Xiaomi holt ByteDance-Robotik-Chef: Talentkrieg in China eskaliert
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Wettlauf um die besten KI-Roboter-Experten in China verschärft sich: Xiaomi holt mit Kong Tao einen Top-Mann von ByteDance, um humanoide Roboter mit smarter Software zu verbinden. Der Schritt zeigt, wie sehr der Kampf um Talente und Milliarden in der Branche eskaliert – ein Trend mit Signalwirkung auch für deutsche Unternehmen.
Kong Tao, früherer Leiter der Roboterabteilung beim Tech-Konzern ByteDance, übernimmt bei Xiaomi die Verantwortung für die sogenannte Embodied-Intelligence-Sparte. Das bestätigte das Unternehmen am heutigen Montag. Der neue Bereich bündelt mehrere Teams – darunter die VLA-Einheit (Vision-Language-Action) und die Roboterabteilung – unter einer Führung. Ziel ist es, humanoide Roboter mit fortschrittlichen KI-Modellen zu einer Einheit zu verschmelzen.
Xiaomi setzt auf offene Modelle und Tempo
Kong Tao hatte ByteDance im Juni 2024 verlassen und war bereits im Sommer 2025 zu Xiaomi gewechselt – offenbar nicht allein. Mehrere frühere Kollegen folgten ihm. Nun ist seine Rolle offiziell: Er leitet die neue Abteilung für Embodied Intelligence und Anwendungen.
Die Berufung ist kein Zufall. Xiaomis Robotik-Sparte mit rund 200 Beschäftigten hat zuletzt technisch aufgerüstet. Im Februar 2026 veröffentlichte das Unternehmen mit Xiaomi-Robotics-0 ein Open-Source-Modell mit 4,7 Milliarden Parametern, das komplexe Aufgaben wie das Falten von Wäsche bewältigt. Am 16. Juli folgte mit Xiaomi-Robotics-1 der nächste Wurf. Branchenbeobachter werten die formelle Ernennung Kongs als strategischen Schachzug, um KI und physische Roboterplattformen schneller zusammenzuführen.
Milliarden-Bewertung: Unitree geht an die Börse
Während Xiaomi auf Personal setzt, spiegelt der Kapitalmarkt das rasante Wachstum der Branche wider. Am heutigen Montag startete der Roboterhersteller Unitree Robotics seinen Börsengang an der Shanghai STAR Market. Der Ausgabepreis von 150,80 Yuan pro Aktie ergibt eine Bewertung von rund 61 Milliarden Yuan – umgerechnet etwa 8,3 Milliarden Euro.
Die Zahlen, die Unitree vorlegt, sind beeindruckend: 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,7 Milliarden Yuan und einen Nettogewinn von 278 Millionen Yuan. Humanoide Roboter tragen inzwischen mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Zwar sank der bereinigte Nettogewinn im ersten Quartal 2026 um 52,55 Prozent – die Nachfrage nach den IPO-Aktien blieb dennoch hoch. Die Anleger setzen offenbar auf das langfristige Potenzial des Marktes für menschenähnliche Maschinen.
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Kapitalströme und Auftragsbücher wachsen rasant
Die Finanzierungswelle in Chinas Robotikbranche kennt kaum Grenzen. In der ersten Jahreshälfte 2026 flossen insgesamt 93,5 Milliarden Yuan in die Branche – fünfmal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Zwischen Januar und Mai 2026 übertraf der Branchenumsatz die Marke von 90 Milliarden Yuan, ein Plus von 26,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Auswirkungen zeigen sich entlang der gesamten Lieferkette. Ein Hersteller rahmenloser Motoren in Shenzhen meldete für das erste Halbjahr 2026 Aufträge von über einer Million Einheiten – im gesamten Vorjahr waren es gerade einmal 120.000. Der Sektor der Embodied Intelligence wächst demnach jährlich um mehr als 50 Prozent. Einige Prognosen gehen davon aus, dass der Markt bis 2035 die Marke von einer Billion Yuan überschreiten könnte.
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Ausbildung als strategischer Hebel
Um das Wachstum zu stützen, setzt China auf neue Ausbildungs- und Dateninitiativen. In Hangzhou eröffnete kürzlich die weltweit erste Robotik-Berufsschule. Der Lehrplan umfasst physische Eignungstests, technische Prüfungen und Spezialkurse in Bereichen wie Pflege und Kunst.
In der Provinz Hubei wurde am 7. August das erste Unitree Technology Industry College am Changjiang Engineering Vocational and Technical College gegründet. Die Einrichtung arbeitet mit einem Doppel-Dekanats-Modell und startet im Herbst eine spezielle Innovationsklasse für Embodied Intelligence. Mindestens 65 Prozent der Unterrichtsstunden sind für praktische Übungen reserviert.
Auch in Peking beteiligt das Humanoid Robot Data Training Center (HRDTC) Studierende als Auszubildende. Sie bringen Robotern alltägliche Aufgaben bei – vom Sortieren von Lebensmitteln bis zur Maschinenreparatur. Dahinter steckt eine nationale Strategie: Die Produktion soll skaliert und die „Gehirne" der nächsten Robotergeneration verfeinert werden.
