Drogen, Sucht

Je kommerzieller der Cannabis-Markt, desto höher das Risiko

20.06.2026 - 06:00:08 | dpa.de

Zwischen hartem Verbot und freiem Verkauf: Forscher haben die Cannabis-Politik verschiedener LĂ€nder analysiert. FĂŒr die gesundheitlichen Risiken scheint die Art der Legalisierung entscheidend zu sein.

  • Seit rund zwei Jahren ist Cannabis in Deutschland teilweise legal.  - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Seit rund zwei Jahren ist Cannabis in Deutschland teilweise legal. - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • In Kalifornien werden Cannabis-Produkte in einem Shop angeboten. Der Studie zufolge macht eine solche Art der Kommerzialisierung einen deutlichen Unterschied. (Archivbild) - Bild: Barbara Munker/dpa
    In Kalifornien werden Cannabis-Produkte in einem Shop angeboten. Der Studie zufolge macht eine solche Art der Kommerzialisierung einen deutlichen Unterschied. (Archivbild) - Bild: Barbara Munker/dpa
Seit rund zwei Jahren ist Cannabis in Deutschland teilweise legal.  - Bild: Jens Kalaene/dpa In Kalifornien werden Cannabis-Produkte in einem Shop angeboten. Der Studie zufolge macht eine solche Art der Kommerzialisierung einen deutlichen Unterschied. (Archivbild) - Bild: Barbara Munker/dpa

Was hat es fĂŒr gesundheitliche Auswirkungen, wenn Cannabis legal konsumiert werden kann? Diese Frage wurde heftig diskutiert, bevor vor gut zwei Jahren Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert wurde. Nun hat sich ein Forschungsteam der britischen UniversitĂ€t Bath gemeinsam mit internationalen Kollegen dieser Frage gewidmet und systematisch Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre dazu gebĂŒndelt und ausgewertet. Aus den im Fachjournal «The Lancet Psychiatry» veröffentlichten Ergebnissen lassen sich einige Tendenzen ableiten.

Ein Hauptbefund der Studie: Eine gewisse Legalisierung geht nicht zwangslĂ€ufig mit erhöhtem Konsum einher. Das Risiko, insbesondere mit Blick auf gesundheitlich problematischen Konsum, scheint sich allerdings zu erhöhen, wenn die Legalisierung einen stark kommerzialisierten Markt fĂŒr Cannabis hervorbringt, etwa mit speziellen Shops fĂŒr Cannabis-Produkte. Die USA und Kanada gelten dem Team zufolge als Beispiele fĂŒr solche MĂ€rkte. 

Ob LĂ€nder den Besitz, Konsum und Verkauf von Cannabis verbieten oder erlauben, variiert weltweit sehr stark – und entwickelt sich stetig weiter. Das Team schaute sich unter anderem an, wie sich Änderungen in der Cannabis-Politik in verschiedenen LĂ€ndern im Zeitraum zwischen 2000 und 2025 darauf ausgewirkt haben, wie hĂ€ufig psychische Störungen vorkommen oder wie oft Menschen wegen Psychosen ins Krankenhaus eingewiesen werden. 

Hauptautor Tom Freeman hĂ€lt fest: «Wir haben kaum Anhaltspunkte fĂŒr VerĂ€nderungen im Konsum nach der Entkriminalisierung oder einer streng kontrollierten Legalisierung gefunden.» Anders sei dies im Fall von Kanada und den USA, wo man weitreichendere VerĂ€nderungen festgestellt habe. 

Mehr Probleme in LĂ€ndern mit kommerzialisiertem Markt

Problematischer Konsum von Cannabis nahm in den USA und Kanada besonders zu, wenn sich der Verkauf von Cannabis-Produkten im Einzelhandel ausweitete. 

In den USA gibt es einen Flickenteppich an Cannabis-Regelungen, da die Bundesstaaten fĂŒr Regelungen verantwortlich sind. In Kanada ist Cannabis bundesweit legalisiert, doch auch hier gibt es regionale Unterschiede, etwa beim Verkauf.

In diesen LĂ€ndern mit gewinnorientierten MĂ€rkten habe der Konsum zugenommen, stellt das Team fest. Auch der Wirkstoffgehalt des konsumierten Cannabis habe sich seit der Legalisierung erhöht. Das gilt auch fĂŒr den Anteil der Erwachsenen mit einer Cannabis-Sucht. Als sĂŒchtig wird hier jemand definiert, der Probleme hat, mit seinem Konsum aufzuhören, obwohl dieser negative Wirkungen auf den Alltag hat. 

In den USA und Kanada konnte das Team zudem einen Anstieg der Krankenhausaufenthalte wegen Psychosen und psychotischen Störungen bei Menschen mit problematischem Cannabis-Konsum erkennen. 

Keine Effekte bei begrenzter Legalisierung

In Europa, Afrika und Ozeanien konnten die Forscher keine direkten ZusammenhĂ€nge zwischen Schritten in Richtung Legalisierung und einer VerĂ€nderung des Konsums oder einer Zunahme von Störungen belegen. Das Team fĂŒhrt dies darauf zurĂŒck, dass dortige Änderungen in der Cannabis-Politik deutlich kleiner und begrenzter ausfielen, als es in den USA und Kanada der Fall war. 

Im April 2024 wurde Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert. Erlaubt ist der Anbau von bis zu drei Pflanzen in Privatwohnungen. Zuhause dĂŒrfen Erwachsene bis zu 50 Gramm Cannabis haben, unterwegs sind 25 Gramm erlaubt. ZulĂ€ssig sind auch nicht-kommerzielle Anbauvereinigungen mit bis zu 500 Mitgliedern.

Studienautor Freeman erklĂ€rt, man habe fĂŒr Deutschland mit Stand 2025 keine signifikanten VerĂ€nderungen im Cannabis-Konsum seit der Legalisierung feststellen können. Wegen der kurzen Zeitspanne sei jedoch eine weitere Bewertung notwendig. Der geringe Grad der Kommerzialisierung könnte jedoch VerĂ€nderungen des Konsums auch begrenzen.

«Angesichts der sich rasch wandelnden globalen Cannabis-Politik ist es zunehmend wichtiger, sich zu fragen, wie sich die Politik Ă€ndern wird, anstatt ob sie sich ĂŒberhaupt Ă€ndern wird. Die Art der politischen VerĂ€nderung ist entscheidend», so Freeman. 

Risiken besonders fĂŒr JĂŒngere

Cannabis birgt besonders fĂŒr jĂŒngere Altersgruppen erhebliche Risiken. So warnt etwa das Bundesinstitut fĂŒr Öffentliche Gesundheit, der Konsum könne die Entwicklung des Gehirns beeintrĂ€chtigen, zu Konzentrations- und GedĂ€chtnisproblemen fĂŒhren und die Gesundheit langfristig gefĂ€hrden. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum von Jugendlichen und psychotischen Störungen. 

Laut einer 2024 im Fachjournal «Psychological Medicine» vorgestellten Studie haben die meisten Jugendlichen, bei denen eine psychotische Störung diagnostiziert wird, eine Vorgeschichte mit Cannabiskonsum. Der Zusammenhang zwischen Cannabis im Jugendalter und psychotischen Störungen könnte demnach sogar noch stÀrker sein als zuvor angenommen.

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