Zahnfleischbehandlung bei Rheuma: DAS28-Wert sinkt um 0,56 Punkte
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Erkenntnisse beschreiben eine bakterielle Verbindung zwischen Parodontitis und einem erhöhten Risiko für rheumatoide Arthritis, die in der Medizin als chronisch entzündliche Erkrankung eingestuft wird. Die Forschung belegt zunehmend, dass chronische Entzündungsherde im Zahnbett weitreichende systemische Folgen für den gesamten Organismus haben können und maßgeblich an Immunprozessen beteiligt sind.
Häufung bei Betroffenen und mikrobiologische Mechanismen
Wie eng beide Erkrankungen miteinander verwoben sind, verdeutlicht eine im Jahr 2024 im Fachjournal Frontiers in Immunology veröffentlichte Übersichtsarbeit. Die Auswertung von 33 Studien mit rund 49.000 an rheumatoider Arthritis erkrankten Patienten sowie über 760.000 gesunden Personen ergab, dass Betroffene eine rund 1,8-fach höhere Chance auf eine Parodontitis haben.
Demnach wiesen ca. 65% der Patienten mit rheumatoider Arthritis zugleich eine Parodontitis auf, wie globo.com in einem Bericht vom 23. Oktober 2026 zusammenfasste.
Auf mikrobiologischer Ebene rückt dabei insbesondere der Erreger Porphyromonas gingivalis in den Fokus. Dieses Bakterium erzeugt eine Citrullinierung von Proteinen. Genau gegen diese veränderten Proteine richten sich spezifische Antikörper, die für die rheumatoide Arthritis charakteristisch sind, und fachen so entzündliche Reaktionen im Gewebe an.
Genetische Zusammenhänge und messbare Therapieerfolge
Dass zwischen der Mundflora und Gelenkentzündungen eine kausale genetische Verbindung bestehen kann, unterstreichen auch neuere genetische Analysen. Eine in BMC Oral Health veröffentlichte Zwei-Sample-Mendelian-Randomisierung auf Grundlage von Daten europäischer GWAS-Teilnehmer zeigte, dass die Bakterienordnung Bacteroidales im Mundmikrobiom genetisch mit einem höheren Risiko für rheumatoide Arthritis assoziiert ist (OR 1,04; 95%-KI 1,01–1,08; P=0,008; korrigiertes P=0,033).
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Eine umgekehrte Untersuchung (Reverse-MR) ergab hingegen keine signifikanten Assoziationen, wie aus einem Bericht von springer.com vom 22. Oktober 2026 hervorgeht.
Gleichzeitig lassen sich durch zahnmedizinische Behandlungen therapeutische Effekte erzielen. Eine Analyse von sechs randomisierten Studien mit insgesamt 255 Teilnehmern aus dem Jahr 2024 belegt, dass eine gezielte Zahnfleischbehandlung den Krankheitsaktivitätswert DAS28 im Mittel um 0,56 Punkte gegenüber einer unbehandelten Vergleichsgruppe senkte.
Systemische Ausbreitung über die Blutbahn
Die Folgen einer unbehandelten Parodontitis beschränken sich nicht allein auf die Gelenke. In einem Quadratzentimeter veränderten Zahnfleisches können sich mehr als 700 Bakterienarten ansiedeln, wie eleconomista.es am 22. Oktober 2026 darlegte. Ist die Schleimhautbarriere beschädigt, gelangt unter anderem Porphyromonas gingivalis in den Blutkreislauf.
Laut einem Überblicksartikel von dental-ratgeber.de vom 22. Oktober 2026 können Bakterien aus Karies und Parodontitis über die Blutbahn zu Organen, Gelenken sowie Herzklappen transportiert werden und dort chronische Entzündungsprozesse anstoßen.
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Darüber hinaus ergab eine Untersuchung im Fachmagazin Cell Host & Microbe, dass eine veränderte Mundflora entzündliche Verdauungsprozesse in Gang setzt und die Immunantwort beeinflusst. Nach Angaben der American Heart Association wurde bakterielle Erbsubstanz aus dem Mundraum bereits wiederholt in atherosklerotischen Ablagerungen von Patienten mit Herzinfarkten und Schlaganfällen identifiziert.
Auch internationale Gesundheitserhebungen spiegeln diese weitreichenden Gefahren wider. So ordnet die Vierte nationale Mundgesundheits-Erhebung Chinas, über die csznkq.com am 22. Oktober 2026 berichtete, Parodontitis als unabhängigen Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten, Arteriosklerose, Entgleisungen bei Diabetes sowie Frühgeburten ein und weist auf eine Assoziation mit rheumatoider Arthritis und der Lungenkrankheit COPD hin.
