Wurmmittel in der Landwirtschaft: Ernteerträge sinken um ein Viertel
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wurmmittel in der Landwirtschaft schädigen Böden, reduzieren Ernteerträge und stören das Gleichgewicht von Schädlingen und Nützlingen. Das zeigt eine Studie der Universitäten Kiel und Trier aus August 2026.
Moxidectin: Bis zu 70 Prozent landen im Boden
Bis zu 70 Prozent des Wirkstoffs Moxidectin – bekannt als Cydectin – gelangen über den Kot von Weidetieren in den Boden. In Versuchsreihen sank der Erdbeerertrag dadurch um ein Viertel, das Fruchtgewicht um ein Drittel.
Die Forscher sehen die Ursache in einer massiven Störung der Bodenökologie. Rückstände beeinträchtigen demnach fundamentale Prozesse, die für gesundes Pflanzenwachstum unerlässlich sind. Die Ergebnisse publizierte das Team in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment.
Blattläuse vermehren sich zehnmal stärker
Die Folgen beschränken sich nicht auf Pflanzen. Unter Moxidectin-Einfluss vermehrten sich Blattläuse etwa zehnmal stärker als unbelastet. Der Grund: Ihre natürlichen Fressfeinde fallen aus.
Schwebfliegen legten zwar bis zu viermal mehr Eier, doch der Nachwuchs war deutlich geschwächt. Viele Eier vertrockneten oder waren minderwertig. Die Larven, eigentlich effektive Blattlausjäger, konnten ihre regulierende Funktion nicht erfüllen.
Pestizidrisiko: Deutschland verfehlt UN-Ziel
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Die Probleme gehen über Tierarzneimittel hinaus. Ein wissenschaftlicher Beirat kritisierte im Sommer 2026: Der integrierte Pflanzenschutz verfehlt in der Praxis seine Ziele. Die Pestizidmenge blieb seit 2012 nahezu unverändert, die Zahl der Behandlungen stieg sogar.
Die Toxizität für Bodenlebewesen, Fische und Pflanzen hat sich laut Fachleuten für Ökotoxikologie in diesem Zeitraum ver zwei- bis vierfacht. Damit verfehlt Deutschland das UN-Ziel, das Pestizidrisiko bis 2030 zu halbieren. Besonders kritisch: Für die Risikobewertung von Pestizidmischungen – die sogenannten „Cocktail-Effekte“ – fehlt weiterhin ein verbindlicher Ansatz. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wäre seit 2005 dazu verpflichtet.
Mistkäfer als Klimahelfer
Es gibt auch positive Beispiele. Eine Studie der Southern Cross University zeigt: Mistkäfer können Methanemissionen aus Rindermist um bis zu 85 Prozent reduzieren. In Australien setzen Landwirte gezielt verschiedene Käferarten ein – bereits seit den späten 1960er Jahren.
Kontroll-LĂĽcken und invasive Arten
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Ein Fall aus China zeigt die Risiken mangelnder Kontrollen: In Schweinefleisch eines Großproduzenten fanden sich fast 38-mal höhere Rückstände des Antibiotikums Lincomycin als erlaubt. Das Unternehmen verwies auf Nichteinhaltung der Absetzfristen in der Mast.
Zusätzlich setzen invasive Arten Ökosysteme unter Druck. Die Hufeisennatter, seit den 2000er Jahren auf Ibiza eingeschleppt, hat inzwischen 90 Prozent der Insel besiedelt und dezimiert die heimische Pityusen-Eidechse. Diese spielt eine zentrale Rolle bei Insektenkontrolle und Samenverbreitung – Landwirte berichten bereits über steigende Insektenpopulationen.
