Le Pen kann ab sofort nicht mehr bei Wahlen antreten
31.03.2025 - 12:37:23Die rechtsnationale französische Politikerin Marine Le Pen kann aller Voraussicht nach nicht bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2027 kandidieren. Nach einem Schuldspruch wegen Veruntreuung von Geldern durch ScheinbeschĂ€ftigung von Mitarbeitern im Europaparlament verhĂ€ngte das Gericht in Paris mit sofortiger Wirkung die Strafe der auf fĂŒnf Jahre befristeten UnwĂ€hlbarkeit fĂŒr politische Ămter.Â
AuĂerdem verurteilte das Gericht die 56-JĂ€hrige zu zwei Jahren Haft mit elektronischer FuĂfessel. Zwei weitere Jahre Haft wurden zur BewĂ€hrung ausgesetzt. Zudem wurde eine Geldstrafe von 100.000 Euro verhĂ€ngt. Noch bevor die Vorsitzende Richterin das komplette Urteil und die vollstĂ€ndige Strafe gegen Le Pen verkĂŒndete, verlieĂ die Politikerin den Gerichtssaal.
Das Urteil kann angefochten werden. Es gilt gemeinhin aber als unwahrscheinlich, dass ein Berufungsprozess zu einem schnellen Ergebnis kommen wĂŒrde.Â
Heikles Urteil
FĂŒr die rechte Partei und Le Pens politische Ambitionen ist das Ergebnis des Prozesses ein Desaster. Der vorĂŒbergehende Verlust des passiven Wahlrechts ist in Frankreich eine gĂ€ngige Strafe, wenn Politiker wegen Korruption und Untreue verurteilt werden. Dennoch gilt es aufgrund der groĂen Beliebtheit von Le Pen als heikel - auch moderate Politiker hatten Bedenken angemeldet, da es das Narrativ befeuern könnte, das Urteil sei politisch motiviert, um Le Pen als PrĂ€sidentin zu verhindern.
Berufung von Le Pen wird erwartet
«Es ist mein politischer Tod, der gefordert wird mit vorlĂ€ufiger Vollstreckung, und das ist, glaube ich, von Anfang an das Ziel dieser Operation», hatte Le Pen auf die Forderung der Anklage reagiert, ihre UnwĂ€hlbarkeit fĂŒr politische Ămter vorlĂ€ufig und sofort vor Rechtskraft des Urteils umzusetzen.
UnabhĂ€ngig davon wird erwartet, dass Le Pen gegen das Urteil Berufung einlegt und ein langer Weg durch die gerichtlichen Instanzen folgt. Bis zum Ende der Wahlperiode kann Le Pen aber weiter als Abgeordnete im Parlament sitzen, wo sie Fraktionsvorsitzende ist.Â
Zentraler Vorwurf in dem Prozess war, dass Le Pens Partei Rassemblement National Geld fĂŒr parlamentarische Assistenten vom EuropĂ€ischen Parlament bekommen hat, die aber teilweise oder ganz fĂŒr die Partei gearbeitet hĂ€tten. Die AffĂ€re hatte Le Pen und ihre Partei seit Jahren belastet.
Mit Blick auf die Haftstrafe mit FuĂfessel war die genaue Ausgestaltung der Strafe zunĂ€chst unklar. Es ist aber gĂ€ngige Praxis, dass dies erst erfolgt, wenn das Urteil rechtskrĂ€ftig ist. Frankreichs ehemaliger PrĂ€sident Nicolas Sarkozy sitzt derzeit zu Hause eine Haftstrafe mit FuĂfessel ab und hat strikte AusgangsbeschrĂ€nkungen auferlegt bekommen.Â
Rassemblement National so stark wie nie
Das Debakel vor Gericht trifft die rechtsnationale Partei in Frankreich in einem ungĂŒnstigen Moment, denn schon seit einer Weile ist sie bestĂ€ndig auf dem Vormarsch und im Parlament inzwischen so stark vertreten wie noch nie. Die von ihrem kĂŒrzlich gestorbenen Vater Jean-Marie gegrĂŒndete rechtsextremistische Front National benannte Marine Le Pen 2018 in Rassemblement National um und verzichtete auf allzu radikale Positionen, um sie auch in breiteren Schichten der Bevölkerung wĂ€hlbar zu machen.
Der bisherige Plan war gewesen, dass bei einem Sieg Le Pens bei der PrĂ€sidentschaftswahl und einem Sieg ihrer Partei bei der nachfolgenden Parlamentswahl RN-Chef Jordan Bardella (29) Premierminister geworden wĂ€re. Ob Bardella nun fĂŒr das PrĂ€sidentenamt kandidieren will, ist noch nicht bekannt.Â
Le Pen wies VorwĂŒrfe stets zurĂŒck
In der AffĂ€re um eine mögliche ScheinbeschĂ€ftigung von EU-Mitarbeitern hatte Le Pen die VorwĂŒrfe stets zurĂŒckgewiesen. «Ich habe nicht das GefĂŒhl, die geringste Regelwidrigkeit, die geringste Rechtswidrigkeit begangen zu haben», sagte sie im Prozess. Mit ihr wurden acht weitere Abgeordnete ihrer Partei im Europaparlament schuldig gesprochen, sowie 12 parlamentarische Assistenten. Im Raum stand die mögliche ScheinbeschĂ€ftigung von Assistenten durch mehrere französische Europaabgeordnete.







