Xylit, ESC-Kongress

Xylit: ESC-Kongress zeigt 57% erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Untersuchungen verbinden hohe Xylitwerte mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen, liefern aber keinen Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang.

Xylit unter Beobachtung: Studien zeigen erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko
Ein leeres Laborbecherglas auf einem sterilen Labortisch in einem klinischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die Bewertung von Zuckerersatzstoffen steht vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Daten vor einer differenzierten Neubeurteilung. Insbesondere für den weit verbreiteten Süßstoff Xylit liefern aktuelle Untersuchungen Hinweise auf potenzielle Gesundheitsrisiken, die über die bisher bekannten regulatorischen Einschätzungen hinausgehen.

Im Rahmen des ESC-Kongresses 2026 wurden Ergebnisse präsentiert, die einen Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Blutwerten und einem gesteigerten Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse nahelegen.

Signifikante Risikoerhöhung in klinischen Beobachtungsstudien

Eine groß angelegte Untersuchung mit insgesamt 17.710 Teilnehmern untermauert die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Xylit. Wie Dr. Witkowski von der Charité Berlin im Rahmen des Kongresses darlegte, zeigt die Auswertung zweier unterschiedlicher Kohorten eine deutliche Korrelation zwischen dem Xylit-Spiegel im Blut und dem Auftreten von Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Todesfällen.

In einer kanadischen Kohorte (CLSA), die über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet wurde, lag das Risiko bei Probanden mit den höchsten Xylit-Werten um 57 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe. Eine europäische Langzeitbeobachtung (EPIC-Norfolk) über 30 Jahre bestätigte diesen Trend mit einer Risikoerhöhung von 18 Prozent.

Die Forscher identifizierten dabei eine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Als mechanistische Erklärung für diese Beobachtungen wird eine erhöhte Reaktivität der Blutplättchen angeführt, die durch Xylit ausgelöst wird.

Es bleibt jedoch festzuhalten, dass es sich hierbei um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen direkten Beweis für eine Kausalität liefert. Bereits eine im Jahr 2024 im European Heart Journal veröffentlichte Studie mit über 3.000 Patienten hatte auf ein erhöhtes Dreijahresrisiko durch Xylit hingewiesen.

Im Gegensatz dazu hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bislang keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Süßstoff und Herz-Kreislauf-Risiken festgestellt.

Systematischer Überblick über alternative Süßungsmittel

Die Diskussion um Xylit reiht sich in eine Serie von Untersuchungen zu verschiedenen Ersatzstoffen ein. Bereits im Jahr 2023 brachte eine in Nature Medicine veröffentlichte Studie hohe Werte des Süßstoffs Erythrit mit einem Anstieg von Herzinfarkten in Verbindung. Auch für andere Stoffe gelten spezifische Sicherheitsbewertungen:

  • Aspartam: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte den Stoff 2023 als möglicherweise krebserregend ein. Der Sachverständigenausschuss JECFA bestätigte jedoch die zulässige tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 40 mg/kg Körpergewicht.
  • Sucralose: Die EFSA bestätigte im Jahr 2026 einen ADI-Wert von 15 mg/kg. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt jedoch vor dem Erhitzen über 120 Grad Celsius. In aktuellen Produkttests, etwa bei Ketchup-Untersuchungen durch die Stiftung Warentest, führt der Einsatz von Sucralose aufgrund von Umweltbelastungen zudem zu Abwertungen.
  • Stevia: Hier sieht die EFSA keine krebserregende Wirkung; der ADI-Wert ist auf 4 mg/kg festgesetzt.
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Regulatorische Debatte und steuerliche Implikationen

Die gesundheitliche Bewertung von Süßstoffen gewinnt durch geplante regulatorische Maßnahmen in Deutschland an wirtschaftlicher Relevanz. Ein Eckpunktepapier sieht die Einführung einer gestaffelten Zuckersteuer vor, die voraussichtlich ab 2027 Einnahmen in Höhe von 650 Millionen Euro generieren soll.

Nach den derzeitigen Planungen sollen Getränke mit einem Zuckergehalt von mehr als 4,5 Gramm pro 100 Milliliter mit 26 Cent pro Liter besteuert werden. Bei einem Gehalt von über 10 Gramm steigt der Satz auf 38 Cent. Auch Getränke mit Süßstoffen sollen pauschal mit 26 Cent pro Liter belegt werden.

Branchenvertreter wie Nicolas Lother befürworten zwar eine Besteuerung von Zucker, kritisieren jedoch die Einbeziehung kalorienfreier Süßstoffe. Seitens des Finanzministeriums wurde eine Besteuerung von Zero-Getränken bisher ausgeschlossen.

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Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Krebsprävention

Die Forschung zur Wahl des Süßungsmittels zeigt komplexe Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit. Während eine US-Studie des Mass General Brigham bei über 112.000 Teilnehmern feststellte, dass der tägliche Konsum zuckerhaltiger Getränke das Magenkrebsrisiko um das 2,45-fache erhöht, konnte für künstlich gesüßte Getränke kein solcher Zusammenhang nachgewiesen werden.

Gleichzeitig mahnen experimentelle Daten zur Vorsicht bei einem undifferenzierten Verzicht. Studien an Nagetieren deuteten darauf hin, dass ein vollständiger Zuckerverzicht zwar die Gewichtszunahme verhindert, jedoch die Darmflora und den Glukosestoffwechsel stören kann. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, den Einsatz von Ersatzstoffen wie Xylit weiterhin kritisch im Kontext der kardiovaskulären Prävention zu prüfen.

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