XCPE-Botnetz, Google

XCPE-Botnetz: Google zerschlĂ€gt HintertĂŒr auf 1,3 Millionen GerĂ€ten

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 15:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Störung des XCPE-Netzes ist abgeschlossen; Google sperrt den Hersteller und verschĂ€rft Firmware-Kontrollen fĂŒr zertifizierte Android-GerĂ€te.
Eine moderne, menschenleere industrielle Montagehalle mit prÀzisen Roboterarmen in einer sterilen Fabrikumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Google hat am 2. November 2026 die Zerschlagung des Botnetzes XCPE bekannt gegeben. Das Netzwerk basierte auf einer ab Werk vorinstallierten HintertĂŒr auf mehr als 1,3 Millionen GerĂ€ten, darunter vor allem Android-TV-Boxen, und ermöglichte Cyberkriminellen umfassende Fernzugriffe. Die entsprechenden Störungsmaßnahmen wurden in der Vorwoche abgeschlossen, wie aus einem Bericht vom 5. November 2026 hervorgeht.

FĂŒr die Abschaltung der Kontrollserver und -domains arbeitete Google mit der japanischen Nationalpolizei sowie den Sicherheitsunternehmen Lumen, HUMAN Security, Plume, Synthient und TrendAI zusammen.

Tiefe Verankerung in der System-Firmware

Die Schadsoftware x.cpe, die teilweise unter der Bezeichnung com.oemservice auftrat, lief mit vollen Systemrechten und wurde ĂŒber das Protokoll MQTT gesteuert. Sie war in der Lage, eigenstĂ€ndig Apps zu installieren, beliebige Befehle auszufĂŒhren, Screenshots anzufertigen, Tastatureingaben mitzuschneiden, Remote-Shells zu öffnen und den Sicherheitsdienst Google Play Protect zu deaktivieren.

Da der Schadcode direkt in der Firmware verankert war, installierte er sich nach einem Löschversuch beim Neustart automatisch aus der /oem/-Partition neu. McAfee wies darauf hin, dass selbst ein ZurĂŒcksetzen auf die Werkseinstellungen die HintertĂŒr unter UmstĂ€nden nicht entfernt.

Um Zertifizierungstests vor dem Verkauf zu umgehen, lud das System den eigentlichen Schadcode erst nach dem ersten GerÀtestart herunter. Seit August 2026 wurden zudem zusÀtzliche Anwendungen als System-Apps getarnt, beispielsweise als com.android.system.ntp.

Hersteller als Urheber identifiziert

Die Google Threat Intelligence Group ordnete die Entwicklung und den Betrieb der HintertĂŒr mit hoher Sicherheit dem chinesischen Hersteller Videostrong Technology aus Shenzhen zu. Das Unternehmen hatte die Schadfunktion bereits seit mindestens 2024 in mehreren GerĂ€temodellen und Handelsmarken integriert. Neben Android-TV-Boxen waren auch GerĂ€te fĂŒr Telemedizin, Karaoke sowie Digital-Signage-Systeme betroffen.

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Videostrong verkaufte den Fernzugriff an kriminelle Partner, sogenannte Affiliates. Diese nutzten die kompromittierten GerĂ€te unter anderem als Residential Proxies, fĂŒr organisierten Werbebetrug und zum Einschleusen weiterer Schadsoftware-Familien wie Moyu, Spirit und Bird.

Durch den koordinierte Takedown wurde die Command-and-Control-Infrastruktur von mehr als einem Dutzend dieser Affiliate-Malware-Familien gestört. Laut Google soll der Zugriff auf mindestens 10 Millionen weitere kompromittierte GerÀte gekappt werden, bei denen es sich nicht um XCPE-Boxen handelt.

Als Konsequenz bannte Google Videostrong Technology sowie kĂŒnftige Tochtergesellschaften von der Produktion zertifizierter Android-GerĂ€te und untersagte die Softwarelieferung an zertifizierte Anbieter. Zudem verschĂ€rfte der Konzern die Firmware-PrĂŒfungen fĂŒr zertifizierte Android-TV-GerĂ€te.

Globale Verbreitung und SchÀden

Die Sicherheitsfirma TrendAI erfasste zwischen dem 3. Juni 2026 und dem 1. Oktober 2026 insgesamt 1.472.554 infizierte GerĂ€te aus 206 Modellen in ĂŒber 170 LĂ€ndern sowie mindestens 3.849.226 Relay-IPs. Zu den Hauptschwerpunkten zĂ€hlten Malaysia, Brasilien, der Irak, Mexiko und Taiwan.

In Deutschland, den USA, Großbritannien, Australien und Kanada registrierte TrendAI jeweils rund 26.000 bis 42.000 betroffene Einheiten. Synthient entdeckte die HintertĂŒr unter anderem auf einem Ende 2025 erworbenen MECOOL KM9PRO Max und stellte eine Liste von 182 Modellnamen auf GitHub bereit. Ein Treffer in dieser Liste sei jedoch als Warnsignal und nicht als abschließender Beweis zu werten.

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Wie groß die Gefahren durch missbrauchte Proxys sind, illustrieren Zahlen der japanischen Nationalpolizei: Im Jahr 2024 standen 1.918 FĂ€lle unautorisierter Internet-Überweisungen mit Residential Proxies in Verbindung, was einem Schaden von rund 2,89 Milliarden Yen (18,3 Millionen US-Dollar) entsprach.

Das Nationale Institut fĂŒr Informations- und Kommunikationstechnologie schĂ€tzte die Zahl derartiger GerĂ€te in Japan auf mindestens mehrere zehntausend Einheiten.

Laut TrendAI haben Endnutzer keine Möglichkeit, das bösartige Implantat eigenstÀndig zu entfernen. Google erklÀrte, eine Bereinigung erfordere eine saubere Hersteller-Firmware, wirksame Plattformschutzmechanismen oder den vollstÀndigen Austausch des GerÀts.

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