Ceuta, Spanien

Ceuta kehrt zur NormalitĂ€t zurĂŒck - Mindestens 72 Tote

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 15:05 Uhr | dpa.de

Offene LĂ€den, lachende Kinder am Strand: In Ceuta spielen sich wieder Alltagsszenen ab. Doch im Meer werden weiter mögliche Tote gesucht. Und auch in BrĂŒssel ist noch keine Ruhe eingekehrt.

  • Die Zahl der Todesopfer klettert weiter. - Bild: Antonio Sempere/AP/dpa
    Die Zahl der Todesopfer klettert weiter. - Bild: Antonio Sempere/AP/dpa
  • Spanien verstĂ€rkt die Sicherung der Seegrenze mit einer schwimmenden Barriere. - Bild: Bernat Armangue/AP/dpa
    Spanien verstÀrkt die Sicherung der Seegrenze mit einer schwimmenden Barriere. - Bild: Bernat Armangue/AP/dpa
  • An den StrĂ€nden Ceutas spielen wieder Familien mit ihren Kindern. - Bild: JesĂșs Torres/EUROPA PRESS/dpa
    An den StrĂ€nden Ceutas spielen wieder Familien mit ihren Kindern. - Bild: JesĂșs Torres/EUROPA PRESS/dpa
  • Die meisten der Zehntausenden Migranten sind inzwischen nach Marokko zurĂŒckgekehrt. - Bild: STR/AP/dpa
    Die meisten der Zehntausenden Migranten sind inzwischen nach Marokko zurĂŒckgekehrt. - Bild: STR/AP/dpa
  • Polizei, Guardia Civil und MilitĂ€r bleiben in Ceuta mit einem Großaufgebot im Einsatz. - Bild: Antonio Sempere/AP/dpa
    Polizei, Guardia Civil und MilitĂ€r bleiben in Ceuta mit einem Großaufgebot im Einsatz. - Bild: Antonio Sempere/AP/dpa
Die Zahl der Todesopfer klettert weiter. - Bild: Antonio Sempere/AP/dpa Spanien verstĂ€rkt die Sicherung der Seegrenze mit einer schwimmenden Barriere. - Bild: Bernat Armangue/AP/dpa An den StrĂ€nden Ceutas spielen wieder Familien mit ihren Kindern. - Bild: JesĂșs Torres/EUROPA PRESS/dpa Die meisten der Zehntausenden Migranten sind inzwischen nach Marokko zurĂŒckgekehrt. - Bild: STR/AP/dpa Polizei, Guardia Civil und MilitĂ€r bleiben in Ceuta mit einem Großaufgebot im Einsatz. - Bild: Antonio Sempere/AP/dpa

Nach dem beispiellosen Ansturm von Migranten kehrt in Ceuta allmĂ€hlich wieder Alltag ein. GeschĂ€fte, CafĂ©s und Restaurants, die in der spanischen Nordafrika-Exklave wegen der chaotischen Szenen aus Angst tagelang geschlossen waren, öffneten wieder. Auf den Straßen waren viele Bewohner mit Einkaufstaschen unterwegs, an den StrĂ€nden spielten Familien mit Kindern, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Die politische Debatte ĂŒber die Ursachen und Konsequenzen der Krise mit Dutzenden Todesopfern dĂŒrften Spanien und die EU dagegen noch lange beschĂ€ftigen.

Nach Angaben der spanischen Regierung sind die meisten der rund 50.000 bis 60.000 Menschen, die nach verschiedenen SchĂ€tzungen vor allem am Mittwoch und Donnerstag aus Marokko in die Exklave gelangt waren, inzwischen wieder zurĂŒckgekehrt. In Ceuta patrouillieren noch 3.000 wegen der Krise entsandte SicherheitskrĂ€fte. Sie sollen dort nach Angaben des Innenministeriums «so lange wie nötig» bleiben.

Laut RTVE hielten sich noch einige hundert Neuankömmlinge in Ceuta auf. Die Lage sei aber entspannt. Versuche, ĂŒber das Meer in die Exklave zu gelangen, seien nicht zu beobachten, berichtete eine Reporterin des Senders. 

RegionalprĂ€sident Juan JesĂșs Vivas zeichnete ein anderes Bild. Er bestritt, dass die NormalitĂ€t zurĂŒckgekehrt sei. Er bezifferte die Zahl der noch in Ceuta gebliebenen Migranten «auf Tausende». Vivas gehört der konservativen Volkspartei PP von OppositionsfĂŒhrer Alberto Nuñez FeijĂło an, der der linken Zentralregierung die alleinige Schuld an dem Ansturm gibt und von einer «Invasion» spricht.

Einige Ankömmlinge halten sich in Ceuta noch versteckt

Einige Marokkaner hielten sich zwar noch versteckt, «aber nach und nach gehen sie alle zurĂŒck», zitierte RTVE Bewohner an den StrĂ€nden der Exklave. Der Sender sprach auch mit einigen derjenigen, die nicht zurĂŒckwollen und sich in Seitenstraßen und Parks, zwischen HĂ€usern oder auf den HĂŒgeln verstecken.

Oder unter einer Straßentreppe, wie Humad und dessen Freund Hachim. «Ich suche hier ein besseres Leben. Ich habe in Marokko nur meine Mutter und meinen kleinen Bruder, der krank ist und Insulin braucht», erzĂ€hlt der 20-JĂ€hrige. Sein erst 17 Jahre alter Freund Hachim sei ein guter Fußballer und trĂ€ume davon, beim FC Barcelona zu spielen.

Andere TrĂ€ume platzten brutal, wie jene ihres Freundes Mohamed. Der 19-JĂ€hrige sei wenige Meter vor der KĂŒste ertrunken, erzĂ€hlt Humad. «Er konnte schwimmen. Aber an der Grenzanlage waren so viele Menschen. Ich habe versucht, ihm zu helfen, aber er war zu weit weg». «Es sind viele Menschen gestorben. Ich habe ihm zugerufen: "Los, Mohamed, los!" Aber dann sah ich ihn nur noch dort ...» Den Satz kann der junge Mann nicht mehr zu Ende bringen.

Bereits 72 Todesopfer geborgen

Die EinsatzkrĂ€fte bargen weitere Leichen. Inzwischen liegt die Zahl der Toten bei mindestens 72, wie die Behörden mitteilten. EinsatzkrĂ€fte suchen das Meer weiter ab. Die Zeitung «El PaĂ­s» zitierte einen anonymen Polizeibeamten mit den Worten: «Es gibt mehr Tote im Meer.» Die meisten Todesopfer ertranken bei dem Versuch, schwimmend von Marokko aus in die Exklave an der Straße von Gibraltar zu gelangen. 

Schnell verwirklichte die Zentralregierung die AnkĂŒndigung von MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez, mit einer rund 500 Meter langen aufblasbaren orangefarbenen Barriere ein weiteres Hindernis an der Grenze zu schaffen. Die schwimmende Sperre, die je nach Wellengang etwa 30 bis 70 Zentimeter aus dem Wasser ragt und bis zu einem Meter in die Tiefe reicht, soll verhindern, dass Migranten schwimmend nach Ceuta gelangen. Die Barriere ist im Grunde eine VerlĂ€ngerung des Grenzdamms an Land im Meer. 

Die LĂŒcke im Gesetz

Die Barriere solle auch dazu beitragen, dass die Kontrolle und Überwachung des Gebiets verbessert werde, heißt es vom Innenministerium. Mit der neuen Sperre, die durch eine Bojenkette verstĂ€rkt wird, will Madrid aber nicht zuletzt eine LĂŒcke schließen, die nach EinschĂ€tzung mancher Beobachter durch ein Urteil des Obersten Gerichts entstanden war.

Das Gericht hatte Anfang Juli entschieden, dass Migranten, die ĂŒber einen unbefestigten Grenzabschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, Anspruch auf eine individuelle PrĂŒfung ihres Asylbegehrens haben. Eine sofortige ZurĂŒckweisung ist demnach nur zulĂ€ssig, wenn sie zuvor einen Zaun oder eine andere Grenzsperre ĂŒberwunden haben.

EU-Innenminister beraten am Dienstag ĂŒber die Krise 

In der EU verschĂ€rft sich die Debatte ĂŒber den Schutz der Außengrenzen. Er erwarte, dass die EU-Kommission dem Thema «absolute PrioritĂ€t einrĂ€umt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefĂ€hrden», sagte Außenminister Johann Wadephul der «Bild am Sonntag».

Am Dienstag wollen die EU-Innenminister per Videokonferenz ĂŒber die Krise beraten. Das Treffen könnte auch der Aussprache dienen - waren in den vergangenen Tagen deutliche Risse zwischen den EU-Partnern sichtbar geworden. Italien und DĂ€nemark initiierten einen offenen Brief, in dem Madrid indirekt vorgeworfen wird, mit jĂŒngsten migrationspolitischen Entscheidungen unerwĂŒnschte Signale gesendet zu haben. 22 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichneten ihn, auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Sånchez kritisierte die Reaktion einiger EU-Partner als von «Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen» getrieben. Ceuta gehöre nicht zum Schengen-Raum, schrieb er an die EU-Spitze. Migranten könnten von dort nicht ohne Weiteres in andere EU-Staaten weiterreisen.

de | ausland | 69910464 |