Zellverjüngung: NewLimit sammelt 378 Millionen Euro für Therapien
13.06.2026 - 01:30:54 | boerse-global.de
Statt die maximale Lebensspanne zu verlängern, konzentrieren sich Wissenschaftler und Unternehmen zunehmend auf die gesunden Jahre – mit milliardenschweren Investitionen und ersten klinischen Studien.
Warum wir überhaupt altern
Ein im Mai veröffentlichter Review in Nature Reviews Genetics liefert die theoretische Basis. Forscher des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) in Jena und des University College London erklären das Altern mit dem sogenannten Selektionsschatten.
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Die natürliche Selektion wirkt vor allem auf Merkmale, die die Fortpflanzung im frühen Leben sichern. Mit zunehmendem Alter nimmt ihre Kraft ab. Schädliche Genvarianten, die sich erst spät manifestieren, werden kaum aussortiert – sie reichern sich im Erbgut an.
Hinzu kommt die Theorie der antagonistischen Pleiotropie. Uralte Signalwege wie mTOR oder der Insulin/IGF-1-Stoffwechsel sind in der Jugend für das Wachstum essenziell. Im Alter bleiben sie überaktiv und verursachen Schäden. Moderne Lebensbedingungen mit hoher Lebenserwartung und niedrigen Geburtenraten verstärken diesen Effekt.
Milliardenschwere Jagd auf die Zellverjüngung
Parallel zur Grundlagenforschung fließt massiv Kapital in Verjüngungstechnologien. Die epigenetische Reprogrammierung gilt als vielversprechendster Ansatz: Zellen sollen durch gezielte Eingriffe in einen biochemisch jüngeren Zustand zurückversetzt werden.
Anfang Juni schloss NewLimit eine Series-C-Finanzierungsrunde über 378 Millionen Euro ab. Die Bewertung des Unternehmens stieg damit auf 2,7 Milliarden Euro. Zu den Investoren zählen der Founders Fund und Thrive Capital. NewLimit will seine KI-Plattform für Therapien gegen alkoholbedingte Lebererkrankungen nutzen – erste klinische Studien sind für 2027 geplant.
Ebenfalls im Juni behandelte Life Biosciences den ersten Probanden in einer Glaukom-Studie. Die Reprogrammierungstechnologie soll die Regeneration von Nerven fördern. Auch Altos Labs (Budgets von rund 3 Milliarden US-Dollar) und Retro Biosciences (180 Millionen US-Dollar Finanzierung) verfolgen ähnliche Ansätze.
Mitochondrien: Die Kraftwerke der Zellen im Fokus
Forschungsergebnisse aus diesem Jahr werfen ein neues Licht auf die Rolle der Mitochondrien. Eine in Nature veröffentlichte Studie der University of Arizona beschreibt einen unbekannten Mechanismus: Mitochondrien docken direkt an Kernporen des Zellkerns an. Über das Protein RANBP2 versorgen sie den Zellkern unmittelbar mit Energie in Form von ATP.
Experimente an Mäusen zeigten: Blockiert man diese Verbindung, führt das zu schwerwiegenden Herzfehlern.
Analysen der UK Biobank und der „All of Us“-Studie lieferten zudem neue Erkenntnisse über mitochondriale Mutationen. Ein signifikanter Anstieg um das 60. Lebensjahr ist demnach nicht primär auf oxidativen Stress zurückzuführen. Ursache ist die klonale Expansion von Blutstammzellen. Die identifizierten Mutationssignaturen deuten auf Replikationsfehler hin.
Neue Hoffnung bei Alzheimer und Parkinson
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Auch bei neurodegenerativen Erkrankungen gibt es Fortschritte. Eine Studie in Nature Communications untersuchte die Aktivität von Deubiquitylasen (DUB) in den Gehirnen alternder Mäuse und Killifische. Ergebnis: Die Enzymaktivität sank um etwa 40 Prozent – verursacht durch die Oxidation von Cystein-Thiolen.
Eine zwölftägige Behandlung mit NACET stellte diese Aktivität wieder her und reduzierte die Proteinbelastung im Gehirn.
Ein Team der HKUMed entwickelte zudem ein neues Werkzeug namens RNA Segment Editing (RSE). Die auf einem modifizierten Cas13-Enzym basierende Methode ersetzt fehlerhafte RNA-Abschnitte in lebenden Zellen präzise – ohne die DNA dauerhaft zu verändern. Die Forscher sehen darin großes Potenzial für die Behandlung von Krankheiten wie Huntington.
