui Smith mit einem 28-köpfigen Team an. Sieben Disziplinen wurden für das Turnier neu eingeführt, darunter Schienenfahrzeugtechnik, Drohnensysteme, intelligente Sicherheitstechnik und Softwaretests.
Die eigentlichen Fachwettbewerbe werden vom 23. bis 26. September im National Exhibition and Convention Center ausgetragen, bevor die Veranstaltung am 27. September endet.
