Xylit, Herz

Xylit und Herz: Studie zeigt 57% erhöhtes Schlaganfallrisiko

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien verknüpfen Zuckergetränke mit Magenkrebs und Xylit mit Herzrisiken, während Keto-Diäten Stoffwechselwerte verbessern können.

Zucker und Süßstoffe: Studien zeigen Risiken und mögliche Vorteile
Eine klare Glaskaraffe mit frischem Wasser auf einem dunklen Holztisch in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen geben differenzierte Einblicke in die Auswirkungen von Zucker und dessen Ersatzstoffen auf den menschlichen Organismus. Während die Reduktion des Zuckerkonsums gesundheitspolitisch forciert wird, deuten aktuelle Studiendaten darauf hin, dass sowohl der vollständige Verzicht als auch der Einsatz bestimmter Süßungsmittel physiologische Risiken bergen können.

Auswirkungen von Zuckerverzicht auf Darmflora und Stoffwechsel

Forschungsarbeiten an Nagetieren, die Ende August 2026 veröffentlicht wurden, legen nahe, dass eine strikte Diät ohne jeglichen Zucker die Darmflora sowie den Stoffwechsel beeinträchtigen kann. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein vollständige Verzicht zwar eine Gewichtszunahme verhinderte, jedoch gleichzeitig den Glukosestoffwechsel störte.

Experten weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass natürliche Zuckerquellen weiterhin eine wichtige Rolle in der Ernährung spielen. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass die an Nagetieren gewonnenen Erkenntnisse nicht ohne Weiteres direkt auf den Menschen übertragbar seien.

Herz-Kreislauf-Risiken durch Xylit und Erythrit

Im Rahmen des ESC-Kongresses 2026 wurden Daten zu dem Süßungsmittel Xylit präsentiert. Eine kanadische Untersuchung mit 17.710 Teilnehmern über einen Zeitraum von sechs Jahren zeigte eine Korrelation zwischen hohen Xylitwerten im Blut und einem um 57 Prozent erhöhten Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Todesfälle.

Eine europäische Langzeitanalyse über 30 Jahre bestätigte diesen Zusammenhang mit einem Risikoanstieg von 18 Prozent. Forscher betonten jedoch, dass es sich um Beobachtungsstudien handle, die keinen kausalen Beweis lieferten, weshalb weitere Untersuchungen notwendig seien.

Auch der Süßstoff Erythrit steht unter Beobachtung. Eine bereits 2023 im Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie brachte hohe Konzentrationen mit kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht nach aktuellem Stand jedoch keinen belegten ursächlichen Zusammenhang.

Zusammenhang zwischen zuckerhaltigen Getränken und Magenkrebs

Eine US-Studie, die im Fachblatt „Gastro Hep Advances“ erschien, untersuchte die Daten von 112.284 Teilnehmern über mehr als 3,2 Millionen Personenjahre. Die Auswertung von 278 Magenkrebsfällen ergab, dass der tägliche Konsum zuckerhaltiger Getränke mit einem 2,45-fach höheren Risiko für Magenkrebs einhergeht.

Bei Frauen, die mehr als eine Portion pro Tag zu sich nahmen, stieg das Risiko sogar auf das 3,04-Fache. Interessanterweise wurde bei Light-Getränken kein solcher Zusammenhang festgestellt. Als mögliche Ursache für das erhöhte Krebsrisiko wird die enthaltene Fruktose vermutet.

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Therapeutische Effekte der ketogenen Ernährung

Klinische Studien untersuchten zudem die Wirksamkeit spezieller Ernährungsformen bei Stoffwechselerkrankungen. Eine in „Cell Metabolism“ veröffentlichte Untersuchung mit 55 adipösen Erwachsenen, die unter Prädiabetes und einer Fettleber litten, verglich über fünf Monate verschiedene Diäten.

Eine ketogene Ernährung (73 Prozent Fett, 4 Prozent Kohlenhydrate) verbesserte die Insulinsensitivität der Leber dabei zwei- bis dreimal stärker als eine mediterrane oder fettarme Diät.

Das Leberfett reduzierte sich in der Keto-Gruppe um 67 Prozent, während die Vergleichsgruppen Rückgänge von 45 Prozent verzeichneten. Zudem sank der 24-Stunden-Blutzucker um 20 Prozent (Vergleichsgruppen: 8 Prozent).

Bei der Hälfte der Teilnehmer in der Keto-Gruppe war der Prädiabetes nach dem Interventionszeitraum reversibel, während dies in den anderen Gruppen nur bei 29 beziehungsweise 7 Prozent der Fall war.

Regulatorische Debatte und internationale Vergleiche

In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker laut Angaben der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) bei 35 Kilogramm pro Jahr und damit doppelt so hoch wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.

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Die BZÄK fordert daher verpflichtende Kennzeichnungen, Werbebeschränkungen für Kinderprodukte sowie eine Herstellerabgabe auf Softdrinks nach britischem Vorbild. In Großbritannien führte die 2018 eingeführte „Soft Drinks Industry Levy“ zu einer Senkung des Zuckerkonsums bei Kindern um 5 Gramm und bei Erwachsenen um 11 Gramm pro Tag.

Die Bundesregierung plant für 2027 die Einführung einer gestaffelten Zuckersteuer von bis zu 38 Cent pro Liter. Während Finanzminister Klingbeil eine Besteuerung von Getränken mit Süßstoffen ablehnt, kritisierte More Nutrition Produktchef Lother eine mögliche Gleichbehandlung von kalorienfreien Süßstoffen und Zucker als fachlich falsch.

Die EFSA bestätigte zuletzt im Jahr 2026 die Sicherheit verschiedener Ersatzstoffe, mahnte jedoch bei Sucralose an, diese nicht über 120 Grad Celsius zu erhitzen.

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