Israel, Hisbollah

Israel und Hisbollah nÀhern sich Waffenruhe

26.11.2024 - 10:48:06 | dpa.de

Mehr als ein Jahr dauern die KĂ€mpfe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah schon an. Die Leidtragenden sind vor allem Zivilisten. Stimmt Israels Sicherheitskabinett einer Waffenruhe zu?

  • Vorerst setzten Israel und die Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe fort. - Foto: Bilal Hussein/AP
  • Die israelische Armee hat erstmals genaueren Einblick in ihren Kampf gegen den Schmuggel von Waffen aus dem Iran zur Hisbollah-Miliz im Libanon gewĂ€hrt. - Foto: Hassan Ammar/AP/dpa
  • Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Kirby, ist bezĂŒglich einer Einigung auf einen Waffenstillstand im Libanon vorsichtig optimistisch. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa
  • Laut Israels Armee hat die Hisbollah seit Beginn des Krieges mehr als 17.000 Raketen auf Israel abgefeuert. - Foto: David Cohen/JINI via XinHua/dpa
  • Nach dem Haftbefehl gegen Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu suchen die G7-Staaten nach einem gemeinsamen Nenner. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Vorerst setzten Israel und die Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe fort.   - Foto: Bilal Hussein/AP Die israelische Armee hat erstmals genaueren Einblick in ihren Kampf gegen den Schmuggel von Waffen aus dem Iran zur Hisbollah-Miliz im Libanon gewĂ€hrt. - Foto: Hassan Ammar/AP/dpa Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Kirby, ist bezĂŒglich einer Einigung auf einen Waffenstillstand im Libanon vorsichtig optimistisch.  - Foto: Evan Vucci/AP/dpa Laut Israels Armee hat die Hisbollah seit Beginn des Krieges mehr als 17.000 Raketen auf Israel abgefeuert. - Foto: David Cohen/JINI via XinHua/dpa Nach dem Haftbefehl gegen Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu suchen die G7-Staaten nach einem gemeinsamen Nenner.  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Nach mehr als einem Jahr Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon verdichten sich die Anzeichen fĂŒr eine kurz bevorstehende Waffenruhe. Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu werde heute Abend das Sicherheitskabinett einberufen, um eine 60-tĂ€gige Waffenruhe mit der proiranischen Schiiten-Miliz zu billigen, sagte ein Beamter der «Times of Israel». Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Regierungskreisen, die Zustimmung des Kabinetts zu der unter US-Vermittlung ausgehandelten Vereinbarung sei «wahrscheinlich». Auch libanesische Regierungsquellen in Beirut Ă€ußerten sich optimistisch. Die Entscheidung liege bei Israel.

Man sei nahe dran an einer Einigung ĂŒber eine Waffenruhe, man habe gute GesprĂ€che gefĂŒhrt, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby. Es gehe in die richtige Richtung. «Aber es ist noch nicht geschafft», sagte Kirby. Er wolle sich aber nicht zu Details Ă€ußern, um die Chance auf eine Einigung nicht zu gefĂ€hrden.

Die vorliegende Vereinbarung sehe einen 60-tĂ€gigen Umsetzungszeitraum vor, der es Israels MilitĂ€r ermöglichen solle, sich zurĂŒckzuziehen, berichtete derweil das «Wall Street Journal» unter Berufung auf libanesische Beamte. Die libanesische Armee solle zugleich im Grenzgebiet zu Israel stationiert werden, um zu verhindern, dass KĂ€mpfer der Hisbollah dort wieder Fuß fassen. Eine internationale Kommission solle mit der schon seit Jahren im Libanon stationierten UN-Friedenstruppe Unifil die Einhaltung der Vereinbarung ĂŒberwachen, hieß es.

Noch gehen die Angriffe weiter 

Vorerst setzten Israel und die Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe jedoch fort. Die israelische Luftwaffe ging erneut in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut vor. Auf Videos in sozialen Medien war zu sehen, wie ganze GebÀude infolge der LufteinschlÀge in sich zusammenbrachen. Augenzeugen berichteten, dass die Explosionen in ganz Beirut zu hören waren. Zuvor hatte ein Armeesprecher mehrere Evakuierungsaufrufe an die Bewohner gerichtet. Auch in anderen Teilen des Landes griff die israelische Armee weiter an. 

Die Attacken sollen demnach vor allem die FĂ€higkeit der Hisbollah schwĂ€chen, sich von den schweren SchlĂ€gen der vergangenen Monate zu erholen, sich erneut zu bewaffnen und neu zu organisieren. Die Miliz schoss dennoch erneut Raketen auf Israel ab. Im Norden Israels wurden die Sicherheitsvorschriften verschĂ€rft, in einigen Gebieten sollen die Schulen heute geschlossen bleiben, weil verstĂ€rkter Raketenbeschuss befĂŒrchtet wurde. In der Nacht heulten im Norden des Landes erneut die Warnsirenen. 

Armee: Israel von mehr als 17.000 Raketen beschossen 

Die vom Iran finanzierte Hisbollah wollte nach eigenen Angaben mit den Angriffen ein Ende der israelischen Offensive gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen erzwingen. Die Terrorgruppe hatte am 7. Oktober 2023 ein Massaker in Israel verĂŒbt, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und 250 weitere als Geiseln verschleppt wurden. Der Angriff löste den seit mehr als einem Jahr andauernden Gaza-Krieg aus. Seither hat die mit der Hamas verbĂŒndete Hisbollah mehr als 17.000 Raketen auf Israel abgefeuert, wie die Armee auf Anfrage mitteilte. 

Im selben Zeitraum habe Israels MilitĂ€r rund 12.000 Terrorziele im Libanon angegriffen, hieß es. Die Hisbollah gilt seit den intensiven Luftangriffen und einer von Israel Mitte September gestarteten Bodenoffensive inzwischen als angeschlagen. Ein Großteil ihrer AnfĂŒhrer wurde getötet. Insgesamt starben im Libanon durch Israels Gegenangriffe mehr als 3.000 Menschen. In beiden LĂ€ndern warten Zehntausende Menschen darauf, nach einem Ende der KĂ€mpfe in ihre Wohnorte zurĂŒckkehren zu können. In Israel war die RĂŒckkehr der aus dem Norden des Landes vor dem Beschuss geflohenen Bewohner erklĂ€rtes Kriegsziel.

Israels Armee: Jahrelanger Kampf gegen Irans Waffenschmuggel

Der von der «Times of Israel» zitierte Regierungsbeamte betonte, Israel akzeptiere zwar eine Einstellung der Feindseligkeiten, nicht aber ein Ende des Krieges gegen die Hisbollah-Miliz. Man wisse nicht, wie lange die Waffenruhe dauern werde. «Es könnte ein Monat sein, es könnte ein Jahr sein», sagte der israelische Beamte der Zeitung. 

Die israelische Armee gewĂ€hrte unterdessen erstmals einen genaueren Einblick in ihren jahrelangen Kampf gegen den Schmuggel von Waffen aus dem Iran zur Hisbollah-Miliz. FĂŒr den Schmuggel seien verdeckte Routen durch den Irak und Syrien in den Libanon eingerichtet worden. 

Dabei seien im Laufe der Jahre Tausende Lastwagen und Hunderte Flugzeugen eingesetzt worden, um Tausende Raketen und weitere Waffen in den Libanon zu bringen, mit denen Israel angegriffen werde. Die syrischen Behörden wirkten dabei stillschweigend mit. Israel habe diese Routen nicht erst in den vergangenen Monaten ins Visier genommen, sondern seit Jahren, erklĂ€rte die Armee. Israel werde auch in Zukunft gegen jeden Versuch des Irans vorgehen, VerbĂŒndete im Nahen Osten Waffen zu liefern.

BemĂŒhungen auch um Waffenruhe in Gaza 

Die USA als Israels wichtigster VerbĂŒndeter drĂ€ngen seit Wochen auf eine Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel. Ihr Vermittler Amos Hochstein war diese Woche fĂŒr Verhandlungen erneut in den Libanon und nach Israel gereist. Derweil wird der Nahost-Koordinator des Weißen Hauses, Brett McGurk, heute in Saudi-Arabien erwartet. 

Dort will McGurk nach Angaben aus Washington darĂŒber sprechen, wie ein mögliches Abkommen ĂŒber eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon als Katalysator fĂŒr eine mögliche Waffenruhe auch im Gazastreifen sowie fĂŒr mehr StabilitĂ€t in der Region genutzt werden kann. Die Beendigung des Gaza-Kriegs gilt als deutlich komplizierter, auch weil die Hamas noch immer aus Israel entfĂŒhrte Geiseln festhĂ€lt.

 

Haftbefehl gegen Netanjahu: G7 suchen weiter nach gemeinsamer Linie

Derweil dĂŒrften sich die Außenminister der Gruppe sieben demokratischer Industrienationen (G7) am heutigen zweiten und letzten Tag ihres Treffens in Italien erneut mit dem vom Internationalen Strafgerichtshof erlassenen Haftbefehl gegen den israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu beschĂ€ftigen. Die G7 suchen nach einer gemeinsamen Haltung dazu. Italien als Gastgeber des Treffens in der mittelitalienischen Kleinstadt Fiuggi bemĂŒht sich um eine Formulierung, die alle sieben Staaten mittragen. 

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hatte den Haftbefehl gegen Netanjahu sowie dessen frĂŒheren Verteidigungsminister Joav Galant kĂŒrzlich wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gaza-Krieg erlassen. Eigentlich sind alle Vertragsstaaten des Strafgerichtshofs dazu verpflichtet, die Haftbefehle zu vollstrecken. Mit Ausnahme der USA gehören alle G7-Staaten dazu. Dazu zĂ€hlen neben den USA und Italien auch Kanada, Großbritannien, Japan, Frankreich und Deutschland.

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