Zahlungsverkehr, Erstmals

Zahlungsverkehr: Erstmals zahlen Deutsche mehr digital als bar

19.06.2026 - 01:51:39 | boerse-global.de

Eine Bundesbank-Studie belegt: 2025 übertrafen bargeldlose Zahlungen erstmals die Barzahlungen in Deutschland.

Bargeld verliert: Deutsche zahlen erstmals mehr digital
Zahlungsverkehr - A hand holding a smartphone making a contactless payment at a terminal, symbolizing the shift towards digital and cashless transactions. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zahlen die Deutschen mehr digital als mit Schein und Münze. Eine aktuelle Studie der Bundesbank markiert eine Zeitenwende im Zahlungsverkehr.

Lange galt Deutschland als Bargeld-Hochburg Europas. Doch diese Ära neigt sich dem Ende zu. Zwischen September und Dezember 2025 wurden bereits 55 Prozent aller Einkäufe bargeldlos abgewickelt. Das ist ein historischer Einschnitt: Noch 2008 lag der Bargeldanteil bei satten 83 Prozent.

Die Karte regiert – das Bargeld verliert

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Der Anteil des Bargelds fiel auf 45 Prozent – ein Rückgang um sechs Prozentpunkte gegenüber 2023. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die Girocard. Sie ist mit 26 Prozent aller Transaktionen das mit Abstand beliebteste bargeldlose Zahlungsmittel und macht 28 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens aus.

Mobile Bezahldienste wie Apple Pay oder Google Pay legen ebenfalls rasant zu. Ihr Anteil stieg auf zehn Prozent – ein Plus von vier Prozentpunkten im Vergleich zu 2023.

Doch die Deutschen geben ihre Gewohnheiten nicht kampflos auf. Die Bundesbank stellte fest: 80 Prozent der Befragten wollen die Möglichkeit behalten, weiterhin bar zu zahlen. Dieser Wunsch deckt sich mit den Plänen der Europäischen Kommission, die Annahme von Bargeld gesetzlich zu sichern. Besonders ältere Menschen, Geringverdiener und weniger digital affine Bürger sind auf die traditionelle Zahlungsweise angewiesen.

Gen Z treibt den Wandel voran

Die junge Generation beschleunigt den Trend zur Digitalisierung. Eine Mastercard-Studie des Marktforschungsinstituts GfK zeigt: 76 Prozent aller Deutschen nutzen inzwischen Debitkarten. Bei der Generation Z – den 18- bis 29-Jährigen – liegt dieser Wert sogar bei 88 Prozent.

Die Hauptgründe für die Nutzung von Debitkarten sind:
- Kontaktloses Bezahlen (30 Prozent der Nutzer)
- Breite Akzeptanz an den Kassen (29 Prozent)
- Direkte Abbuchung vom Girokonto (28 Prozent)

Auch virtuelle Karten gewinnen an Bedeutung. 54 Prozent aller Befragten nutzen sie bereits. Bei der Gen Z sind es sogar 76 Prozent. Die Zufriedenheit ist hoch: 89 Prozent der Nutzer empfinden das Bezahlen mit Debitkarten als schnell und einfach, 83 Prozent fühlen sich sicher.

Digital Wallets erobern die Welt

Der Trend ist global. Der Worldpay Global Payments Report 2026 zeigt: Digitale Geldbörsen haben physische Karten als weltweit führende Zahlungsmethode abgelöst. 2025 entfielen rund 41 Prozent des globalen E-Commerce-Volumens und 45 Prozent der Kassentransaktionen auf digitale Wallets.

In Großbritannien nutzen 77 Prozent der Verbraucher Debitkarten, 67 Prozent zahlen häufiger elektronisch als mit Bargeld. Doch die Sicherheitsbedenken wachsen: 40 Prozent der Briten wurden in den letzten zwölf Monaten Opfer von Betrug. Visa reagiert und blockiert nach eigenen Angaben monatlich zwischen 400 und 500 Millionen Cyberangriffe. Das führte zu einem Rückgang der Betrugsfälle im Visa-Netzwerk um 24 Prozent innerhalb von drei Jahren.

Innovationen an der Kasse schreiten voran. Revolut hat kürzlich Visa Click to Pay für 53 Millionen Kunden in Großbritannien und Europa eingeführt. Das System nutzt Netzwerk-Tokenisierung und biometrische Authentifizierung – das lästige Eintippen der Kreditkartendaten beim Online-Kauf entfällt.

Die Infrastruktur verändert sich

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Der Rückgang des Bargelds hinterlässt Spuren in der Bankenlandschaft. In Indien sank die Zahl der traditionellen Geldautomaten im Finanzjahr 2025 auf 251.000 – ein Rückgang gegenüber 255.000 im Jahr 2023. Auch die Abhebungen gingen deutlich zurück.

Gleichzeitig gewinnen sogenannte Micro-ATMs an Bedeutung. Diese kleinen, mobilen Geräte ermöglichen Transaktionen auch in ländlichen Regionen. In Indien erreichten sie im Finanzjahr 2026 ein Transaktionsvolumen von umgerechnet rund 36 Milliarden Euro.

Wird Bargeld also ganz verschwinden? Wohl nicht. Prognosen für Australien zeigen: Selbst 2030 werden noch etwa neun Prozent der Kassentransaktionen mit Bargeld bezahlt. Allerdings nutzen dann nur noch sechs Prozent der 18- bis 24-Jährigen Scheine und Münzen – gegenüber 20 Prozent der über 65-Jährigen. Das Bargeld stirbt nicht aus. Es wird zur Nischenlösung für eine alternde Generation.

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