Trotz Waffenruhe: Wieder ZwischenfÀlle im Gazastreifen
20.10.2025 - 14:32:12Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas bleibt fragil. Nachdem die Feuerpause bereits am Sonntag gewackelt hat, gab es im Gazastreifen erneut einzelne ZwischenfĂ€lle. Die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete unter Berufung auf eine Klinik zwei Tote durch israelischen Beschuss im Viertel Tuffah im Osten der Stadt Gaza. Die Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Israel lĂ€sst nach einem Aussetzen der Hilfslieferungen derweil wieder humanitĂ€re GĂŒter in den Gazastreifen. Die politische FĂŒhrung habe angeordnet, dass «humanitĂ€re Hilfe weiterhin den Gazastreifen ĂŒber den Ăbergang Kerem Schalom und weitere ĂbergĂ€nge erreicht», verlautete aus Sicherheitskreisen. Am Sonntag hatte es noch geheiĂen, die Hilfslieferungen seien wegen «eklatanter Verletzung» der Waffenruhe-Vereinbarungen durch die islamistische Terrororganisation Hamas gestoppt worden.Â
Nach Inkrafttreten der Waffenruhe waren die Hilfslieferungen als Teil der Vereinbarung ausgeweitet worden, mit einem Ziel von 600 Lkw am Tag. Die zustĂ€ndige israelische Behörde Cogat Ă€uĂerte sich auf Anfrage zunĂ€chst nicht dazu, wie viele Transporter derzeit tatsĂ€chlich tĂ€glich in das Gebiet fahren.
Israel: PalÀstinenser betraten von MilitÀr kontrolliertes Gebiet
Israels Armee bestĂ€tigte unterdessen ZwischenfĂ€lle im Gazastreifen. In Schedschaija, einem Nachbarviertel von Tuffah, hĂ€tten in zwei FĂ€llen am Morgen PalĂ€stinenser ein vom MilitĂ€r kontrolliertes Gebiet betreten und sich Soldaten genĂ€hert. Konkret hĂ€tten sie die «gelbe Linie», hinter die sich die israelische Armee als Teil der vereinbarten Waffenruhe zurĂŒckgezogen hat, ĂŒberschritten. Die PalĂ€stinenser hĂ€tten eine Bedrohung fĂŒr die Soldaten dargestellt, hieĂ es weiter. Diese hĂ€tten deshalb auf die Menschen â die Armee sprach in beiden FĂ€llen von «Terroristen» â gefeuert.Â
Zu möglichen Opfern machte Israels MilitĂ€r zunĂ€chst keine Angaben. Es war zunĂ€chst auch unklar, ob einer der beiden VorfĂ€lle im Zusammenhang mit dem von Wafa geschilderten Bericht steht.Â
Israels Armee meldete am Montagnachmittag einen Ă€hnlichen Vorfall im Gebiet der Stadt Chan Junis im SĂŒden des Gazastreifens. Dort seien Personen aus der Luft angegriffen und «ausgeschaltet» worden, die sich Soldaten genĂ€hert hĂ€tten.Â
Die Angaben beider Seiten lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Waffenruhe geriet ins Wanken
Die mĂŒhsam ausgehandelte Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas hatte am Sonntag ihre erste schwere Belastungsprobe ĂŒberstanden. Laut der israelischen Armee wurden Soldaten im SĂŒden des Gazastreifens unter anderem mit einer Panzerfaust angegriffen, zwei Soldaten starben demnach dabei.Â
Israel flog daraufhin die schwersten Luftangriffe seit Beginn der Waffenruhe am 10. Oktober. Dabei wurden Krankenhausangaben zufolge 44 PalĂ€stinenser getötet. Die Hamas weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck und sagt, sie stehe nicht hinter den Angriffen. Israels Armee teilte am Sonntagabend mit, sich nach den Angriffen wieder an die Vereinbarung halten, aber auch auf jeden VerstoĂ reagieren zu wollen.
ZDF: Mitarbeiter einer Partnerfirma in Gaza getötet
Bei einem israelischen Raketenangriff kam am Sonntagnachmittag laut ZDF auch ein Mitarbeiter einer fĂŒr den Sender tĂ€tigen Produktionsfirma ums Leben. Ein Ingenieur von der Palestine Media Production (PMP) sowie der achtjĂ€hrige Sohn eines anderen Mitarbeiters wurden dabei den Angaben zufolge getötet. Auf Nachfrage bei der israelischen Armee, warum der Angriff erfolgt sei, habe diese geantwortet, der Vorfall werde geprĂŒft.
Auf Bildern ist nach ZDF-Angaben zu sehen, dass auch der Ăbertragungswagen sowie Teamfahrzeuge zerstört wurden. Ăberlebende hĂ€tten berichtet, dass es keine Vorwarnung gegeben habe.Â
Bundesregierung: An Waffenruhe im Gazastreifen halten
Deutschland pocht darauf, dass sich die islamistische Hamas und Israels Regierung an den Gaza-Friedensplan halten. «Der zeitweilige Bruch der Waffenruhe wurde von der Bundesregierung mit Sorge zur Kenntnis genommen», sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin.
Die Verabredungen zur Waffenruhe seien klar und konkret. Alle Parteien seien aufgefordert, sich daran zu halten â «auch die Hamas oder andere KĂ€mpfer, die im Gazastreifen Provokationen ausgelöst haben».
Berichte: Hamas könnte weitere Geisel-Leiche ĂŒbergeben
Mehrere israelische Medien berichteten, die Hamas könne am Abend die Leiche einer weiteren Geisel ĂŒbergeben. Der militĂ€rische Arm der Terrororganisation hatte am Sonntag mitgeteilt, die sterblichen Ăberreste einer weiteren entfĂŒhrten Person gefunden zu haben. Aktuell befinden sich noch 16 Leichen von Verschleppten im Gazastreifen.Â
Auslöser des Gaza-Kriegs war der Ăberfall der Hamas und anderer islamistischer Terrorgruppen auf Israel am 7. Oktober 2023.







