Wegen «Bullshit» vor Gericht: Trump wettert gegen Justiz
09.08.2023 - 00:55:43Der ehemalige US-PrĂ€sident Donald Trump hat nach der erneuten Anklage gegen ihn derbe Töne angeschlagen. Er werde an Wahlkampfveranstaltungen nicht teilnehmen können, weil er wegen «ScheiĂe» (engl.: Bullshit) im Gerichtssaal sitze, schimpfte Trump bei einer Rede in Windham im US-Bundesstaat New Hampshire. Die Menge begann daraufhin zu jubeln und rief «Bullshit, Bullshit, Bullshit».
Trump wettert immer wieder heftig gegen die Justiz und macht diese verĂ€chtlich. Er verwendet in der Regel aber keine derartigen KraftausdrĂŒcke. Unterdessen setzte die zustĂ€ndige Richterin in dem Fall einen Anhörungstermin fest - Trump kann diesem allerdings fernbleiben.
Der 77-JĂ€hrige ist der erste Ex-PrĂ€sident in der US-Geschichte, der sich wegen mutmaĂlicher Straftaten vor Gericht verantworten muss. Vergangene Woche ist Trump wegen seiner Versuche angeklagt worden, das Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu kippen. Der Republikaner, der nach der Wahl im Jahr 2024 wieder ins WeiĂe Haus will, verlor damals gegen seinen demokratischen Gegner Joe Biden. Er erkennt diese Niederlage bis heute nicht an und verbreitet die LĂŒge vom Wahlbetrug. Die neue Anklage ist bereits die zweite auf Bundesebene gegen Trump und insgesamt die dritte.
«Dies wird die Zukunft der Wahlen in Amerika sein, wo ein amtierender PrĂ€sident seinem Justizminister sagt, er solle den Gegner anklagen, um zu versuchen, den Gegner zu Fall zu bringen», wetterte er nun in New Hampshire. Trump stellt die Anklagen gegen sich als politische Verfolgung dar. Im Rennen um die PrĂ€sidentschaftskandidatur hat ihm die Strafverfolgung bisher allerdings nicht geschadet - in parteiinternen Umfragen der Republikaner fĂŒhrt er mit groĂem Abstand.
Sonderermittler beantragt Schutzanordnung
Um die UnabhÀngigkeit zu wahren, hatte US-Justizminister Merrick Garland bei den heiklen Ermittlungen gegen Trump einen Sonderermittler eingesetzt und somit die Untersuchungen ausgelagert. Der Minister beauftragte ebenfalls einen Sonderermittler damit, Bidens Umgang mit Geheimunterlagen aus dessen Zeit als VizeprÀsident zu untersuchen. Garland wurde als Justizminister von PrÀsident Biden vorgeschlagen und vom Senat bestÀtigt.
Trump hatte nach der Anklage bereits in ĂŒblicher Manier auf der von ihm mitgegrĂŒndeten Online-Plattform Truth Social mit verbalen Attacken reagiert und auf die Redefreiheit verwiesen. Nach Auffassung von Sonderermittler Jack Smith richten sich seine ĂuĂerungen dort etwa gegen Zeugen, Richter und AnwĂ€lte, die an dem Strafverfahren beteiligt sind. Sie seien ein Beleg dafĂŒr, dass man sich nicht darauf verlassen könne, dass Trump vertrauliche Informationen, die ihm im Laufe des Verfahrens zugĂ€nglich gemacht wĂŒrden, geheim halten werde, schrieb Smith in einem Antrag. Es bestehe die Gefahr, dass Trump Beweismaterial verwende, um Zeugen einzuschĂŒchtern.
Smith bat das Gericht deswegen darum, Trump und seinen AnwĂ€lten im Rahmen einer Schutzanordnung Grenzen fĂŒr den Umgang mit sensiblen Informationen aufzuzeigen. In solchen Schutzanordnungen regelt das Gericht, dass die Offenlegung sensibler Informationen nur gegenĂŒber bestimmten Personen unter bestimmten Bedingungen zugelassen ist. Ziel ist es unter anderem, Zeugen zu schĂŒtzen. Die zustĂ€ndige Richterin ordnete nun eine Anhörung zu diesem Thema fĂŒr diesen Freitag an. Dabei wird um die Frage gehen, ob die Richterin Trump verbieten wird, bestimmte Beweise, die im Rahmen der strafrechtlichen Ermittlungen gesammelt wurden, öffentlich zu machen.
Trump plÀdiert auf «nicht schuldig»
Trump selbst muss bei dieser Anhörung in der US-Hauptstadt Washington nicht dabei sein. Einen weiteren Termin hatte die Richterin bereits zuvor fĂŒr den 28. August angesetzt. Auch hier ist Trumps Anwesenheit nicht notwendig. Dort soll ĂŒber das weitere Prozedere entschieden werden, und damit möglicherweise auch ĂŒber den Termin fĂŒr einen Prozessauftakt. Trumps AnwĂ€lte versuchen, diesen Termin zu verzögern und begrĂŒnden dies mit der KomplexitĂ€t des Falls.
Dem Republikaner, der bei der PrÀsidentenwahl 2024 erneut antreten will, wird unter anderem vorgeworfen, eine Verschwörung gegen den Staat orchestriert zu haben. Trump plÀdierte auf «nicht schuldig».


