Zuckerverzicht: Kompletter Verzicht schadet mehr als moderater Konsum
17.06.2026 - 03:02:54 | boerse-global.de
Das legen Forschungsergebnisse des Dasman Diabetes Instituts aus Kuwait nahe, die Mitte Juni auf dem Fachkongress ENDO 2026 in Chicago präsentiert wurden.
In einer 16-wöchigen Untersuchung an Mäusen führte eine zuckerfreie und gleichzeitig fettarme Diät zu einer Verschlechterung der Stoffwechselparameter. Die Forscher beobachteten eine erhöhte Insulinresistenz sowie negative Veränderungen der Darmflora. Zudem zeigten sich Anzeichen einer Fettleber und Entzündungsprozesse im Dickdarm sowie in der Leber.
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Moderate Mengen sind besser
Die beteiligten Wissenschaftler rieten von einem kompletten Verzicht auf Saccharose ab. Stattdessen empfahlen sie eine ausgewogene Ernährung mit einem moderaten Zuckerkonsum von etwa 20 bis 30 Gramm pro Tag.
Parallel zur Debatte um den Zuckerkonsum lieferte eine neue Analyse zu Süßstoffen neue Erkenntnisse. Eine im Fachmagazin JAMA Network Open am 15. Juni veröffentlichte Untersuchung von Daten aus elf Kohorten mit über 1,5 Millionen Erwachsenen über durchschnittlich 17,8 Jahre untersuchte den Zusammenhang zwischen Aspartam-Konsum und Leberkrebs.
Süßstoffe unbedenklich – Zuckerhaltige Getränke riskant
Die Analyse ergab kein erhöhtes Risiko für Leberkarzinome durch Aspartam, sobald Faktoren wie der Body-Mass-Index (BMI) oder bestehende Diabetes-Erkrankungen berücksichtigt wurden. Anders sah es bei zuckergesüßten Getränken aus: Pro zusätzlich konsumiertem Getränk pro Tag stieg das Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) um 10 Prozent. Für ein intrahepatisches cholangiozelluläres Karzinom (ICC) waren es sogar 15 Prozent.
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt auf der Verteilung von Körperfett. Eine Langzeitstudie der Ben-Gurion-Universität des Negev und der Universität Leipzig, veröffentlicht im Fachjournal Circulation am 16. Juni, untersuchte die Auswirkungen einer Reduktion von viszeralem Fett über zehn Jahre.
Bauchfett reduzieren – auch bei Gewichtszunahme
Die Daten von 366 Teilnehmenden zeigten: Eine Verringerung des viszeralen Fetts um 10 Prozent während einer 18-monatigen Diätphase senkte das Risiko für Typ-2-Diabetes um 28 Prozent. Bemerkenswert: Dieser gesundheitliche Vorteil blieb auch dann bestehen, wenn die Probanden nach zehn Jahren ihr ursprüngliches Körpergewicht wieder erreicht hatten. Während das Gewicht stieg, blieben der Taillenumfang und die reduzierten Bauchfettdepots weitgehend stabil.
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Schnell abnehmen – ohne Jo-Jo-Effekt?
Hinsichtlich der Geschwindigkeit einer Gewichtsreduktion lieferte eine norwegische Studie neue Anhaltspunkte. Die im Mai 2026 auf dem Europäischen Kongress für Adipositas in Istanbul vorgestellte Untersuchung von 284 Erwachsenen stellte den sogenannten Jo-Jo-Effekt bei schnellem Abnehmen infrage.
Teilnehmende, die in einer achtwöchigen Intensivphase weniger als 1.000 Kalorien pro Tag zu sich nahmen, verloren signifikant mehr Gewicht als eine Vergleichsgruppe mit moderater Kalorienreduktion. Auch nach zwölf Monaten lag der Gewichtsverlust in der Gruppe mit schneller Reduktion bei 14,4 Prozent, während die langsame Gruppe 10,5 Prozent erreichte. Ein verstärkter Jo-Jo-Effekt wurde bei den Probanden mit schnellem Gewichtsverlust nicht festgestellt.
Intervallfasten: Kalorienreduktion als Geheimnis
Ergänzend dazu zeigen aktuelle Bewertungen zum Intervallfasten (Methode 16:8), dass der Erfolg dieser Ernährungsform primär auf der automatischen Kalorienreduktion innerhalb des begrenzten Zeitfensters beruht. Ein spezifischer Modus zur Fettverbrennung durch die Fastenperioden konnte bei identischer Kalorienzufuhr im Vergleich zu klassischen Diäten nicht belegt werden.
Medikamente: SGLT2-Hemmer schützen die Nieren
Im Bereich der Pharmakologie identifizierten Forscher des Universitätsklinikums Bonn den Mechanismus, durch den SGLT2-Hemmer vor Niereninfektionen schützen. Obwohl diese Medikamente zu einem erhöhten Zuckergehalt im Urin führen, was theoretisch Bakterienwachstum begünstigen könnte, sank unter der Therapie die Konzentration des Komplementfaktors C1q in der Niere. Dies verbessere laut den Studienergebnissen die antibakterielle Abwehr und erkläre die niedrigen Infektionsraten bei Patienten, die diese Wirkstoffklasse einnehmen.
