Frankreich, Ukraine

Xi in Frankreich: Ukraine, Nahost und Klima auf der Agenda

06.05.2024 - 05:39:31 | dpa.de

Kriege in der Ukraine und in Nahost, Unstimmigkeiten beim Handel: die GesprÀche zwischen Xi, Macron und von der Leyen haben es in sich. Können die EuropÀer darauf hoffen, Chinas Staatschef zu bewegen?

  • Xi ist zu einem zweitĂ€gigen Staatsbesuchs in Frankreich, bei dem beide Politiker auch Handelsfragen erörtern werden sollen. - Foto: Stephane de Sakutin/POOL AFP/AP/dpa
    Xi ist zu einem zweitÀgigen Staatsbesuchs in Frankreich, bei dem beide Politiker auch Handelsfragen erörtern werden sollen. - Foto: Stephane de Sakutin/POOL AFP/AP/dpa
  • Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron (r) begrĂŒĂŸt Chinas PrĂ€sident Xi Jinping vor ihrem Treffen im Elysee-Palast. - Foto: Christophe Ena/AP/dpa
    Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron (r) begrĂŒĂŸt Chinas PrĂ€sident Xi Jinping vor ihrem Treffen im Elysee-Palast. - Foto: Christophe Ena/AP/dpa
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Die Kriege in der Ukraine und in Nahost, Wirtschaftsbeziehungen und Klimaschutz: Es steht viel auf der Agenda, wenn Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron und EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen heute Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping treffen.

Macron zufolge muss alles getan werden, um China bei den großen globalen Fragen einzubinden. Es sei im Interesse der EuropĂ€er, «zu erreichen, dass China sich fĂŒr die StabilitĂ€t der internationalen Ordnung einsetzt». Konkret hofft der ÉlysĂ©epalast, dass man China als einen der wichtigsten Partner Russlands bei dem Besuch dazu ermuntern kann, seine Hebel gegenĂŒber Moskau zu nutzen, um zu einer Lösung des Konflikts beizutragen.

Macron wolle auch die Sorge ansprechen, die man bezĂŒglich einiger chinesischer Firmen habe, die sich an den russischen Kriegsanstrengungen beteiligen könnten, hieß es. Immer wieder werden VorwĂŒrfe gegen chinesische Firmen laut, sogenannte Dual-Use-GĂŒter - also GĂŒter, die zu zivilen und auch militĂ€rischen Zwecken verwendet werden können - nach Russland zu liefern. Die USA etwa sanktionierten deshalb bereits chinesische Unternehmen.

Von der Leyen: Aktuelle Ungleichgewichte sind inakzeptabel

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hat vor dem Treffen deutlich gemacht, dass die EuropĂ€ische Union die aktuellen chinesischen Subventions- und Handelspraktiken nicht lĂ€nger tolerieren wird. «Aufgrund seiner schwachen Inlandsnachfrage produziert China derzeit mit massiven Subventionen mehr als es verkauft», ließ die Spitzenpolitikerin mitteilen. Dies fĂŒhre zu einem Überangebot an subventionierten chinesischen GĂŒtern wie Elektrofahrzeugen und Stahl und dies wiederum zu unfairem Handel.

«Europa kann solche marktverzerrenden Praktiken, die zu einer Deindustrialisierung in Europa fĂŒhren könnten, nicht akzeptieren», erklĂ€rte von der Leyen. Sie werde die chinesische Regierung ermutigen, die ÜberkapazitĂ€ten kurzfristig anzugehen. Gleichzeitig werde man sich eng mit den Staaten aus der G7-Gruppe der großen demokratischen Industrienationen sowie ebenfalls betroffenen SchwellenlĂ€ndern abstimmen.

Als ebenfalls «nicht tragbar» bezeichnete von der Leyen die derzeitigen Ungleichgewichte beim Marktzugang. «Wir mĂŒssen handeln, um sicherzustellen, dass der Wettbewerb fair und nicht verzerrt ist», warnte sie. Bereits im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission angekĂŒndigt, mögliche Strafzölle auf den Elektroautos aus China zu prĂŒfen. Die EU wirft chinesischen Elektroautoherstellern wie BYD, Geely und SAIC massive staatliche Subventionen vor, die ihnen einen unfairen Vorteil auf dem Weltmarkt verschaffen.

Von der Leyen betonte vor dem Treffen mit Xi zugleich, dass die EU keine Abkopplung von China anstrebe. Die Beziehung zu dem Land sei eine der komplexesten, aber auch eine der wichtigsten ist, sagte sie.

China habe kein Interesse, sich fĂŒr Ukraine einzusetzen

In einem Gastbeitrag in der französischen Zeitung «Le Figaro» schrieb Xi, China sei weder Partei noch Beteiligter im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Man hoffe, dass Frieden und StabilitÀt bald wieder Einkehr in Europa fÀnden und wolle gemeinsam mit Frankreich und der internationalen Gemeinschaft daran arbeiten, gute Wege zu finden, um die Krise zu lösen.

China-Experte Marc Julienne geht jedoch davon aus, dass Peking kein Interesse hat, sich in Bezug auf die Ukraine einzusetzen, wie er dem ARD-Studio Paris sagte. «Es hat kein Interesse, es hat keinen Willen und es versucht daher, so distanziert wie möglich zu bleiben.»

Es sei dennoch notwendig auf die widersprĂŒchliche Haltung Chinas hinzuweisen, das sich als Akteur des Friedens sehe, aber Kremlchef Wladimir Putin nicht verurteilte, sagte der Leiter des Asienzentrums des französischen Instituts fĂŒr internationale Beziehungen Ifri. Dass die GesprĂ€che in Paris viel Ă€ndern werden, glaubt er nicht. «Ich glaube leider, dass wir nicht viele Hebel haben, um China zu bewegen.»

Julienne: «China braucht den europÀischen Markt»

Anders sehe es hingegen bei den Wirtschaftsfragen aus, die in Paris ebenfalls zur Sprache kommen sollen. «China braucht den europĂ€ischen Markt», sagt Julienne. Macron hatte noch vor dem Besuch Xis ein respektvolles Wirtschaftsverhalten China gegenĂŒber gefordert, das aber die eigenen europĂ€ischen Interessen schĂŒtze. Dem französischen Staatschef geht es unter anderem um fairere Wettbewerbsbedingungen.

Deutschland sitzt nicht mit am Pariser Beratungstisch, anders als bei Xis letztem Frankreich-Besuch 2019. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) war kĂŒrzlich selbst in China und besprach sich zudem am Donnerstag vorab mit Macron bei einem privaten Abendessen in Paris.

«Der Kanzler (Olaf) Scholz kann nicht da sein, aber wir haben uns bei unserem Treffen am vergangenen Donnerstag abgestimmt», sagte Macron in einem gestern veröffentlichten Interview der Zeitungen «La Provence» und «La Tribune Dimanche». Von der Leyen werde er noch vor dem gemeinsamen GesprÀch mit Xi empfangen. Macron betonte: «Das ermöglicht es, die EuropÀer zu vereinen, uns als Kraft aufzustellen.»

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