Parteien machen vor PrÀsidentenwahl in Polen mobil
25.05.2025 - 15:51:21DichtgedrĂ€ngt stehen die Menschen auf dem Platz vor dem Warschauer Rathaus. Sie schwenken rot-weiĂe Fahnen und rufen: «Ganz Polen ist fĂŒr Rafal». Mehr als Hunderttausend sind aus dem ganzen Land zusammengekommen, um eine Woche vor der Stichwahl um das PrĂ€sidentenamt in Polen ihren Kandidaten zu unterstĂŒtzen: Rafal Trzaskowski, liberaler Warschauer OberbĂŒrgermeister und Bewerber aus dem Lager von Regierungschef Donald Tusk.Â
Anderthalb Kilometer weiter am Charles-de-Gaulle-Platz ein Ă€hnliches Bild. Auch hier ein Meer an weiĂ-roten Fahnen, nur dringt wuchtige Musik aus den Lautsprechern, und die Rufe sind anders: «Karol, Karol» und «Hier ist Polen!» Hier demonstrieren die AnhĂ€nger von Karol Nawrocki, dem parteilosen Kandidaten der oppositionellen PiS.
Vor der Stichwahl am 1. Juni steht es Spitz auf Knopf: Laut Umfragen können beide Kandidaten mit 47 Prozent der Stimmen rechnen. Beide Lager hoffen, mit den GroĂdemos noch etwas herauszuholen. Regierungschef Tusk schrieb, auf die Demo zur UnterstĂŒtzung Trzaskowskis seien eine halbe Million Menschen gekommen. Das Portal Onet kam nach der Auswertung von Luftaufnahmen auf 130.000 bis 160.000 Teilnehmer. Die PiS gab die Zahl der Teilnehmer auf der Demo fĂŒr Nawrocki mit 150.000 an. Nach SchĂ€tzungen von Onet waren es 70.000.
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Wahlausgang auch fĂŒr Deutschland wichtig
Polen ist ein politisch tief gespaltenes Land, und das Ergebnis dieser PrĂ€sidentenwahl wird den Kurs des EU- und Nato-Mitglieds maĂgeblich bestimmen. Mit Auswirkungen fĂŒr Deutschland und Europa.
Tusk braucht den Sieg seines Kandidaten Trzaskowski, um seine Reformpolitik umzusetzen und den von der PiS demolierten Rechtsstaat wieder herzustellen. Der bisherige PrĂ€sident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, hat die meisten GesetzentwĂŒrfe von Tusks Regierung mit seinem Vetorecht blockiert. Wird Nawrocki neues Staatsoberhaupt, dĂŒrfte er diese Blockadepolitik fortsetzen. Tusks Mitte-Links-BĂŒndnis hat im Parlament nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, um das Veto des PrĂ€sidenten aufzuheben.Â
«Der PrĂ€sident sollte mit der Regierung zusammenarbeiten», findet der Abiturient Bartlomiej Morawiek, der aus Krakau gekommen ist, um fĂŒr Trzaskowski zu demonstrieren. «Wir wollen eine Zukunft haben, und die sehe ich in der weiteren Integration in Europa.»Â
Buhlen um die rechtsextremen WĂ€hler
Beim Marsch fĂŒr den nationalkonservativen Kandidaten Nawrocki steht Patryk Pilus und hĂ€lt seinem Baby die Ohren zu wegen der lauten Musik. «Ich bin gegen Trzaskowski, denn ich möchte nicht, dass alle Macht in den HĂ€nden einer politischen Kraft ist», sagt der 36-jĂ€hrige Programmierer aus Torun. Es Ă€rgere ihn auch, dass die Tusk-Regierung wichtige Projekte wie den Bau eines Atomkraftwerks oder eines GroĂflughafens verschleppe. Dass Nawrocki nur wenig Erfahrung in der Politik hat, sieht er eher als Vorteil.
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Vor der Stichwahl blickt Nawrocki scharf nach rechts. Denn dort gibt es fĂŒr den 42-jĂ€hrigen Kandidaten der PiS die meisten WĂ€hler zu holen. Die erste Wahlrunde offenbarte einen fĂŒr viele schockierend hohen Zulauf fĂŒr zwei rechtsextreme Kandidaten. Der 38-jĂ€hrige Unternehmer Slawomir Mentzen, der mit einem MAGA-Ă€hnlichen Programm («Make America Great Again» war der Wahlkampf-Slogan von US-PrĂ€sident Donald Trump) vor allem bei jungen MĂ€nnern punktete, bekam fast 15 Prozent der Stimmen. Der Antisemit Grzegorz Braun landete bei mehr als sechs Prozent.
Rechtsextremer will ZĂŒnglein an der Waage spielen
Beide schieden zwar aus dem Rennen aus. Doch Mentzen möchte nun das ZĂŒnglein an der Waage spielen. Er hat Nawrocki und Trzaskowski einzeln in seine Youtube-Show eingeladen und ihnen seinen Acht-Punkte-Plan zur Unterschrift vorgelegt. Davon macht er seine Wahlempfehlung abhĂ€ngig.
Nawrocki schmeichelte Mentzen und setzte am Ende seine Unterschrift unter dessen Acht-Punkte-Plan. Darin verpflichtet er sich unter anderem, kein Gesetz zu unterschreiben, dass den Beitritt der Ukraine zur Nato ratifiziert, die nationale WĂ€hrung Zloty zu verteidigen und keine Kompetenzen der polnischen Regierung an BrĂŒssel abzugeben.
Trzaskowski dagegen lieferte sich mit Mentzen ein spannendes Rededuell und weigerte sich, dessen Acht-Punkte-Plan zu unterzeichnen. Es komme fĂŒr ihn nicht infrage, die Perspektive eines Nato-Beitritts der Ukraine abzuschreiben, sagte er: «Putin versteht nur die Sprache der StĂ€rke. Wenn die Ukraine keine Sicherheitsgarantien bekommt, sind wir als nĂ€chstens dran.» Auf die Stimmen der Mehrheit von Mentzens WĂ€hlern wird Trzaskowski bei der Stichwahl nun wohl verzichten mĂŒssen.
UnterstĂŒtzung vom Wahlsieger aus RumĂ€nien
UnterstĂŒtzung bekam der proeuropĂ€ische Kandidat bei der Demonstration in Warschau aber vom Wahlsieger der PrĂ€sidentenwahl in RumĂ€nien, Nicusor Dan. «Das rumĂ€nische Volk hat Isolationismus und russischen Einfluss abgelehnt und sich fĂŒr Ehrlichkeit, IntegritĂ€t und die Achtung der Gesetze entschieden», sagte der kĂŒnftige PrĂ€sident und gelobt gute Zusammenarbeit mit Trzaskowski. Der proeuropĂ€ische Dan hatte sich am 18. Mai bei der Stichwahl in RumĂ€nien gegen den Rechtspopulisten George Simion durchgesetzt.









