Zöliakie: Neuer Antikörper TEV-408 schützt Darmschleimhaut
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 18:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Entwicklung neuer Therapieansätze für die chronische Autoimmunerkrankung Zöliakie hat mit der Untersuchung des Antikörpers TEV-'408 einen signifikanten Meilenstein erreicht.
Teva Pharmaceutical Industries legte am 2. September 2026 klinische Daten vor, die das Potenzial dieses Anti-IL-15-Antikörpers zur Prävention von Darmschäden durch Glutenexposition untermauern. Da für Patienten mit Zöliakie bislang die lebenslange glutenfreie Ernährung die einzige Behandlungsoption darstellt, wird die Erforschung medikamentöser Alternativen in der Branche aufmerksam verfolgt.
Histologische Befunde der Phase-2a-Studie
Im Zentrum der klinischen Analyse stehen die Topline-Ergebnisse einer Phase-2a-Studie, in der TEV-'408 den primären Endpunkt erreichte. Die Untersuchung belegte eine statistisch signifikante Wirksamkeit bei der Verhinderung gluteninduzierter Schäden an der Dünndarmschleimhaut im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe.
Ein wesentlicher Indikator hierfür war die Veränderung des Verhältnisses von Zottenhöhe zu Kryptentiefe (Vh:Cd-Ratio). Während dieser Wert in der Placebo-Gruppe nach acht Wochen um -0.88 sank, verzeichneten Probanden unter der Therapie mit TEV-'408 lediglich eine Veränderung von -0.43. Die resultierende Differenz von 0.45 (95 % CI 0.06-0.84, p < 0.05) belegt die protektive Wirkung des Wirkstoffs.
Zusätzlich zur Vh:Cd-Ratio lieferte die Dichte der intraepithelialen Lymphozyten (IEL) wichtige Erkenntnisse über den Entzündungszustand des Gewebes. In der Auswertung vom 2. September 2026 wurde für die TEV-'408-Gruppe ein Anstieg der IEL-Dichte von lediglich +0.37 dokumentiert.
Im Gegensatz dazu stieg dieser Wert unter Placebo deutlich um +27.60 an, was einer Differenz von -27.23 entspricht. Diese Daten stützen die Hypothese, dass die Blockade von Interleukin-15 (IL-15) die immunologische Reaktion auf Gluten effektiv dämpfen kann.
Studiendesign und Verträglichkeitsprofil
Die vorliegenden Erkenntnisse basieren auf einer Studie mit 50 erwachsenen Patienten. Das Protokoll sah die Verabreichung einer Einzeldosis sowie eine kontrollierte, sechswöchige Gluten-Challenge vor, um die Belastbarkeit der schützenden Wirkung unter Realbedingungen zu testen.
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Nach einem Beobachtungszeitraum von acht Wochen zeigte sich zudem ein günstiges Sicherheitsprofil. Laut den vorliegenden Berichten wurden keine relevanten Sicherheitssignale identifiziert, was die weitere klinische Entwicklung stützt.
Das Programm profitiert bereits seit Mai 2025 von einem Fast-Track-Status der US-Gesundheitsbehörde FDA. Diese Einstufung unterstreicht den hohen medizinischen Bedarf und soll den Entwicklungsprozess sowie die spätere Prüfung beschleunigen.
Strategische Finanzierung und Marktpositionierung
Die finanzielle Absicherung der Entwicklung erfolgt unter anderem durch eine Kooperation mit Royalty Pharma, die Mittel von bis zu 500 Mio. US-Dollar für das Projekt vorsieht.
Teva verfolgt dabei eine Strategie, die als „Pipeline-in-a-Product“ bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass der Wirkstoff TEV-'408 nicht nur für die Indikation Zöliakie, sondern potenziell für eine Reihe weiterer immunvermittelter Erkrankungen evaluiert wird. Weitere Analysen der aktuellen Studiendaten laufen derzeit noch, um das volle Wirkprofil zu erfassen.
Die Marktreaktion auf die Veröffentlichung der Studiendaten fiel positiv aus. Im vorbörslichen Handel am 2. September 2026 stieg die Aktie von Teva Pharmaceutical Industries um 2,96 % auf einen Wert von 37,27 US-Dollar.
In anderen Handelssegmenten wurde ein zeitweiser Zuwachs von bis zu 3,3 % beobachtet. Ein für den 2. September 2026 angekündigter Investor Call dient dazu, die Ergebnisse sowie die nächsten Schritte der klinischen Strategie detailliert zu erörtern.
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Erweiterung des Indikationsspektrums
Über die Anwendung bei Zöliakie hinaus plant das Unternehmen eine Ausweitung der klinischen Erprobung von TEV-'408. Für das vierte Quartal 2026 ist der Beginn einer Phase-2b-Studie zur Behandlung von Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) vorgesehen. Dies unterstreicht die Absicht, den Antikörper als breit einsetzbare Therapieplattform im Bereich der Entzündungskrankheiten zu etablieren. Die positiven Resultate der Phase-2a-Studie bei Zöliakie gelten hierbei als wichtige Validierung des zugrundeliegenden Wirkmechanismus.
