Ukraine, Russland

Kiewer Verhandlungschef: Ukraine-GesprÀche waren «produktiv»

04.02.2026 - 17:51:13

Russische Angriffe trotz US-Vermittlung: Warum die Ukraine GesprÀche nicht absagen kann und welche Rolle ein möglicher Gefangenenaustausch spielt. Morgen soll es laut Medien weitergehen.

  • Russische Drohnenangriffe trafen in der Nacht erneut ukrainische StĂ€dte. - Foto: Tommaso Fumagalli/ZUMA Press Wire/dpa

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  • Die Ukraine erwartet einen weiteren Gefangenenaustausch, wie VerhandlungsfĂŒhrer Umjerow sagte. (Archivbild) - Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa

    Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa

Russische Drohnenangriffe trafen in der Nacht erneut ukrainische StĂ€dte. - Foto: Tommaso Fumagalli/ZUMA Press Wire/dpaDie Ukraine erwartet einen weiteren Gefangenenaustausch, wie VerhandlungsfĂŒhrer Umjerow sagte. (Archivbild) - Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Press Wire/dpa

Der ukrainische ChefunterhÀndler Rustem Umjerow hat die erneuten Ukraine-GesprÀche in Abu Dhabi als produktiv bezeichnet. «Die Arbeit war inhaltsreich und produktiv mit einer Orientierung auf konkrete Schritte und praktische Lösungen», schrieb er nach der Verhandlungsrunde mit US-Vertretern sowie Moskauer und Kiewer Teams in sozialen Medien. Nach dem Dreiertreffen seien die Verhandlungen in Arbeitsgruppen fortgesetzt worden. 

Am Donnerstag soll es weitergehen, wie ukrainische Medien unter Berufung auf den Nationalen Sicherheitsrat der Ukraine meldeten. Inhaltliches war zunÀchst nicht bekannt. Eine erste trilaterale GesprÀchsrunde in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate hatte Mitte Januar stattgefunden. 

Vor dem Treffen warf die ukrainische Regierung der russischen Seite vor, gegen eine von den USA vermittelte Teilwaffenruhe verstoßen zu haben. US-PrĂ€sident Donald Trump wollte hingegen keinen Wortbruch des Kremls erkennen - im Gegenteil.

In der Nacht auf Dienstag, einer der kÀltesten des Winters, hatte eine weitere Welle schwerer Luftangriffe Kiew, Charkiw und andere ukrainische StÀdte getroffen. Erneut mussten Millionen Menschen bei strengem Frost ohne Strom und Heizung auskommen. 

Die Reparaturarbeiten an dem seit Monaten beschĂ€digten Netz wurden zurĂŒckgeworfen. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, dass auch am Mittwoch in Kiew noch 1.100 Wohnblocks ohne Heizung gegeben habe. 

Selenskyj verlangt Reaktion aus Washington 

Selenskyj warf Moskau einen Verstoß gegen die von Trump erwirkte Teilwaffenruhe vor. «Es war ein Vorschlag der USA: wĂ€hrend der diplomatischen Verhandlungen und bei solch kaltem Winterwetter die Angriffe auf die Energieversorgung einzustellen», sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft. Russland habe auf diese persönliche Bitte Trumps mit einer Rekordzahl eingesetzter Raketen reagiert. 

Der ukrainische PrĂ€sident verlangte eine Reaktion aus Washington. Er kĂŒndigte auch eine verĂ€nderte Haltung seiner UnterhĂ€ndler in Abu Dhabi an, ohne Details zu nennen. Absagen kann die Ukraine die GesprĂ€che nicht, weil sie fĂŒr kĂŒnftige Sicherheitsgarantien auf Trumps Wohlwollen angewiesen ist. Moskau wiederum stellt die Angriffe als Reaktion auf ukrainische Attacken auf zivile Ziele in Russland dar.

Trump: Putin hat sein Wort gehalten

Trump machte am Dienstag (Ortszeit) vor laufenden Kameras klar, dass er in den russischen Luftangriffen keinen Verstoß gegen seine Absprache mit Putin sieht. Der Kremlchef habe sein Wort gehalten und eine Woche lang auf Angriffe verzichtet, sagte Trump. Am 29. Januar hatte der US-PrĂ€sident verkĂŒndet, Putin habe seiner Bitte um eine begrenzte Waffenruhe von einer Woche zugestimmt - ohne dabei auszufĂŒhren, ab wann dieser Verzicht gelten solle. 

Kiew erwartet weiteren Gefangenenaustausch 

AngefĂŒhrt wird die ukrainische Delegation in Abu Dhabi erneut von Rustem Umjerow. Auch die russische Delegation ist nach Angaben aus dem Kreml unverĂ€ndert. FĂŒr Moskau nahmen im Januar der Leiter des MilitĂ€rgeheimdienstes, Igor Kostjukow, und andere GenerĂ€le teil. Das Weiße Haus bestĂ€tigte den US-Sondergesandten Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner als Teilnehmer des Treffens.

Als ein mögliches Ergebnis nannte Umjerow einen weiteren Austausch von Gefangenen zwischen Russland und der Ukraine. Die Kiewer Delegation werde mit den Amerikanern auch ĂŒber Vereinbarungen zu Sicherheitsgarantien und zum Wiederaufbau sprechen, kĂŒndigte er im ukrainischen Fernsehen an. 

Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete von einem angeblichen EinverstĂ€ndnis in Abu Dhabi, dass die Ukraine nicht der Nato beitreten werde. Tass stĂŒtzte sich dabei auf Quellen im Umfeld der Moskauer Delegation. DafĂŒr schließe der von den USA entwickelte Friedensplan einen Beitritt der Ukraine zur EU 2027 nicht aus. Von Kiewer Seite gab es dazu keine Äußerung. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte kĂŒrzlich, dass eine derart schnelle Aufnahme der Ukraine in die EU nicht möglich sei.

Tote durch russische Drohnenangriffe

Durch russische Drohnenangriffe in der Nacht auf Mittwoch wurden in der ukrainischen Region Dnipropetrowsk nach Behördenangaben zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Die Drohnen schlugen in der Gemeinde Wassylkiwka im Osten der Region ein, wie Gouverneur Olexander Hanscha bei Telegram mitteilte. Drohnen setzten auch den Marktplatz der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk in Flammen.

Am Abend vor den Verhandlungen tötete ein Drohnenangriff auf die sĂŒdukrainische Stadt Saporischschja nach örtlichen Angaben ebenfalls zwei Zivilisten. Auf russischer Seite verursachte ukrainischer Raketenbeschuss laut Medienberichten einen Stromausfall in der grenznahen Großstadt Belgorod. 

Rotes Kreuz warnt vor lebensbedrohlicher Lage in Kiew

In der Drei-Millionen-Stadt Kiew hat der neuerliche russische Angriff die Lage fĂŒr die Bevölkerung noch einmal verschĂ€rft. Das Deutsche Rote Kreuz sieht dort zunehmend lebensbedrohliche ZustĂ€nde. «Bei zweistelligen Minusgraden mĂŒssen viele Menschen seit Tagen ohne Heizung und Strom ums Überleben kĂ€mpfen», sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit des DRK, Christof Johnen, der «Augsburger Allgemeinen». «Die KĂ€lte kann besonders fĂŒr besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen wie kranke, Ă€ltere oder obdachlose Menschen sogar lebensgefĂ€hrlich werden», warnte er.

@ dpa.de

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