XCPE-Botnetz, Malware

XCPE-Botnetz zerschlagen: Malware steckte in 1,3 Millionen Android-TV-Boxen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 02:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Google und Partner kappten die Botnetz-Steuerung; TrendAI erfasste 1.472.554 infizierte GerÀte in mehr als 170 LÀndern.
Reihen von dunklen, metallischen Server-Racks in einem sterilen, industriellen Rechenzentrum bei gedimmtem blauen Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein internationales BĂŒndnis aus Technologiekonzernen und Sicherheitsbehörden hat das sogenannte XCPE-Botnetz zerschlagen. Nach Berichten vom 2. November 2026 umfasste das Netzwerk mehr als 1,3 Millionen Android-TV-Set-Top-Boxen, deren Schadsoftware bereits ab Werk direkt in die Firmware integriert war.

An der koordinierten Aktion beteiligten sich neben Google unter anderem die japanische Polizeibehörde NPA sowie die Sicherheitsunternehmen Lumen, HUMAN Security, Plume, Synthient und TrendAI.

Ende Oktober 2026 schalteten Google und seine Partner zentrale Steuerungs-Server und Domains juristisch ab, darunter anyevonline[.]com sowie den MQTT-Broker mqtt.szbboys[.]com. Durch das Kappen der Steuerungs-Domains von ĂŒber einem Dutzend Malware-Familien schnitt Google nach eigenen Angaben mindestens 10 Millionen weitere kompromittierte GerĂ€te vom Zugriff der Kriminellen ab.

Ursprung in manipulierter Hersteller-Firmware

Die Google Threat Intelligence Group schreibt die Operation mit hoher ZuverlÀssigkeit dem Unternehmen Videostrong Technology Co. mit Sitz im chinesischen Shenzhen zu. Der Hersteller verkaufte ZugÀnge zu den infizierten Systemen an kriminelle Vertriebspartner weiter.

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Laut Berichten baute Videostrong die HintertĂŒr x.cpe, teils auch als com.oemservice bezeichnet, vorsĂ€tzlich in die Firmware ein. Das Paket agiert mit den weitreichenden Rechten der Kennung android.uid.system und deaktiviert den Sicherheitsdienst Google Play Protect.

Die HintertĂŒr erweist sich auf betroffenen EndgerĂ€ten als besonders hartnĂ€ckig: Nach einem Löschversuch installiert sie sich bei einem Neustart automatisch aus der OEM-Partition neu. Da die System-App mit einem kryptografischen SchlĂŒssel des Herstellers signiert ist, bleibt x.cpe auf bereits verkauften GerĂ€ten aktiv.

Eine Bereinigung ist demnach ausschließlich durch den Hersteller selbst, ergĂ€nzende Plattformschutzmaßnahmen oder den vollstĂ€ndigen Austausch des GerĂ€ts möglich. Ab Ende 2024 setzte das Unternehmen den Loader com.abc.nexus ein, ehe seit August 2026 kleinere Dropper verwendet wurden.

Ausmaß der weltweiten Infektionen

Die Betreiber der HintertĂŒr konnten Anwendungen unbemerkt installieren, Shell-Befehle mit vollen Systemrechten ausfĂŒhren, Screenshots erstellen, Tastatureingaben simulieren sowie Zugangsdaten abgreifen.

Kriminelle Partnerzweige nutzten die Module zur Bereitstellung von Residential-Proxys wie Linkfog, AppSalt, NetNut sowie Traffmonetizer und Honeygain. Zudem dienten die GerĂ€te dem Klickbetrug ĂŒber Dienste wie CBOXTV oder HiddenView sowie der Verbreitung weiterer Schadfamilien namens Moyu, Spirit und Bird.

Auswertungen von TrendAI belegen das globale Ausmaß: Vom 03.06.2026 bis 01.10.2026 erfasste das Sicherheitsunternehmen insgesamt 1.472.554 infizierte GerĂ€te ĂŒber 206 Modelle hinweg in mehr als 170 LĂ€ndern.

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FĂŒr Deutschland, die USA, Kanada, Großbritannien und Australien registrierten die Analysten jeweils etwa 26.000 bis 42.000 GerĂ€te, die unter anderem an AnschlĂŒssen von Vodafone hingen; in den USA belief sich die Zahl im Zeitraum von Juni bis Oktober auf knapp 44.000 GerĂ€te.

Demnach wurden insgesamt 3,85 Millionen verschiedene private IP-Adressen gezÀhlt, was einem Durchschnitt von rund 182.000 Adressen pro Tag entspricht.

Neben klassischen Fernsehboxen betrifft die Kompromittierung auch digitale Anzeigetafeln, Karaoke-Anlagen und Telemedizin-Hardware in ĂŒber 200 LĂ€ndern. Die höchste Dichte an Infektionen stellte TrendAI in Malaysia, Brasilien, dem Irak, Mexiko und Taiwan fest.

Konsequenzen fĂŒr Hersteller und Verbraucher

Google reagierte mit harten Sanktionen gegen den Verursacher. Der Konzern schloss Videostrong sowie kĂŒnftige Tochter- und Partnerunternehmen dauerhaft davon aus, zertifizierte Android-GerĂ€te herzustellen oder Software an zertifizierte Hersteller zu liefern. Zugleich passte Google seine internen PrĂŒfprozesse fĂŒr Hardwarepartner an.

Das IT-Sicherheitsunternehmen Synthient publizierte eine Übersicht mit 182 betroffenen Modellnamen. Zwar belege die bloße Modellbezeichnung noch keine Infektion, Synthient rĂ€t Besitzern entsprechender Boxen jedoch zur Entsorgung der Hardware, um Sicherheitsrisiken im Heimnetzwerk dauerhaft auszuschließen.

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