Vollmond, Deutschland

Letzter Vollmond des Jahres: Mythen und Fakten

04.12.2025 - 05:00:29

Zum Jahresende gibt es einen Supermond - wann gibt es den nÀchsten? Und stimmt es etwa, dass man in dieser Nacht schlechter schlafen kann?

  • Der letzte Vollmond des Jahres wird auch «Cold Moon» oder «Julmond» genannt. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpa

    Christian Charisius/dpa

  • Nach dem kommenden Supermond findet der nĂ€chste in einem Jahr statt. (Archivbild) - Foto: Patrick Pleul/dpa

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  • Faktoren wie Licht, die Tagesstruktur, psychische Verfassung sowie die Umgebung haben einen großen Einfluss auf unseren Schlaf, sagt Chronobiologe Spitschan. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

    Julian Stratenschulte/dpa

Der letzte Vollmond des Jahres wird auch «Cold Moon» oder «Julmond» genannt. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpaNach dem kommenden Supermond findet der nĂ€chste in einem Jahr statt. (Archivbild) - Foto: Patrick Pleul/dpaFaktoren wie Licht, die Tagesstruktur, psychische Verfassung sowie die Umgebung haben einen großen Einfluss auf unseren Schlaf, sagt Chronobiologe Spitschan. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In der Nacht zum Freitag ist ĂŒber Deutschland der letzte Vollmond des Jahres zu sehen - und es wird ein sogenannter Supermond sein. Um den Vollmond ranken sich viele Mythen. WĂ€hrend in BĂŒchern und Filmen die Verwandlung zum Werwolf beim Schein des Vollmonds thematisiert wird, sind manche Menschen davon ĂŒberzeugt, dass sie stets in diesen NĂ€chten schlechter schlafen. Wissenswertes und Mythen rund um den Vollmond im Überblick:

Was den Supermond ausmacht

Ein Supermond erscheint am Himmel grĂ¶ĂŸer als andere - das liegt an der Entfernung. Der erdnĂ€chste Punkt ist an diesem Donnerstag. Um 12.09 Uhr betrĂ€gt die Entfernung dann 356.965 Kilometer, wie Carolin Liefke, stellvertretende Leiterin am Haus der Astronomie in Heidelberg, erlĂ€utert. Zu anderen Zeiten kann der Mond mehr als 400.000 Kilometer von der Erde entfernt sein. Der GrĂ¶ĂŸenunterschied sei fĂŒr Menschen jedoch nicht immer leicht erkennbar. Ein Supermond entsteht, wenn der Mond auf seiner elliptischen Umlaufbahn der Erde besonders nahe kommt und gleichzeitig Vollmond ist.

«Schon beim nÀchsten Vollmond, das wÀre dann direkt kurz nach dem Jahreswechsel, ist der Mond dann wieder merklich weiter weg», so Liefke. In etwa einem halben Jahr sei dann das Gegenteil der Fall und der Mond werde zum Vollmondzeitpunkt vergleichsweise klein sein. In einem Jahr findet dann der nÀchste Supermond statt - und zwar an Heiligabend. Der erdnÀchste Punkt wird demnach am 24. Dezember 2026, morgens um 9.31 Uhr, erreicht.

Letzter Mond des Jahres: «Cold Moon» oder «Julmond»

Wenn es um den Vollmond geht, fallen auch Namen wie «Erdbeermond» oder «Bibermond». Diese stammen aus dem US-amerikanisch-kanadischen Raum, erklĂ€rt Liefke. «Die haben tatsĂ€chlich UrsprĂŒnge aus den Sprachen der Ureinwohner.» So wird der letzte Mond des Jahres auch «Cold Moon», also kalter Mond, genannt. Aus altdeutscher Tradition heraus heißt dieser auch «Julmond». Das beziehe sich auf die Wintersonnenwende am 21. Dezember.

SchlÀft man bei Vollmond schlechter?

Der gelĂ€ufigste Mythos rund um den Vollmond ist wohl, dass man in dieser Nacht schlechter schlĂ€ft. Gibt es dafĂŒr Belege? «Wissenschaftlich ist die Lage gemischt», erklĂ€rt Manuel Spitschan vom Max-Planck-Institut fĂŒr biologische Kybernetik und Professor an der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen. Der Chronobiologe forscht zur Wirkung von Licht auf Physiologie und Verhalten beim Menschen, unter anderem beim Thema Schlaf. 

«Einzelne Studien berichten, dass Menschen in VollmondnĂ€chten etwas spĂ€ter einschlafen oder etwas weniger Tiefschlaf aufweisen.» Diese Effekte seien jedoch klein und ĂŒber Studien hinweg nicht konsistent und ließen sich oft nicht reproduzieren. Ein Teil dieser Befunde könnten auch auf den sogenannten «File Drawer»-Effekt zurĂŒckgehen: Positive Ergebnisse wĂŒrden eher veröffentlicht als negative, sodass die Literatur verzerrt sei.

«Unser Schlaf reagiert sehr empfindlich auf eine Vielzahl biologischer, verhaltensbezogener und umweltbezogener EinflĂŒsse, und viele davon sind wesentlich stĂ€rker als der Mond», erlĂ€utert er. Der wichtigste Taktgeber sei Licht: Helles Tageslicht stabilisiere die innere Uhr und fördere guten Schlaf. Abendliches oder nĂ€chtliches Licht, etwa von Lampen, Bildschirmen oder Straßenbeleuchtungen, könne hingegen die Einschlafzeit nach hinten verschieben. Aber auch Stress, Sport, die Temperatur im Schlafzimmer, LĂ€rm oder Bettkomfort beeinflussen, wie tief und erholsam man schlĂ€ft.

«Zusammengefasst entsteht Schlaf als Zusammenspiel vieler Faktoren, von denen Licht, Tagesstruktur, psychische Verfassung und Umgebung zu den stĂ€rksten gehören – weit stĂ€rker als der Mond», so Spitschan. 

Einfluss auf die Psyche?

«Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht gibt es keine ĂŒberzeugenden Belege, dass der Vollmond direkte biologische Effekte auf die menschliche Psyche hat», erklĂ€rt Spitschan. Zum einen sei Mondlicht sehr schwach. «Vollmondlicht erreicht typischerweise nur etwa 0.1 bis 0.3 Lux.» Das sei deutlich schwĂ€cher als kĂŒnstliches Licht am Abend mit 10 bis 100 Lux. FĂŒr neurowissenschaftliche Prozesse oder die innere Uhr sei es in der Regel zu schwach, um entsprechend wirksam zu sein. 

Zudem zeigten Studien keine konsistenten Effekte. «Große epidemiologische und klinische Analysen zeigen keine robusten ZusammenhĂ€nge zwischen Mondphasen und Stimmungsstörungen, Krisenaufnahmen in Kliniken, psychiatrischen Symptomen oder suizidalen Ereignissen.» 

Dem Vollmond wird zudem in anderen Bereichen eine Menge Einfluss nachgesagt, etwa im Zusammenhang mit Geburten. Dazu sagt der Experte: «Ein kausaler Einfluss auf den Beginn von Geburten ist in modernen Daten nicht belegbar.»

Warum wird dem Mond so viel Einfluss zugeschrieben?

Schon seit Jahrtausenden ist der Mond ein stark sichtbares, regelmĂ€ĂŸiges HimmelsphĂ€nomen, wie Spitschan erklĂ€rt. «Er markiert Zyklen von ungefĂ€hr einem Monat, was historisch leicht mit biologischen Rhythmen wie dem weiblichen Zyklus verknĂŒpft wurde.» Außerdem sei der Mond, besonders der Vollmond, auffĂ€llig - «und unser Gehirn ist sehr gut darin, Muster zu erkennen». Auch dort, wo es statistisch gesehen keine stabilen ZusammenhĂ€nge gebe.

Wenn man zufÀllig in einer Nacht mit Vollmond schlechter geschlafen hat, dann bringe man das eher mit der Mondphase in Verbindung, als bei anderen NÀchten. «In der Wissenschaft nennt man das einen Erinnerungs- und Selektionsbias.»

@ dpa.de