Trump in China â Was von dem Besuch in Erinnerung bleibt
15.05.2026 - 12:09:59 | dpa.deEs war ein Gipfel mit freundlichen Zeremonien und schönen Bildern, ĂŒber konkrete Einigungen in wesentlichen Streitthemen zwischen den USA und China wurde jedoch erst mal nichts bekannt. Inhaltlich setzten beide LĂ€nder beim mehrtĂ€gigen Staatsbesuch von US-PrĂ€sident Donald Trump in Peking auf unterschiedliche Schwerpunkte. Besonders deutlich wurde das bei den Themen Iran sowie Taiwan.
Trump besuchte Chinas Staatschef Xi Jinping auch, um ĂŒber den schwelenden Handelskonflikt zwischen den gröĂten Volkswirtschaften der Welt zu reden. Nach US-Angaben sollen Verabredungen in der Wirtschaft, darunter im Flugzeug- und Agrarbereich, getroffen worden sein. Ăber etwaige Zollsenkungen zwischen den LĂ€ndern wurde Trump zufolge allerdings nicht gesprochen.
Auf dem RĂŒckflug in der Air Force One sprach Trump von wichtigen Zusagen fĂŒr Boeing. China werde nach seiner Darstellung zunĂ€chst mehr als 200 Flugzeuge des US-Herstellers kaufen. Wenn Boeing dabei gute Arbeit leiste, gebe es zudem ein Versprechen ĂŒber bis zu 750 Maschinen - nach Trumps Worten wĂ€re das «mit Abstand der gröĂte Auftrag aller Zeiten». Auch General Electric profitiere, sagte Trump, weil China fĂŒr die Boeing-Flugzeuge etwa 400 bis 450 Triebwerke kaufe. Es seien «viele groĂartige Handelsabkommen» geschlossen worden.Â
Ein Gipfel, unterschiedliche ErzÀhlungen
Bei Trumps Besuch, der von Mittwoch bis Freitag dauerte, klang es zeitweise so, als nĂ€hmen Xi und er an unterschiedlichen Treffen teil. Deutlich wurde das etwa beim Thema Iran und dem Konflikt um die StraĂe von Hormus.Â
Nach US-Angaben waren sich beide Seiten einig, dass die Meerenge fĂŒr Energietransporte offen bleiben mĂŒsse. Xi habe sich gegen eine Militarisierung der StraĂe und gegen GebĂŒhren fĂŒr die Durchfahrt ausgesprochen. AuĂerdem habe er Interesse am Kauf von mehr US-Ăl signalisiert, hieĂ es.Â
In der chinesischen Darstellung spielte das Thema zunĂ€chst keine Rolle. SpĂ€ter erneuerte China die Forderung nach einer dauerhaften Waffenruhe in dem Konflikt. Von möglichen Ăl-KĂ€ufen war keine Rede.
Trump will in den nĂ€chsten Tagen entscheiden, ob er Sanktionen gegen chinesische Firmen, die iranisches Ăl beziehen, lockern wird. Davon betroffen sind unter anderem Raffinerien, die Rohöl aus dem Iran verarbeiten. China gilt als wichtigster Importeur von iranischem Ăl.
Keine Zusage an Taiwan
Wer auf klare Zusagen von Trump an die von China beanspruchte Inselrepublik Taiwan gehofft hatte, wurde enttĂ€uscht. Trump sagte weder einen in der Schwebe hĂ€ngenden RĂŒstungsverkauf im Wert von 14 Milliarden US-Dollar zu - er stellte lediglich eine Entscheidung dazu in Aussicht. Er beantwortete auch nicht, ob die USA Taiwan verteidigen wĂŒrden. «Ich will das nicht sagen», erklĂ€rte er. Nur er kenne die Antwort darauf. Xi habe ihn das auch gefragt. «Ich sagte, ich will ĂŒber diese Dinge nicht sprechen», so Trump.Â
Peking hatte das Thema Taiwan sehr frĂŒh und deutlich in den Vordergrund des Gipfels gestellt. Xi warnte nach chinesischer Darstellung, die Taiwan-Frage mĂŒsse mit Ă€uĂerster Vorsicht behandelt werden. Werde sie falsch gehandhabt, könnten beide LĂ€nder in einen Konflikt geraten. Die US-Seite erwĂ€hnte Taiwan in ihrer ersten Information zu dem Treffen dagegen gar nicht. China lehnt US-Waffenlieferungen an Taiwan ab.Â
Trump hĂ€lt sich zurĂŒck
Trump Ă€uĂert sich in seiner zweiten Amtszeit gefĂŒhlt ununterbrochen auf seiner Plattform Truth Social. Doch wĂ€hrend seines Staatsbesuchs - es war sein zweiter in China seit 2017 - hielt er sich auffĂ€llig zurĂŒck.Â
In Washington antwortet der US-PrĂ€sident bei offiziellen Terminen oft spontan auf zugerufene Fragen von Journalisten. In Peking gab es keinen Moment, in dem sich Trump abseits der geplanten RedebeitrĂ€ge Ă€uĂerte. Die Reden fielen eher knapp aus und Trump schien sich ans Manuskript zu halten, was fĂŒr ihn unĂŒblich ist. Eine Pressekonferenz gab es nicht. Er sprach erst auf dem RĂŒckflug etwas ausfĂŒhrlicher mit den Reportern.Â
Dick auftragen trotz dĂŒnnem EisÂ
Iran, Taiwan, gegenseitige Zölle, Handelsbarrieren und Chinas Kontrolle ĂŒber seltene Erden - die Liste der bestehenden Probleme zwischen den beiden weltgröĂten Volkswirtschaften ist lang.
Bei den öffentlichen Auftritten in Peking war davon jedoch wenig zu spĂŒren. «Wir sollten Partner statt Rivalen sein», sagte Xi zu Trump. «Wir hatten eine fantastische Beziehung», entgegnete Trump und bezeichnete Xi sogar als «Freund». Beim Spaziergang durch den Garten des FĂŒhrungssitzes Zhongnanhai fielen Trump die Rosen auf. Xi versprach, ihm Samen zu schicken.
Trump und Xi haben bei dem Treffen demonstriert: Hier sind zwei Systemrivalen und GroĂmĂ€chte, die sich aller Differenzen zum Trotz begegnen und sogar in gewissen Bereichen eine engere Zusammenarbeit vorstellen können. Trump spricht immer mal wieder ĂŒber China und die USA als «G2» - in Anlehnung an bestehende strategische BĂŒndnisse wie etwa die G7-Industriestaaten. Sollten sich exklusive KanĂ€le einer Zusammenarbeit etwa in der Wirtschaft ergeben, könnte das womöglich Nachteile fĂŒr andere Regionen der Welt bringen. FĂŒr die EU und Deutschland sind beide LĂ€nder wichtige Handelspartner.
Xi will im Herbst zu Gegenbesuch in die USA reisen
Wie die staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf AuĂenminister Wang Yi berichtete, wolle Xi im Herbst zum Gegenbesuch in die USA reisen. Beim Staatsbankett hatte Trump den chinesischen PrĂ€sidenten fĂŒr den 24. September nach Washington eingeladen. Sollte Trump im November zum Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) ins sĂŒdchinesische Shenzhen kommen oder Xi einen Monat spĂ€ter zum G20-Gipfel nach Miami im US-Bundesstaat Florida, wĂ€ren weitere Begegnungen möglich.
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