UN-Bericht: Rapider Anstieg sexueller Gewalt in Konflikten
29.05.2026 - 18:16:34 | dpa.deEinem Bericht der Vereinten Nationen zufolge hat der Einsatz von sexueller Gewalt in Konflikten deutlich zugenommen. «2025 ist die Zahl der dokumentierten FĂ€lle von sexueller Gewalt, eingesetzt als Kriegstaktik, Folter, Terrorismus und politische Repression, dramatisch angestiegen. Die FĂ€lle waren durch extreme BrutalitĂ€t gekennzeichnet und richteten sich ĂŒberwiegend gegen Frauen und MĂ€dchen», sagte Pramila Patten, Sonderbeauftragten des UN-GeneralsekretĂ€rs fĂŒr sexuelle Gewalt in Konflikten, in New York.
Der Bericht umfasse insgesamt 21 Konfliktregionen und dokumentiere 9.788 FĂ€lle konfliktbezogener sexueller Gewalt, was eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr und «die Schwere und BrutalitĂ€t dieser Verbrechen» abbilde, aber lange nicht die Gesamtheit der FĂ€lle, so Patten. «Zivilisten wurden von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren durch Vergewaltigung, Gruppenvergewaltigung, EntfĂŒhrung und sexuelle Versklavung ins Visier genommen.»Â
«Körper, Seelen und Zukunft durch Gewalt zerschmettert»
In der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo etwa hĂ€tten Akteure sexuelle Gewalt als Taktik zur Erlangung territorialer Kontrolle, einschlieĂlich der Kontrolle ĂŒber lukrative Vorkommen an natĂŒrlichen Ressourcen, genutzt. Die IS-Miliz im Irak und der Levante sowie Al Kaida hĂ€tten «EntfĂŒhrung, Zwangsheirat, Menschenhandel und Geiselnahme» zur strategischen Zielerreichung eingesetzt. Im Sudan seien Frauen und MĂ€dchen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ins Visier genommen worden. Der Report dokumentiere zahlreiche FĂ€lle von «Frauen, MĂ€dchen, MĂ€nnern und Jungen, deren Körper, Seelen und Zukunft durch inakzeptable Gewalt zerschmettert wurden».
Israel wirft der Bericht sexuelle Gewalt gegen PalĂ€stinenser vor. Die Liste der Misshandlungen umfasse etwa «Vergewaltigungen, auch mit GegenstĂ€nden, Gruppenvergewaltigungen, versuchte Vergewaltigungen, körperliche Gewalt gegen die Genitalien, gezielte SchĂŒsse auf die Genitalien», heiĂt es in dem noch unveröffentlichten Dokument. Das israelische AuĂenministerium sprach von «haltlosen Anschuldigungen» ohne faktische Grundlage.
Russland und Israel neu auf Liste
Die Vereinten Nationen hĂ€tten 2025 mehrere FĂ€lle konfliktbezogener sexueller Gewalt verifiziert, heiĂt es in dem Bericht. Betroffen gewesen seien 14 MĂ€nner, 7 Frauen, 9 Jungen und 1 MĂ€dchen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland. «Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen, in einigen FĂ€llen wiederholt, wurden an neun Opfern verĂŒbt, von denen die Mehrheit aus dem Gazastreifen stammte.»
Der Bericht fĂŒhrt die israelischen SicherheitskrĂ€fte auf einer Liste jener Akteure auf, die glaubhaft verdĂ€chtigt werden, in bewaffneten Konflikten systematisch Vergewaltigungen oder andere Formen sexueller Gewalt begangen zu haben. Auch Russland ist darin neu aufgefĂŒhrt. 2025 seien 310 FĂ€lle sexueller Gewalt verifiziert worden, 52 davon hĂ€tten im selben Jahr stattgefunden. Darunter seien etwa Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigung und GenitalverstĂŒmmelung. Unter den Opfern seien 280 MĂ€nner, 26 Frauen und 4 MĂ€dchen.Â
Israel: falsche Symmetrie mit sexuellen GrÀueltaten der Hamas
Das israelische AuĂenministerium sprach von einer «beschĂ€menden und absurden» Entscheidung, mit der versucht werde, «eine falsche Symmetrie zwischen Israel und den tatsĂ€chlichen sexuellen GrĂ€ueltaten der Hamas herzustellen». Auch die Hamas ist auf der Liste zum wiederholten Male aufgefĂŒhrt.
Israels AuĂenministerium warf den UN nun zugleich «langjĂ€hrige, institutionalisierte Feindseligkeit» gegenĂŒber Israel vor. Auch die israelische UN-Vertretung in New York reagierte empört auf die Anschuldigungen und gab am Donnerstag bekannt, den Kontakt mit dem Generalsekretariat der Vereinten Nationen unter Guterres abzubrechen.
Der Sprecher des GeneralsekretĂ€rs, StĂ©phane Dujarric, erklĂ€rte, man habe aus den sozialen Medien von der israelischen Entscheidung erfahren und sei jederzeit bereit fĂŒr GesprĂ€che.
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