Xylit, Studie

Xylit: Studie zeigt 57% höheres Herzinfarkt-Risiko

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 13:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Charité-Daten verbinden hohe Xylitwerte mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen, während Behörden andere Süßstoffe weiterhin als sicher bewerten.

Xylit und Herzrisiken: Charité-Studie zeigt erhöhtes Gefäßrisiko
Körniges weißes Pulver auf einer dunklen, texturierten Steinoberfläche bei dramatischem Seitenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Künstliche Süßungsmittel und Zuckeraustauschstoffe stehen zunehmend im Fokus der biomedizinischen Forschung. Eine Untersuchung unter Leitung von Marco Witkowski von der Charité Berlin legt nahe, dass erhöhte Konzentrationen des Zuckeralkohols Xylit im Blut mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für schwere kardiovaskuläre Ereignisse einhergehen. Die Ergebnisse werfen neue Fragen zur Sicherheit weit verbreiteter Lebensmittelzusätze auf.

Beobachtungsdaten verknüpfen Xylit mit Gefäßverschlüssen

In der Untersuchung analysierten die Forschenden der Charité Berlin Daten von 17.701 Testpersonen aus zwei Beobachtungsstudien in Kanada und Europa über einen Zeitraum von sechs Jahren. Auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) wurden weitergehende Details mit 17.710 Teilnehmern aus den Kohorten CLSA und EPIC-Norfolk vorgestellt.

Beim Vergleich der höchsten Xylitol-Quartile mit der niedrigsten zeigte sich im CLSA-Kollektiv nach sechs Jahren Nachbeobachtung ein um 57 Prozent erhöhtes Risiko für schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (MACE), darunter Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall.

In der EPIC-Norfolk-Kohorte lag der Anstieg über einen Zeitraum von 30 Jahren bei 18 Prozent. Diese Werte wurden statistisch für Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutfette, Diabetes und Hypertonie bereinigt.

Biologisch lässt sich der Zusammenhang dadurch erklären, dass Xylit die Gerinnungsfähigkeit der Blutplättchen verstärkt, was die Bildung von Thromben begünstigen kann. Fachleute betonen jedoch den methodischen Rahmen: Es handelt sich um eine reine Beobachtungsstudie, die keinen kausalen Nachweis liefert.

Professor Tom Marwick vom Baker Institute ordnete die Resultate ebenfalls als Beobachtungsstudie ohne Kausalitätsnachweis ein und verwies zudem auf die kurze Halbwertszeit von Xylitol im Körper von rund 13 Minuten.

Wirtschaftliche Bedeutung und parallele Befunde zu weiteren Süßungsmitteln

Xylitol ist ein etablierter Bestandteil zahlreicher Alltagsprodukte, darunter Kaugummis, Zahnpasta und energiereduzierte Lebensmittel. Das Marktvolumen für den Stoff lag im Jahr 2025 bei über 800 Millionen Franken.

Die Berliner Resultate reihen sich in frühere Befunde zu alternativen Süßungsmitteln ein. Eine Studie der Cleveland Clinic an über 4.000 Menschen in den USA und Europa verknüpfte bereits hohe Werte des Zuckeralkohols Erythritol mit Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiken.

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Die Einrichtung benannte insgesamt fünf Süßstoffe im Zusammenhang mit Herzrisiken: Xylitol, Erythritol, Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose. Eine im Fachjournal BMJ veröffentlichte Untersuchung aus dem Jahr 2022 brachte Aspartam mit zerebrovaskulären Ereignissen sowie Acesulfam-K und Sucralose mit der koronaren Herzkrankheit in Verbindung.

Auch präklinische Versuche liefern Diskussionsstoff: In Tierversuchen an Mäusen erhöhte die Gabe von Aspartam vor einem ischämischen Schlaganfall den Anteil abgestorbenen Hirngewebes in Kortex und Hippocampus von etwa 24,3 Prozent auf rund 58,6 Prozent bei hoher Dosis, während die Energieproduktion der Zellen um ungefähr 25 Prozent sank. Für Sucralose und Acesulfam-K traten keine vergleichbaren Effekte auf; die Resultate gelten als vorläufig und sind nicht am Menschen bestätigt.

Behördliche Bewertungen und wissenschaftliche Debatte

Die behördliche Einschätzung weicht teilweise von den Befunden einzelner epidemiologischer Arbeiten ab. Am 10. September 2026 bestätigte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Rahmen einer Reevaluierung, dass Aspartam-Acesulfam-Salz (E 962) als Zusatzstoff bei den derzeitigen Verwendungsmengen kein Gesundheitsrisiko darstelle.

Zugleich sah die Behörde keine Sicherheitsbedenken für Acesulfam-K (E 950) sowie Aspartam (E 951) und bestätigte die annehmbare tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag für Aspartam sowie 15 Milligramm für Acesulfam-K, was auch dem Grenzwert der US-Arzneimittelbehörde FDA entspricht.

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Nichtregierungsorganisationen wie Foodwatch, Yuka und die Ligue contre le cancer kritisierten das EFSA-Gutachten unter Verweis auf frühere Bewertungen. Die Krebsforschungsagentur IARC hatte Aspartam im Jahr 2023 aufgrund begrenzter Evidenz in die Gruppe 2B als potenziell krebserregend eingestuft, während der Sachverständigenausschuss JECFA den ADI-Wert von 40 Milligramm bekräftigte.

Um diese Grenze zu überschreiten, müsste ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener täglich 9 bis 14 Dosen aspartamhaltiger Light-Getränke mit je 200 bis 300 Milligramm des Stoffs konsumieren.

Zuvor hatte eine Veröffentlichung im Fachblatt PLOS Medicine aus dem Jahr 2022 den Konsum von Aspartam mit einem um 13 Prozent höheren Krebsrisiko und einem Plus von 15 Prozent bei adipositas-assoziierten Krebsarten assoziiert.

Die Weltgesundheitsorganisation empfahl 2023 im Rahmen einer bedingten Leitlinie, zur Gewichtskontrolle bei Personen ohne Diabetes auf nicht-zuckerhaltige Süßstoffe zu verzichten, nahm Zuckeralkohole davon jedoch aus.

Wie Mediziner von Houston Methodist hervorheben, hängen Vor- und Nachteile von individuellen Zielen ab: Während Süßungsmittel Kalorien sparen und den Blutzuckerspiegel kaum beeinflussen, zeigen Beobachtungsdaten häufig statistische Zusammenhänge mit höherem Body-Mass-Index, Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Problemen, ohne dass Ursache und Wirkung bislang abschließend geklärt sind.

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