Deutschland, Portugal

Deutschland will in den UN-Sicherheitsrat - wie und warum?

31.05.2026 - 11:00:05 | dpa.de

Angesichts zahlreicher Kriege und Krisen strebt Deutschland mehr Einfluss im mĂ€chtigsten UN-Gremium an. Doch die Wahl ist alles andere als ein SelbstlĂ€ufer. Sogar fĂŒr einen der UN-Hauptgeldgeber.

  • Deutschland will sich einen der zehn nicht stĂ€ndigen Sitzen im mĂ€chtigsten UN-Gremium sichern. (Symbolbild) - Foto: Seth Wenig/AP/dpa
    Deutschland will sich einen der zehn nicht stÀndigen Sitzen im mÀchtigsten UN-Gremium sichern. (Symbolbild) - Foto: Seth Wenig/AP/dpa
  • Deutschland stellt sich am Mittwoch der Wahl um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat in New York. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Deutschland stellt sich am Mittwoch der Wahl um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat in New York. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Wadephul ist zum Wahlkampf nach New York gereist. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Wadephul ist zum Wahlkampf nach New York gereist. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Deutschland will sich einen der zehn nicht stÀndigen Sitzen im mÀchtigsten UN-Gremium sichern. (Symbolbild) - Foto: Seth Wenig/AP/dpa Deutschland stellt sich am Mittwoch der Wahl um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat in New York. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Wadephul ist zum Wahlkampf nach New York gereist. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Gut möglich, dass es eine Zitterpartie wird, wenn die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen am Mittwoch entscheiden, ob Deutschland zum siebten Mal in den UN-Sicherheitsrat einzieht. Und eine Nervenprobe fĂŒr Außenminister Johann Wadephul (CDU). Nicht ausgeschlossen, dass bei einem Scheitern auch das außenpolitische Verhandlungsgeschick von Kanzler Friedrich Merz zum Thema wird. 

Es geht schließlich um einen Sitz im mĂ€chtigsten Gremium der Organisation der Weltgemeinschaft. Wadephul bemĂŒht sich seit Freitag in New York in zahlreichen GesprĂ€chen darum, womöglich noch unentschlossene Staaten zu ĂŒberzeugen, ihre Stimme Deutschland zu geben. Zentrale Fragen und Antworten zu der Wahl:

Wie lĂ€uft die Wahl fĂŒr den Sicherheitsrat ab?

Deutschland kandidiert in der Regionalgruppe «Westeuropa und andere» fĂŒr den Zeitraum 2027/2028 fĂŒr einen der beiden in dieser Gruppe frei werdenden Sitze. Traditionell bewirbt sich Deutschland alle acht Jahre fĂŒr einen Sitz. Sechsmal war die Bundesrepublik dort vertreten, zuletzt 2019 und 2020. Durchgefallen ist Deutschland laut Diplomaten noch nie. 

FĂŒr die Wahl in der UN-Generalversammlung ist eine Zweidrittelmehrheit der 193 Mitgliedsstaaten nötig. Weil Afghanistan und Venezuela aktuell nicht stimmberechtigt sind, liegt die Mehrheit bei 128 Stimmen.

Wie stehen die Chancen Deutschlands?

Nach Ansicht von Experten dĂŒrfte es ein knappes Rennen werden. Deutschland kandidiert gegen Portugal und Österreich. Misslich fĂŒr die Bundesregierung ist, dass Österreich seinen Hut bereits 2011 in den Ring geworfen hat und Portugal 2013 nachgezogen ist. Berlin gab die Kandidatur erst 2020 bekannt.

FĂŒr Deutschland spricht, dass es EU- und Nato-Mitglied ist, als verlĂ€sslicher Partner gilt. Die Bedeutung als Geberland hat durch den RĂŒckzug der USA aus vielen UN-Organisationen noch einmal zugenommen. Nachteilig könnten sich die StĂ€rken der Mitbewerber auswirken: Portugal etwa ist ebenfalls EU- und Nato-Mitglied und hat historisch und kulturell enge Beziehungen zu afrikanischen und lateinamerikanischen LĂ€ndern. 

Positiv fĂŒr Österreich könnte sich dessen NeutralitĂ€t zu Buche schlagen - Russland und China etwa könnten darin eine angenehmere Partei am Tisch sehen. Angenommen wird auch, dass manche LĂ€nder Deutschland wegen dessen Haltung zu Israel im Gaza-Krieg nicht im Sicherheitsrat sehen wollen.

Wie lÀuft der Wahlkampf um den Sicherheitsrat ab?

Im AuswĂ€rtigen Amt wird genau Buch darĂŒber gefĂŒhrt, welche LĂ€nder vielleicht doch noch davon zu ĂŒberzeugen wĂ€ren, Deutschland zu wĂ€hlen. Besonders gut wird dabei etwa bei jenen Staaten hingeschaut, die kĂŒrzlich einen Regierungswechsel hatten - und wo man sich an Absprachen der VorgĂ€ngerregierung womöglich gar nicht mehr erinnert.

Stimmenkauf, wird beteuert, gebe es nicht. Zugleich wird aber schon eingerÀumt, dass man auf gegenseitige Absprachen setzt. Nach dem Motto: Hilfst du mir, in den Sicherheitsrat zu kommen, helfen wir dir, einen anderen begehrten Posten zu besetzen. 

Der Pferdefuß: Weil es eine geheime Wahl ist, kann am Ende niemand nachvollziehen, ob sich die LĂ€nder an ihre Versprechen gehalten haben. Am Ende gebe es eine Schwundquote bei solcherart Zusagen von 10 bis 15 Prozent, sagen UN-Experten.

Was kann im Sicherheitsrat entschieden werden?

Der Sicherheitsrat kann etwa Sanktionen verhĂ€ngen, Waffenembargos beschließen, Friedenstruppen (sogenannte Blauhelme) entsenden oder auch militĂ€rische EinsĂ€tze autorisieren. Voraussetzung ist, dass keines der fĂŒnf stĂ€ndigen Mitglieder sein Veto-Recht nutzt. Besonders bei Konflikten, in denen GroßmĂ€chte direkt beteiligt sind oder VerbĂŒndete schĂŒtzen wollen, ist der Rat darum oft blockiert. So hat Russland wiederholt Resolutionen zu Syrien und zur Ukraine gestoppt, die USA legten Vetos gegen Resolutionen zu Gaza ein.

Was verspricht sich Deutschland von dem Sitz?

Mehr diplomatischen Einfluss und Sichtbarkeit. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte, Deutschland stehe fĂŒr ein regelbezogenes Handeln, Berechenbarkeit und Rechtstreue - alles Dinge, «die in diesen Zeiten wertvoll sind». Wadephul sagte: «Wenn ĂŒber globale Krisen gesprochen wird, will Deutschland sein Gewicht einbringen. Das ist der drittgrĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft der Welt angemessen.»

Was passiert, wenn die Bundesrepublik unterliegt?

Sollte Deutschland in der Wahl unterliegen, könnte man theoretisch fĂŒr die folgende Zweijahres-Periode 2028/29 kandidieren. Wegen der langen Vorlaufzeit gibt es fĂŒr den dann frei werdenden Posten entsprechend aber schon AnwĂ€rter, die bereits jahrelang um Stimmen werben - und womöglich enttĂ€uscht wĂ€ren, wenn Deutschland wieder seinen Hut in den Ring wirft. 

Und welche Verantwortung hĂ€tte der Kanzler fĂŒr ein Scheitern?

Das lĂ€sst sich konkret kaum sagen. FĂŒr Kanzler und Außenminister (Motto: Außenpolitik aus einem Guss) betonen Sprecher, dass sich beide seit Monaten fĂŒr die Wahl einsetzen und dazu GesprĂ€che fĂŒhren. 

Gerade aus der Opposition dĂŒrfte bei einem Scheitern aber auch die Verantwortung von Merz thematisiert werden. Selbst in Unionsreihen war hinter vorgehaltener Hand UnverstĂ€ndnis dafĂŒr geĂ€ußert worden, dass der sonst als Außenkanzler bekannte SauerlĂ€nder im vergangenen September nicht zur UN-Generaldebatte nach New York geflogen war. Dort, so lautete die Kritik, hĂ€tte er doch ganz hervorragend fĂŒr die deutsche Kandidatur werben können.

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