Zahnverzicht, Herzinfarkt-

Zahnverzicht erhöht Herzinfarkt- und Demenz-Risiko um bis zu 4%

27.06.2026 - 04:09:56 | boerse-global.de

DIW-Studie belegt: Geringverdiener leben deutlich kĂŒrzer. Gleichzeitig steigen Investitionen in die Langlebigkeitsforschung rasant.

Einkommensunterschiede: Lebenserwartung und Gesundheitsausgaben im Fokus
Zahnverzicht - Ältere und jĂŒngere HĂ€nde treffen sich, symbolisieren den Einfluss des Einkommens auf Gesundheit und Lebenserwartung. 27.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW). Bei Frauen betrĂ€gt die Differenz rund 3,5 Jahre.

Die Ungleichheit wird durch regionale Faktoren verstÀrkt. In wirtschaftlich schwachen Gebieten liegt die Lebenserwartung von MÀnnern um bis zu 3,5 Jahre unter der in wohlhabenden Regionen. Die COVID-19-Pandemie hat diese Unterschiede weiter verschÀrft.

Wer zahlt fĂŒr die Gesundheit?

Private Haushalte und Arbeitnehmer trugen 2024 rund 54,3 Prozent der laufenden Gesundheitsausgaben. Das entspricht 286,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.

Die Ausgaben der Unternehmen stiegen um 9,5 Prozent auf 164,5 Milliarden Euro. Der staatliche Anteil blieb mit 73,9 Milliarden Euro nahezu konstant.

Wenn der Zahnarztbesuch zum Luxus wird

Der Verzicht auf medizinische Leistungen aus KostengrĂŒnden hat schwerwiegende Folgen. Studien mit ĂŒber 90.000 Teilnehmern ĂŒber 55 Jahren zeigen: Wer Zahnarztbesuche aus finanziellen GrĂŒnden vermeidet, hat ein höheres Risiko fĂŒr Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall und Demenz.

SchĂ€tzungen zufolge ließen sich zwei bis vier Prozent dieser Erkrankungen vermeiden – wenn die finanziellen HĂŒrden im Gesundheitswesen fielen.

JĂŒngere Generationen altern biologisch schneller. Eine Untersuchung der Washington University zeigt: Bei Menschen der GeburtsjahrgĂ€nge 1990 bis 1999 liegt das biologische Alter um 92 Prozent höher als bei der Generation der frĂŒhen 1950er Jahre. Der Trend korreliert mit einem steigenden Krebsrisiko vor dem 55. Lebensjahr.

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MilliardengeschÀft mit der Langlebigkeit

Die Longevity-Forschung zieht immer mehr Investitionen an. Im ersten Quartal 2026 flossen 3,74 Milliarden US-Dollar in Longevity-Biotech-Unternehmen – eine Steigerung von 56 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. FĂŒr das Gesamtjahr 2026 prognostizieren Experten ein Volumen von bis zu 9 Milliarden US-Dollar.

Branchenkenner wie J.P. Morgan erwarten massive Auswirkungen auf die Finanzwelt. Eine VerlÀngerung der gesunden Lebensspanne um zehn Jahre werde die private Nachfolgeplanung und die Struktur von Anlageklassen grundlegend verÀndern.

Die Versicherungswirtschaft reagiert bereits. Der Verband der Privaten Krankenversicherung veröffentlichte im Juni 2026 die neue Sterbetafel 2027. Sie gilt ab Januar 2027 fĂŒr die Kalkulation neuer Tarife.

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Die Rentendebatte: LÀnger leben, lÀnger arbeiten?

Die Politik diskutiert intensiv ĂŒber die Zukunft des Rentensystems. Eine Rentenkommission hat 33 Empfehlungen vorgelegt – darunter die Koppelung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung im VerhĂ€ltnis 2:1.

Das wĂŒrde bedeuten: Bis 2041 steigt das Renteneintrittsalter auf 67,5 Jahre. Zudem schlĂ€gt die Kommission die Abschaffung der FrĂŒhrente mit 63 Jahren vor und die EinfĂŒhrung kapitalgedeckter Elemente nach schwedischem Vorbild.

Die VorschlÀge werden kontrovers diskutiert. Friedrich Merz betonte Ende Juni 2026 im Bundestag: Eine lÀngere Lebensspanne erfordere auch eine lÀngere Erwerbsphase. Nur so bleibe das System stabil.

SPD-Vertreterin Manuela Schwesig lehnt eine automatische Koppelung ab. Sie fordert stattdessen die Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung.

Auch die Gewerkschaften positionieren sich klar. Eine DGB-Kommission fordert eine Stabilisierung des Rentenniveaus bei mindestens 50 Prozent, perspektivisch 53 Prozent. Zur Finanzierung schlagen die Arbeitnehmervertreter höhere Steuern auf KapitalertrĂ€ge und große Vermögen vor. Zudem solle die Rentenversicherung zu einer ErwerbstĂ€tigenversicherung ausgebaut werden – inklusive SelbststĂ€ndiger und Abgeordneter.

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