Frankreich, Libyen

Sarkozys Libyen-Prozess endet - Verteidigung will Freispruch

27.05.2026 - 14:54:24 | dpa.de

Geht es fĂŒr Sarkozy erneut ins GefĂ€ngnis? Das zumindest fordert die Anklage in der Libyen-AffĂ€re. Die Verteidigung versucht, ein gegensĂ€tzliches Bild der Lage zu zeichnen.

Die Libyen-AffĂ€re brachte Sarkozy bereits fĂŒr kurze Zeit hinter Gitter. - Foto: Simon Wohlfahrt/AFP/dpa
Die Libyen-AffĂ€re brachte Sarkozy bereits fĂŒr kurze Zeit hinter Gitter. - Foto: Simon Wohlfahrt/AFP/dpa

Zum Ende des Berufungsverfahrens um angebliche Wahlkampfgelder aus Libyen hat die Verteidigung von Nicolas Sarkozy einen Freispruch fĂŒr den französischen AltprĂ€sidenten gefordert. «Nicolas Sarkozy muss freigesprochen werden, weil er unschuldig ist», sagte Verteidiger Tristan Gautier im Pariser Justizpalast.

Sein Kollege Christophe Ingrain mahnte, man verurteile nicht auf Grundlage einer reinen Hypothese. Sarkozy habe nicht gehandelt und könne so auch gar nicht in einer etwaigen kriminellen Vereinigung mitgewirkt haben. Man wolle ihn nicht fĂŒr belegbare Taten verurteilen, sondern fĂŒr mutmaßliche Gedanken. Das sei schwindelerregend.

Insgesamt vier AnwĂ€lte Sarkozys wollen in einem stundenlangen PlĂ€doyer begrĂŒnden, warum der einstige Star der bĂŒrgerlichen Rechten in Frankreich aus ihrer Sicht freigesprochen werden sollte. Der 71 Jahre alte Sarkozy verfolgte ihre AusfĂŒhrungen im Gerichtssaal mit verschrĂ€nkten Armen. Auch wenn der Prozess gegen ihn nun enden dĂŒrfte, wird das Urteil erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt erwartet.

Libyen-AffÀre brachte Sarkozy bereits hinter Gitter

In erster Instanz hatte das Gericht Sarkozy wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen. In einem fĂŒr einen Ex-PrĂ€sidenten in der jĂŒngeren französischen Geschichte einmaligen Schritt wurde er zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilt und musste trotz Berufung fĂŒr einige Wochen ins GefĂ€ngnis.

Das Gericht sah zwar keine Belege dafĂŒr, dass fĂŒr «Sarkos» PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2007 tatsĂ€chlich Geld von der FĂŒhrung des damaligen libyschen Machthabers Muammar Gaddafi floss. Doch der konservative Politiker und enge Vertraute von ihm hatten nach Auffassung des Gerichts versucht, sich dieses Geld zu beschaffen. Sarkozy hatte die VorwĂŒrfe stets abgestritten.

Wie schon in erster Instanz warf die Staatsanwaltschaft Sarkozy in der Berufung Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Bestechlichkeit und illegale Wahlkampffinanzierung vor. Sie beschuldigte ihn zudem, von der Veruntreuung öffentlicher Gelder profitiert zu haben, und forderte sieben Jahre Haft.

Sarkozy schon in zwei anderen FĂ€llen schuldig gesprochen

FĂŒr Sarkozy ist es nicht der erste Kampf mit der französischen Justiz, sicherlich ist die Libyen-AffĂ€re aber der brisanteste und fĂŒr ihn schmerzhafteste Fall. Dass er nach dem Schuldspruch in erster Instanz zwischenzeitlich tatsĂ€chlich hinter Gitter kam, war ein absoluter Tiefpunkt fĂŒr den Konservativen.

Zuvor hatte er bereits rund drei Monate lang eine Fußfessel tragen mĂŒssen, weil er der Bestechung und unerlaubten Einflussnahme schuldig gesprochen worden war - VorwĂŒrfe, die Sarkozy stets bestritten hatte. Auch wegen illegaler Wahlkampffinanzierung fĂŒr seine gescheiterte Wiederwahl 2012 wurde der Konservative in einem anderen Verfahren dazu verurteilt, sechs Monate lang eine Fußfessel zu tragen.

Sarkozy war von 2007 bis 2012 PrÀsident. Die Wahl 2012 verlor er gegen den Sozialisten François Hollande. Trotz der Prozesse gegen ihn gilt Sarkozy unter Konservativen weiterhin als einflussreiche Stimme.

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