USA, Migration

ICE und US-Grenzschutz - Wer steckt hinter den Behörden?

28.01.2026 - 16:48:57

Kurz hintereinander sterben in Minneapolis zwei Menschen bei EinsÀtzen von US-Beamten. Immer wieder fÀllt in dem Zusammenhang das Schlagwort ICE. Wer oder was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

  • Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde ICE sind hier bei einer Demonstration in Minneapolis zu sehen. - Foto: Adam Gray/AP/dpa

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  • ICE-Beamte setzen auch TrĂ€nengas ein. - Foto: Adam Gray/AP/dpa

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  • ICE ist eine Behörde des US-Heimatschutzministeriums. (Archivbild) - Foto: Paul Weaver/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

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  • HSI ist eine der ICE-Einheiten. (Archivbild) - Foto: Adam Gray/AP/dpa

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  • CBP-Beamte entscheiden ĂŒber die Einreise in die USA. (Archivbild) - Foto: Glenn Fawcett/CBP/Department of Homeland Security/dpa-tmn

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Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde ICE sind hier bei einer Demonstration in Minneapolis zu sehen. - Foto: Adam Gray/AP/dpaICE-Beamte setzen auch TrĂ€nengas ein. - Foto: Adam Gray/AP/dpaICE ist eine Behörde des US-Heimatschutzministeriums. (Archivbild) - Foto: Paul Weaver/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpaHSI ist eine der ICE-Einheiten. (Archivbild) - Foto: Adam Gray/AP/dpaCBP-Beamte entscheiden ĂŒber die Einreise in die USA. (Archivbild) - Foto: Glenn Fawcett/CBP/Department of Homeland Security/dpa-tmn

Bei den Berichten ĂŒber die tödlichen VorfĂ€lle in Minneapolis steht immer wieder die US-Bundesbehörde ICE im Fokus. Ihre Razzien gegen Migranten mit teils vermummten Beamten stoßen in demokratisch regierten StĂ€dten der USA auf viel Widerstand und setzen auch die US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump zunehmend unter Druck. Bilder von Kindern, die ins Visier der Beamten geraten, kommen auch im eigenen Lager nicht bei allen gut an. Trump schlĂ€gt inzwischen etwas mildere Töne an - eine grundlegende Abkehr von seiner rigorosen Abschiebepolitik lĂ€sst er bislang aber nicht erkennen. 

Wer also sind die bewaffneten EinsatzkrĂ€fte, die er fĂŒr seine Razzien bereits in mehrere US-StĂ€dte geschickt hat? Und was sind ihre Befugnisse?

Was steckt hinter der AbkĂŒrzung ICE?

Die US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) ist eine dem US-Heimatschutzministerium unterstellte Bundesbehörde, die sich hauptsĂ€chlich mit der Durchsetzung der Zoll- und Einwanderungsgesetze befasst. Dabei fĂŒhrt sie Razzien durch und ist fĂŒr Abschiebungen verantwortlich, insbesondere im Rahmen der verschĂ€rften Migrationspolitik der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump. Außerdem betreibt ICE Einrichtungen, in denen Migranten bis zu ihrer Abschiebung inhaftiert werden - etwa die umstrittene Anstalt «Alligator Alcatraz» in einem riesigen Sumpfgebiet im US-Bundesstaat Florida.

Wie ist ICE organisiert?

Es gibt mehrere Direktionen, von denen besonders hÀufig die Einheiten Homeland Security Investigations (HSI) und Enforcement and Removal Operations (ERO) in Erscheinung treten:

  • Enforcement and Removal Operations (ERO) achtet darauf, dass die Einwanderungsgesetze der USA eingehalten werden. Sie geht nach eigenen Angaben vor allem gegen Personen vor, «die eine Gefahr fĂŒr unsere nationale Sicherheit darstellen, die öffentliche Sicherheit gefĂ€hrden oder die IntegritĂ€t unseres Einwanderungssystems untergraben». Die Einheit verhaftet Menschen ohne gĂŒltigen Aufenthaltsstatus, hĂ€lt sie in Gewahrsam und schiebt sie ab. Doch es gibt auch immer wieder FĂ€lle, bei denen US-BĂŒrger in den Fokus geraten.
  • Homeland Security Investigations (HSI) soll internationale kriminelle und terroristische Netzwerke bekĂ€mpfen, die gegen die Zoll- und Einwanderungsgesetze der USA verstoßen. Dabei geht es etwa um die Verfolgung von Drogen-, Waffen- und Menschenhandel, GeldwĂ€sche, WirtschaftskriminalitĂ€t oder Terrorismus.

ICE beschÀftigt nach eigenen Angaben rund 22.000 Mitarbeiter. Damit wurde die Zahl der Beamten und Agenten innerhalb des ersten Jahres der zweiten Trump-PrÀsidentschaft mehr als verdoppelt. Ermittler oder Abschiebungsbeamte tragen entweder zivile Kleidung oder Uniformen mit einer «ICE»- oder «POLICE»-Aufschrift. 

Was dĂŒrfen die EinsatzkrĂ€fte von ICE?

ICE-Befugnisse ergeben sich aus Bundesgesetzen. Die Behörde darf AuslĂ€nder, die mutmaßlich gegen Einwanderungsbestimmungen verstoßen haben, festnehmen und inhaftieren - und auch gegen diejenigen vorgehen, die eine Festnahme behindern. Zudem darf sie «jeden AuslĂ€nder oder jede Person, die mutmaßlich AuslĂ€nder ist, zu ihrem Recht auf Aufenthalt in den Vereinigten Staaten befragen», wie es vom US-Kongress heißt.

Im Jahr 2025 erließ das Heimatschutzministerium eine Richtlinie, nach der Einwanderungsbeamte bei der Entscheidung ĂŒber das Betreten sogenannter «Schutzzonen» wie Schulen, Hochschulen, KrankenhĂ€user oder GotteshĂ€user ihr Ermessen walten lassen dĂŒrfen. ICE ist zudem befugt, etwa Razzien auf Baustellen durchzufĂŒhren, um die Einhaltung der Bundesgesetze zur Einwanderung und BeschĂ€ftigung von AuslĂ€ndern durchzusetzen.

Und was dĂŒrfen sie nicht?

Abgesehen von bestimmten Ausnahmen darf ICE nur im öffentlichen Raum operieren. Der US-Verfassung zufolge ist den Beamten das Betreten der Wohnung oder des GrundstĂŒcks einer Person ist ohne richterliche Anordnung verboten. JĂŒngst wurde allerdings ein internes Dokument bekannt, wonach das Heimatschutzministerium ICE-Beamten erlaubt, ohne richterlichen Beschluss gewaltsam in die Wohnungen von Menschen einzudringen.

Dem Gesetz nach darf auch keine exzessive Gewalt angewendet werden. Kritiker werfen aber genau das den ICE-Beamten vor. Im Umgang mit gewaltfreien Protesten in Minnesota erließ Mitte Januar ein Gericht strenge Vorgaben: Friedliche Demonstrierende dĂŒrfen demnach nicht festgenommen oder mit Pfefferspray und anderen nicht tödlichen Mitteln angegangen werden.

Welche Erfolge schreiben sie sich auf die Fahnen?

FĂŒr erreichte Zahlen bei Trumps verschĂ€rfter Abschiebepolitik feiert sich die US-Regierung gerne selbst: In gut elf Monaten seien im vergangenen Jahr mehr als 605.000 Menschen abgeschoben worden, heißt es in einer Mitteilung des US-Heimatschutzministeriums (DHS) vom 10. Dezember 2025. Die Behörde gibt demnach auch an, zusĂ€tzliche 1,9 Millionen Menschen hĂ€tten freiwillig die USA verlassen.

Von rund 65.000 Personen, die sich in ICE-Gewahrsam befinden, berichtet das Transactional Records Access Clearinghouse im November 2025. Die 1989 an der Syracuse University gegrĂŒndete Organisation liest fĂŒr diese Informationen Daten aus ICE-Statistiken aus.

Wie grenzt sich ICE von anderen Behörden ab?

Wie ICE untersteht auch die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP dem US-Heimatschutzministerium. Sie setzt offiziell die Bundesgesetze zur Einwanderung an oder in der NĂ€he der Grenze und an US-EinreisehĂ€fen durch. Mit mehr als 60.000 Mitarbeitern ist sie eine der grĂ¶ĂŸten Strafverfolgungsbehörden der Welt.

CBP-Beamte haben weitreichende Befugnisse bei der Einreisekontrolle, einschließlich der ÜberprĂŒfung elektronischer GerĂ€te wie Handys und Laptops. Unter Trump werden die Beamten zur Durchsetzung seiner rigorosen Migrationspolitik auch in US-StĂ€dten eingesetzt, darunter auch die Unterabteilung Border Patrol, die eigentlich vor allem fĂŒr die Grenzsicherung und -ĂŒberwachung zu Mexiko verantwortlich ist.

Damit verschwimmen in der zweiten Trump-Amtszeit die Unterschiede zwischen ICE und CBP immer mehr.

Warum steht gerade Minneapolis so im Fokus?

Die Stadt Minneapolis und der umliegende Bundesstaat Minnesota stehen derzeit aus mehreren GrĂŒnden im Zentrum der Abschiebepolitik der Trump-Regierung und erleben besonders intensive EinsĂ€tze. In dem Gebiet lĂ€uft eine ICE-Operation, an der laut DHS Tausende Bundesbeamte beteiligt sind. Ziel sind den Behörden zufolge Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichem Betrug, unter anderem im Umfeld der somalischen Community. PrĂ€senz und EinsĂ€tze der Bundesbeamten haben zu massiven Protesten in der Bevölkerung gefĂŒhrt.

Die Situation eskalierte durch zwei tödliche VorfĂ€lle: Anfang Januar wurde die 37-jĂ€hrige US-BĂŒrgerin Renee Nicole Good bei einem ICE-Einsatz in Minneapolis erschossen. Die Regierung bezeichnete das als Notwehr - bislang vorliegende Videoaufnahmen erwecken allerdings einen anderen Eindruck. Am 24. Januar 2026 wurde der 37-jĂ€hrige US-BĂŒrger Alex Pretti bei einem weiteren Einsatz von Bundesbeamten in Minneapolis getötet. Die US-Regierung stellte die SchĂŒsse als Selbstverteidigung dar, obwohl von ihm nach Videoaufnahmen zu urteilen augenscheinlich keine akute Bedrohung fĂŒr die EinsatzkrĂ€fte ausging.

@ dpa.de

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