ZahnĂ€rzte-Deadline 30. Juni: Berufsausweise mĂŒssen aktualisiert werden
17.06.2026 - 19:48:38 | boerse-global.de
Die europĂ€ische Gesundheits- und Verwaltungslandschaft erlebt einen Digitalisierungsschub: Gleich mehrere EU-Staaten haben in dieser Woche Meilensteine bei der EinfĂŒhrung digitaler IdentitĂ€tsnachweise erreicht. Belgien startete am heutigen Mittwoch mit MyGov.be eine der ersten vollstĂ€ndig eIDAS-2.0-konformen Wallet-Lösungen.
Neue EU-Standards fĂŒr digitale Brieftaschen
Bereits am Montag veröffentlichte das EuropĂ€ische Institut fĂŒr Telekommunikationsnormen (ETSI) die ersten technischen Rahmenwerke fĂŒr die European Digital Identity Wallet. Die Standards definieren unter anderem Beglaubigungsprofile, Zertifikatsrichtlinien und IdentitĂ€tsprĂŒfungsverfahren. Bis 2027 sollen die Arbeiten an diesen Grundlagen weitergehen. Alle EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, ihren BĂŒrgern mindestens eine solche digitale Brieftasche bereitzustellen.
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Belgien macht nun ernst: Die App MyGov.be wurde mit einer speziellen mobilen Sicherheitssoftware von Cryptomathic entwickelt. BĂŒrger können damit offizielle Dokumente speichern und mit Behörden interagieren.
Auch Griechenland zieht nach. Das Ministerium fĂŒr digitale Governance integrierte am Dienstag eine Funktion in die bestehende Gov.gr Wallet-App, die den sicheren Zugriff auf persönliche Identifikationsnummern ermöglicht. Seit Juni wurden bereits ĂŒber 1,3 Millionen dieser Nummern ausgestellt.
Digitale Gesundheitskarte: Barmer treibt Projekt voran
Die deutsche Krankenkasse Barmer arbeitet an einer mobilen Lösung, die die physische elektronische Gesundheitskarte ersetzen soll. Gemeinsam mit den Partnern T-Systems und Verimi setzt die Kasse auf eine Technologie, die kĂŒrzlich vom Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zugelassen wurde.
Parallel dazu warnt die BundeszahnĂ€rztekammer vor einem Stichtag: Bis zum 30. Juni 2026 mĂŒssen ZahnĂ€rzte ihre elektronischen Berufsausweise aktualisieren. Ăltere Chip-Generationen des Anbieters IDEMIA werden dann deaktiviert. Wer nicht rechtzeitig handelt, verliert die Möglichkeit, elektronische Signaturen fĂŒr Rezepte und Atteste zu setzen.
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Biometrie hÀlt Einzug in Klinik-Plattformen
Die IdentitĂ€tsprĂŒfung erreicht auch die Software, die Ărzte tĂ€glich nutzen. Bereits im Mai wurde die Verifikationslösung Vouched fĂŒr EpicCare Link freigegeben â nachdem sie im MĂ€rz bereits fĂŒr das Patientenportal MyChart zugelassen worden war. Das System kombiniert amtliche Ausweise mit biometrischen Live-Checks, um Klinikpersonal zu verifizieren.
In den USA setzt der Gesundheitsdaten-Netzwerkbetreiber Availity auf die Thales OneWelcome Identity Platform. Die Migration, die von Identity Fusion betreut wird, soll veraltete Systeme ersetzen. Availity verarbeitet Milliarden von Gesundheitstransaktionen fĂŒr seine Kunden und Partner.
GroĂbritannien: Wales schlieĂt Digitalisierung der Hausarztpraxen ab
In Wales wurde im Juni ein groĂ angelegtes Digitalisierungsprogramm im PrimĂ€rversorgungsbereich abgeschlossen. Ăber zwei Jahre â beginnend im Juni 2024 â migrierten alle 193 Hausarztpraxen des Landes auf das EMIS Web-System. Dabei wurden ĂŒber 1,75 Millionen Patientenakten ĂŒbertragen und 5.000 Mitarbeiter geschult.
Globaler Markt: Milliardenwachstum erwartet
Auch auĂerhalb Europas schreitet die digitale IdentitĂ€t voran. Indiens DigiLocker-Plattform hat kĂŒrzlich Familiendaten aus vier Bundesstaaten integriert, darunter Uttar Pradesh und Maharashtra. Rund 370 Millionen BĂŒrger erhalten so digitalen Zugang zu Gesundheitsdiensten und staatlichen Leistungen.
Im Baltikum haben Mobile-ID-Lösungen in Estland und Litauen die rechtliche Gleichstellung mit physischen Ausweisen fĂŒr kommerzielle Transaktionen erreicht. Rund 705.000 aktive Nutzer nutzen die SIM-basierten ZugĂ€nge â eine Verbreitung von 21 Prozent in der 3-Millionen-Einwohner-Region.
Branchenanalysten erwarten, dass der globale Markt fĂŒr digitale IdentitĂ€ten von geschĂ€tzten 44 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf rund 157 Milliarden Euro im Jahr 2031 wachsen wird. Neue Partnerschaften treiben diese Entwicklung voran: Erst am Dienstag gaben authID und Trinsic eine Zusammenarbeit bekannt, die biometrische Verifikation ĂŒber mehr als 70 digitale ID-Aussteller in 50 LĂ€ndern ermöglicht.
