Merz, Macron

Merz und Macron in Kiew: Mission fĂŒr eine Waffenruhe

10.05.2025 - 08:44:39

Es ist ein Novum in drei Jahren Ukraine-Krieg: Die Staats- und Regierungschefs der vier wichtigsten europÀischen Partner kommen gemeinsam nach Kiew - mit einer klaren Botschaft.

  • WĂ€hrend der Zugfahrt berĂ€t sich der Kanzler mit Frankreichs PrĂ€sident. Sie wollen unter anderem eine 30-tĂ€gige Waffenruhe fĂŒr den Krieg in der Ukraine erreichen. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Starmer, Merz und Macron treffen auf dem Bahnhof in Kiew ein.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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WĂ€hrend der Zugfahrt berĂ€t sich der Kanzler mit Frankreichs PrĂ€sident. Sie wollen unter anderem eine 30-tĂ€gige Waffenruhe fĂŒr den Krieg in der Ukraine erreichen. - Foto: Kay Nietfeld/dpaStarmer, Merz und Macron treffen auf dem Bahnhof in Kiew ein.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Mit einem gemeinsamen Besuch in Kiew machen sich die Staats- und Regierungschefs der vier wichtigsten europĂ€ischen VerbĂŒndeten der Ukraine fĂŒr eine 30-tĂ€gige Waffenruhe im Ukraine-Krieg stark, der eine Chance fĂŒr Friedensverhandlungen eröffnen soll. Der neue Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) traf am Morgen zusammen mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer mit dem Zug in Kiew ein.

Dort trafen die drei zusammen mit dem polnischen Regierungschef Donald Tusk den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj, auf dem zentralen UnabhĂ€ngigkeitsplatz Maidan gedachten sie der Toten des russischen Angriffskriegs. Es ist die erste gemeinsame Reise der Staats- und Regierungschefs der vier großen europĂ€ischen VerbĂŒndeten der Ukraine ins Kriegsgebiet. Merz ist erst seit Dienstag im Amt. Er hatte den Besuch mit einem Telefonat mit US-PrĂ€sident Donald Trump vorbereitet. 

Dessen Forderung nach einer Waffenruhe von 30 Tagen unterstĂŒtzen die EuropĂ€er nun. «Wir bekrĂ€ftigen unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Forderung von PrĂ€sident Trump nach einem Friedensabkommen. Russland ist aufgefordert, die BemĂŒhungen um einen dauerhaften Frieden nicht lĂ€nger zu behindern», hieß es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung, die sie auf dem Weg nach Kiew veröffentlichten.

Russland stellt allerdings Bedingungen fĂŒr eine solche Waffenruhe: Als Voraussetzung forderte Moskau von den USA und der EU ein Ende der Waffenlieferungen an Kiew. «Andernfalls wird es einen Vorteil fĂŒr die Ukraine geben», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem US-Sender ABC. Die Ukraine wĂŒrde eine Waffenruhe dazu nutzen, um ihre «totale Mobilmachung» fortzusetzen, fĂŒgte er hinzu. Peskow Ă€ußerte die Hoffnung, dass Trump seinen Einfluss auf die Ukraine weiter nutze und dabei helfe, Kiew zu Verhandlungen zu drĂ€ngen.

Europa und USA ziehen erstmals wieder an einem Strang

Die USA und Europa scheinen nun erstmals seit dem Amtsantritt Trumps bei den BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine wieder an einem Strang zu ziehen - zumindest in diesem einen Punkt. In den vergangenen Monaten hatte Trump im Alleingang versucht, den Krieg zu beenden. Bisher blieb er ohne Erfolg. Trump hatte Selenskyj massiv unter Druck gesetzt, ZugestĂ€ndnisse an Putin zu machen. Die EuropĂ€er warnten dagegen vor einem Diktatfrieden.

In der ErklĂ€rung machen die EuropĂ€er nun deutlich, dass eine Gebietsabtretung der Ukraine an Russland fĂŒr sie nicht infrage komme. «Russland muss seinen illegalen Angriffskrieg beenden und die Ukraine muss in die Lage versetzt werden, sich als souverĂ€ne Nation in ihren international anerkannten Grenzen zu entwickeln, auch fĂŒr kommende Generationen.»

Sie sichern der Ukraine auch weitere militĂ€rische Hilfe zu, um der «andauernden barbarischen und völkerrechtswidrigen Invasion» Russlands standzuhalten. «Wir werden unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine weiter ausbauen. Solange Russland einem dauerhaften Waffenstillstand nicht zustimmt, werden wir den Druck auf Russlands Kriegsmaschine weiter erhöhen.»

Merz bereitete Besuch bei Telefonat mit Trump vor

Merz hatte am Donnerstag sein erstes Telefonat mit US-PrĂ€sident Trump gefĂŒhrt. Der Kanzler habe den amerikanischen PrĂ€sidenten ĂŒber die gemeinsame ErklĂ€rung informiert, und der habe wohlwollend darauf reagiert, hieß es anschließend aus Merz' Umfeld. Trump verschĂ€rfte anschließend auf dem Portal Truth Social den Ton gegenĂŒber dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und drohte mit Sanktionen, falls Russland sich einer Waffenruhe verweigere. 

Merz schloss sich wĂ€hrend seines BrĂŒssel-Besuchs am Freitag der Sanktionsdrohung an. «Der Ball liegt jetzt in Moskau, nirgendwo anders», sagte er. Zum Zeitplan fĂŒr eine Waffenruhe fĂŒgte er hinzu: «Ich habe die große Hoffnung, dass es ĂŒber dieses Wochenende eine Verabredung gibt fĂŒr einen Waffenstillstand in der Ukraine.»

Ukraine erwartet deutsche Zusage fĂŒr neue Waffenlieferungen

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, rechnet damit, dass Merz der Ukraine bei dem Besuch neue Waffenlieferungen zusagen wird. «Ich bin mir sicher», sagte der Botschafter auf eine entsprechende Frage in Kiew. Details wollte er nicht nennen. Die neue Bundesregierung will deutsche Waffenlieferungen in die Ukraine wieder grĂ¶ĂŸtenteils geheim halten, wie Freitagabend aus Regierungskreisen verlautete.

Der Ukraine-Besuch von Merz, Macron, Starmer und Tusk ist der erste in dieser Formation. Er erinnert an eine Ă€hnliche Reise von Merz' VorgĂ€nger Olaf Scholz (SPD) im Juni 2022. Scholz fuhr damals mit Macron und dem damaligen italienischen MinisterprĂ€sidenten Draghi nach Kiew. Die drei stellten sich dort erstmals gemeinsam hinter die EU-Beitrittskandidatur der Ukraine und machten damit den Weg dafĂŒr frei. Die Bilder der drei aus einem Besprechungsraum im Sonderzug haben ihren festen Platz in der Geschichte des Ukraine-Kriegs.

@ dpa.de