Zahnfleischerkrankung, Parodontitis

Zahnfleischerkrankung: Parodontitis verdoppelt Herzinfarktrisiko

29.05.2026 - 08:23:30 | boerse-global.de

Studien zeigen: Chronische EntzĂŒndungen fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neue AnsĂ€tze wie miR-147 und LebensmittelzusĂ€tze als Risikofaktoren identifiziert.

Zahnfleischerkrankung: Parodontitis verdoppelt Herzinfarktrisiko - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Zahnfleischerkrankung: Parodontitis verdoppelt Herzinfarktrisiko - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Aktuelle Forschungsergebnisse aus Deutschland und Frankreich zeigen: Die Mechanismen sind vielfĂ€ltig – und die TherapieansĂ€tze ebenfalls.

MĂŒnchner Forscher entdecken zentralen Schalter in Immunzellen

Ein Team der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen (LMU) hat einen entscheidenden Mechanismus in der Entstehung von Arterienverkalkung identifiziert. Die am 27. Mai im Fachjournal Circulation veröffentlichte Studie konzentriert sich auf fettfreie Makrophagen in arteriellen Plaques. Diese Immunzellen beseitigen zwar Zellreste, verletzen dabei aber unbeabsichtigt die empfindliche GefĂ€ĂŸinnenhaut, das Endothel.

Die MĂŒnchner Forscher fanden heraus, dass die mikroRNA miR-147 eine SchlĂŒsselrolle spielt. Sie hemmt das Protein Galectin-3 und begrenzt so die Bildung von Plaques und Cholesterinkristallen. Fehlt miR-147, nehmen sowohl Plaquebildung als auch Kristallablagerungen deutlich zu. „miR-147 könnte ein vielversprechender Ansatzpunkt sein, um das Risiko von Herzinfarkten und SchlaganfĂ€llen zu senken", so die Studienautoren. Das Ziel: die GefĂ€ĂŸentzĂŒndung gezielt zu modulieren.

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LebensmittelzusĂ€tze als Risikofaktor fĂŒr Bluthochdruck

Doch nicht nur körpereigene Prozesse befeuern EntzĂŒndungen. Eine französische Studie mit 112.000 Teilnehmern warnt vor gĂ€ngigen Konservierungsstoffen in stark verarbeiteten Lebensmitteln. Die im Mai 2026 veröffentlichten Daten zeigen: Substanzen wie Natriumnitrit, Kaliumsorbat, Kaliummetabisulfit, ZitronensĂ€ure und kĂŒnstliche AscorbinsĂ€ure können das Risiko fĂŒr Bluthochdruck um bis zu 29 Prozent erhöhen. Diese ZusĂ€tze stecken vor allem in verarbeitetem Fleisch, Fertiggerichten und Softdrinks und werden auch mit einer höheren Herzinfarktrate in Verbindung gebracht.

Der Zeitpunkt des Essens macht den Unterschied

Ein ĂŒberraschender Befund betrifft den Einfluss der Mahlzeiten-Timing. Eine SekundĂ€ranalyse der ChronoFast-Studie mit 31 Frauen verglich frĂŒhes mit spĂ€tem Zeitfenster-Essen. Das Ergebnis: Wer zwischen 8 und 16 Uhr seine Nahrung aufnahm, senkte 103 verschiedene Lipidtypen – darunter Ceramide und Phosphatidylcholine – unabhĂ€ngig vom Gewichtsverlust. Das spĂ€tere Zeitfenster (13 bis 21 Uhr) zeigte dagegen keine solchen Stoffwechselverbesserungen.

Wenn Übergewicht die Nerven schĂ€digt

Chronische EntzĂŒndungen entstehen oft außerhalb des Herz-Kreislauf-Systems – mit weitreichenden Folgen. Eine Studie von Helmholtz Munich und der LMU aus dem Mai 2026 belegt: Durch Übergewicht verursachte EntzĂŒndungen können NervenschĂ€den verursachen. In Untersuchungen an MĂ€usen und menschlichen Gewebeproben von Personen mit einem BMI ĂŒber 30 fanden die Forscher eine 60-prozentige Reduktion der Nervenendigungen im Gesichtsnerv (Nervus trigeminus).

Zahnfleisch als FrĂŒhwarnsystem fĂŒrs Herz

Der Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Herzkrankheiten wird immer deutlicher. Eine Metaanalyse vom 25. Mai zeigt: Parodontitis verdoppelt nahezu das Herzinfarktrisiko und erhöht das Risiko fĂŒr koronare Herzkrankheit um das 1,14- bis 2,2-Fache. Hauptverantwortlich ist das Bakterium P. gingivalis, das die Arterienverkalkung vorantreibt. Die gute Nachricht: Eine erfolgreiche Behandlung der Zahnfleischerkrankung senkt entzĂŒndliche Marker wie das C-reaktive Protein (CRP) um 30 Prozent. Die globalen Kosten fĂŒr Zahnerkrankungen werden auf 360 Milliarden Euro jĂ€hrlich geschĂ€tzt – dabei spart regelmĂ€ĂŸige Vorsorge pro Patient zwischen 510 und 630 Euro an herzbedingten Behandlungskosten pro Jahr.

Bewegung als Medikament: Welche Sportart senkt den Blutdruck am besten?

Eine Metaanalyse von 31 Studien mit 1.345 Teilnehmern, veröffentlicht am 27. Mai im British Journal of Sports Medicine, verglich verschiedene Trainingsformen. Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining senkte den systolischen Blutdruck um 6,18 mmHg
  • Hochintensives Intervalltraining (HIIT) brachte eine Reduktion von 5,71 mmHg
  • Reines Ausdauertraining erreichte 4,73 mmHg
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Abnehmspritzen mit ĂŒberraschendem Nebeneffekt

Die Deutsche Herzstiftung hob in einem Bericht vom 27. Mai die Vorteile von GLP-1-Rezeptor-Agonisten hervor – bekannt als Abnehmspritzen. Neben einer Gewichtsreduktion von 10 bis 20 Prozent innerhalb eines Jahres schĂŒtzen diese Medikamente nachweislich vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine Datenbankstudie von KrĂŒger und Kollegen, ursprĂŒnglich Ende 2025 in Nature Medicine veröffentlicht, deutet darauf hin, dass die Wirkstoffe direkt auf die BlutgefĂ€ĂŸe wirken und entzĂŒndliche Prozesse unterdrĂŒcken.

Die unvermeidliche Wahrheit: Fast immer sind Risikofaktoren im Spiel

Die Deutsche Hochdruckliga untermauert die Dringlichkeit dieser Erkenntnisse. Eine Analyse von Daten ĂŒber 9,4 Millionen Teilnehmern vom 27. Mai ergab: In 99 Prozent der FĂ€lle von koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz lag mindestens ein nicht-optimaler Risikofaktor vor – erhöhter Blutdruck, hohes Cholesterin oder Rauchen. Bluthochdruck bleibt dabei der hĂ€ufigste Einzelfaktor.

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