Zeitumstellung: CMAJ-Analyse sieht gesundheitliche Vorteile bei Standardzeit
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wiederkehrende Debatte über das Drehen an den Uhren erhält durch wissenschaftliche Analysen neue Impulse. Eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin Canadian Medical Association Journal (CMAJ) kommt zu dem Ergebnis, dass die gesundheitlichen Faktoren bei einer Abschaffung des halbjährlichen Wechsels klar für eine dauerhafte Standardzeit – auch als Winter- oder Normalzeit bekannt – sprechen.
Sollte die Zeitumstellung beendet werden, sei die Wahl des dauerhaft beibehaltenen Systems der entscheidende Faktor für das allgemeine Wohlbefinden der Bevölkerung.
Die biologische Rolle des Morgenlichts für den Organismus
Die Autoren der Analyse im Canadian Medical Association Journal verweisen darauf, dass Morgenlicht die innere Uhr synchronisiert und dadurch sowohl den Schlaf als auch die Stimmung stabilisiert. Eine spätere Sonnenzeit stehe dagegen mit weniger Schlaf, verringerter Produktivität und schlechteren schulischen Leistungen im Zusammenhang.
Würde eine dauerhafte Sommerzeit gewählt, blieben die Wintermorgen deutlich länger dunkel, da sich der Sonnenaufgang in der kalten Jahreszeit um eine Stunde nach hinten verschiebt.
Nach Schätzungen sind bereits heute 1 bis 3 Prozent der Kanadier von saisonalen Depressionen betroffen, während weitere 15 Prozent mildere saisonale Veränderungen bei Stimmung, Schlaf, Appetit und Energie erleben. Bei einer dauerhaften Sommerzeit könnten vor allem Kinder und Jugendliche sowie Beschäftigte mit Schichtarbeit oder frühem Arbeitsbeginn gesundheitlich gefährdet sein.
Für den Fall einer ganzjährigen Sommerzeit empfehlen die Verfasser begleitende Maßnahmen wie sichere Morgenwege, flexiblere oder spätere Schul- und Arbeitszeiten sowie eine genaue Überwachung von Schlafdaten, Stimmungswerten und Verletzungen.
Dass ausreichendes Tageslicht am Morgen messbare Effekte hat, stützen auch weitere Untersuchungen: Eine Studie an Jugendlichen an der Zeitzonengrenze in Florida zeigte, dass eine zusätzliche Stunde Morgenlicht mit besseren Leistungen in Mathematik und Lesen verbunden war. Eine weitere Untersuchung zu US-Zeitzonen stellte fest, dass ein um eine Stunde späterer Sonnenuntergang langfristig mit rund 5 Prozent geringeren Einkommen einherging.
Politische Vorstöße und historische Rücknahmen
Trotz dieser biologischen Argumente zielen politische Initiativen häufig auf dauerhaft längere Helle am Abend ab. So kündigten British Columbia, Alberta, die Northwest Territories und Manitoba für 2026 eine dauerhafte Sommerzeit an, nach der die Uhren in Westkanada am 1. November 2026 nicht zurückgestellt werden sollten.
Die aktuelle Übersichtsarbeit im Canadian Medical Association Journal zeigt: Entscheidend ist nicht nur, ob die Uhren künftig stillstehen – sondern welches Licht am Morgen auf Sie trifft. Morgenlicht synchronisiert die innere Uhr und stabilisiert Schlaf und Stimmung. Unser kostenloser Guide zeigt Ihnen, wie Sie diesen Effekt in Ihren Alltag holen. Kostenlosen Gesundheits-Guide anfordern
Eine Online-Umfrage in British Columbia aus dem Jahr 2019, an der über 223.000 Menschen teilnahmen, ergab eine Zustimmung von 93 Prozent für eine ganzjährige Sommerzeit – allerdings war die Standardzeit damals gar nicht als Auswahloption angeboten worden.
Historische Vergleiche zeigen jedoch, dass die Einführung einer dauerhaften Sommerzeit oft auf Widerstände stieß. Die USA revidierten ein entsprechendes System von 1974 bereits innerhalb eines Jahres. Russland führte eine ganzjährige Sommerzeit im Jahr 2011 ein und nahm die Regelung 2014 wieder zurück.
Auch Chile machte einen vergleichbaren Versuch aus dem Jahr 2015 später wieder rückgängig. Einen abweichenden Ansatz brachten spanische Forscher ein: Sie schlugen vor, das Frühjahrsdrehen auf das erste April-Wochenende anstelle des letzten Sonntags im März zu legen und die Sommerzeit bereits Anfang statt Ende Oktober zu beenden.
Stillstand in Europa und spürbare Belastungen
In der Europäischen Union herrscht derweil Stillstand. Zwar stimmte das Europäische Parlament bereits 2019 für das Ende des halbjährlichen Wechsels, die ursprünglich für 2021 angedachte Umsetzung scheiterte jedoch an der fehlenden Einigung der 27 Mitgliedstaaten über die künftig geltende Zeitzone. Das bisherige System soll nun mindestens bis Ende 2026 bestehen bleiben.
Die erhofften ökonomischen Vorteile gelten als gering. Die 1980 in Deutschland eingeführte Maßnahme spart nach Angaben der Bundesregierung kaum Energie, da ein geringerer Beleuchtungsaufwand durch zusätzlichen Heizbedarf an kühlen Morgenstunden aufgeglichen wird.
Laut einer Analyse europäischer Studien von 2016 durch das Bundestagsbüro für Technikfolgenabschätzung (TAB) sank der Stromverbrauch europaweit um höchstens 1 Prozent; Modellrechnungen für Deutschland ergaben 0,2 Prozent, während Berechnungen der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und der Universität Kassel knapp 0,8 Prozent ermittelten.
Gleichzeitig belasten die Umstellungen viele Menschen. In einer Erhebung von Cloudpillo gaben 41,1 Prozent der Befragten an, dass der Zeitwechsel ihren Schlafrhythmus negativ beeinflusse.
Wenn die dunklen Monate auf die Stimmung drücken, liegt das oft am fehlenden Morgenlicht – nicht an Ihrem Willen. Die aktuelle Analyse im Canadian Medical Association Journal verbindet spätes Sonnenlicht mit weniger Schlaf und geringerer Produktivität. Unser Guide gibt Ihnen 5 konkrete Schritte gegen saisonale Müdigkeit. 5 Schritte gegen saisonale Müdigkeit sichern
Laut einer DAK-Umfrage klagen 60 Prozent der Frauen und über 50 Prozent der Männer nach dem Wechsel über Einschlafprobleme und Schlafstörungen; 26 Prozent nennen Gereiztheit, Konzentrationsmangel und Leistungsschwäche, 10 Prozent depressive Verstimmungen.
Allgemein berichten rund 32 Prozent der Bürger von körperlichen oder psychischen Beschwerden. Zur Linderung wird geraten, die Schlaf- und Aufstehzeiten bereits einige Tage vor dem Termin täglich um 10 bis 15 Minuten zu verschieben, da die vollständige körperliche Anpassung bis zu vier Wochen beanspruchen kann.
