Israel, PalÀstinensische Gebiete

Waffenruhe im Gaza-Krieg in Kraft getreten

10.10.2025 - 14:59:39

US-PrÀsident Trump forderte schon vor Tagen, dass Israel die Kampfhandlungen im Gazastreifen einstellt, damit die Geiseln freikommen können. Nun schweigen die Waffen. Doch vieles ist weiter unklar.

Im Gazastreifen ist im Rahmen des von US-PrĂ€sident Donald Trump vermittelten Friedensplans eine Waffenruhe in Kraft getreten. Wie ein israelischer MilitĂ€rsprecher mitteilte, schweigen die Waffen seit 12 Uhr mittags am Freitag (11.00 Uhr MESZ). Die israelischen Truppen hĂ€tten sich zu den vereinbarten Demarkationslinien zurĂŒckgezogen. Die fĂŒr die Region zustĂ€ndige Kommandozentrale des US-MilitĂ€rs (Centcom) bestĂ€tigte den israelischen RĂŒckzug, wie der US-Sondergesandte Steve Witkoff mitteilte. Beim Nachrichtensender Al Jazeera waren Aufnahmen Tausender Menschen zu sehen, die grĂ¶ĂŸtenteils zu Fuß in Richtung der Stadt Gaza zogen.

Mit Beginn der Feuerpause beginnt eine vereinbarte 72 Stunden lange Frist, wĂ€hrend der alle Geiseln, die bei dem Massaker am 7. Oktober 2023 von terroristischen Gruppen aus Israel in den Gazastreifen entfĂŒhrt wurden, freikommen sollen. Dort befinden sich nach israelischen Angaben noch 47 Geiseln, von denen 20 noch am Leben sein sollen. Zudem befindet sich auch die Leiche eines Soldaten, die wĂ€hrend des letzten großen Gaza-Kriegs 2014 entfĂŒhrt wurde, noch in der Hand von Islamisten im Gazastreifen.

Im Gegenzug lĂ€sst Israel laut Vereinbarung mehr als 2.000 PalĂ€stinenser frei - unter ihnen 250 zu lebenslanger Haft verurteilte Gefangene. Nicht darunter ist nach israelischen Angaben Fatah-Aktivist Marwan Barghuti, der als aussichtsreichster Kandidat fĂŒr eine Nachfolge von PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas gilt. Er wird fĂŒr den Mord an fĂŒnf Menschen bei AnschlĂ€gen verantwortlich gemacht und zu mehrfach lebenslanger Haft verurteilt.

US-PrĂ€sident Trump plant nach eigenen Angaben, am Sonntag in Richtung Nahost aufzubrechen. Der Republikaner könnte dann bei einer offiziellen Unterzeichnung des Abkommens und bei der Freilassung der Geiseln vor Ort sein. Er sei eingeladen worden, vor dem israelischen Parlament, der Knesset, eine Rede zu halten, hieß es aus Israel.

Um eine Entwaffnung der Hamas wird es erst spÀter gehen

Nach dem Austausch von Geiseln gegen HÀftlinge sollen in einer zweiten Verhandlungsphase Bedingungen geschaffen werden, die einen Frieden langfristig sichern. 

Ein vollstĂ€ndiger RĂŒckzug der israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen, den die Hamas fordert, ist laut Trumps Plan erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt vorgesehen, wenn eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) fĂŒr Sicherheit vor Ort sorgt. Auch um eine Entwaffnung der Terrororganisation Hamas wird es erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt gehen. Doch wann Soldaten der TĂŒrkei, Katars, Ägyptens und anderer Staaten vor Ort sein werden und wie ein Sicherheitsvakuum vermieden wird, ist weiterhin unklar. Auch einen Zeitplan zum Aufbau einer neuen Verwaltung im Gazastreifen gibt es bisher nicht. 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonte am Nachmittag vor Journalisten, die Entwaffnung der Hamas und eine Demilitarisierung des Gazastreifens werde in jedem Fall geschehen - auf die einfache oder die harte Tour, wie er sich ausdrĂŒckte.

Merz schließt militĂ€rische Beteiligung an Friedenssicherung aus

Deutschland wird sich nach den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz nicht militĂ€risch an einer internationalen Stabilisierungsmission beteiligen. Die Bundesrepublik wolle aber helfen, «den rechtlichen Rahmen fĂŒr eine solche PrĂ€senz zu schaffen, etwa durch eine Resolution des Sicherheitsrates», so der CDU-Politiker laut einer ErklĂ€rung. Unter anderem werde man sofortige humanitĂ€re Hilfe in Höhe von 29 Millionen Euro zur VerfĂŒgung stellen. 

Die TĂŒrkei bekrĂ€ftigte unterdessen die Bereitschaft zu einer militĂ€rischen Beteiligung bei der Friedenssicherung. «Unsere tĂŒrkischen StreitkrĂ€fte, die Erfahrung in der Stiftung und Wahrung von Frieden haben, sind bereit, jede ihnen ĂŒbertragene Aufgabe zu ĂŒbernehmen», teilte das tĂŒrkische Verteidigungsministerium laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mit. 

Die TĂŒrkei war an den indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der palĂ€stinensischen Terrororganisation Hamas in Ägypten beteiligt. Ankara unterhĂ€lt gute Beziehungen zur Hamas, der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan hatte sie mehrmals als Befreiungsorganisation bezeichnet.

Katars MinisterprĂ€sident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani schrieb auf X, sein Land werde keine MĂŒhen scheuen, den diplomatischen, humanitĂ€ren und historischen Pflichten gegenĂŒber den PalĂ€stinensern und der Region nachzukommen. Der Erfolg dieser ersten Phase sei eine gemeinsame Verantwortung.

170.000 Tonnen HilfsgĂŒter in der Region

Die Vereinten Nationen forderten die Öffnung sĂ€mtlicher GrenzĂŒbergĂ€nge in den Gazastreifen, wie Sprecher mehrerer humanitĂ€rer UN-Organisationen in Genf sagten. Darunter sind die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das UN-Kinderhilfswerk Unicef und das von Israel abgelehnte UN-Hilfswerk fĂŒr PalĂ€stinenser (UNRWA). 

Die Vereinten Nationen haben nach eigenen Angaben 170.000 Tonnen HilfsgĂŒter in der Region, die innerhalb kĂŒrzester Zeit in den Gazastreifen gebracht werden können. Darunter sind neben Lebensmittel auch Medikamente und Material zur Reparatur von Infrastruktur.

Wie die Arbeit der UN-Organisationen aussehen wird und wer was in den Gazastreifen liefern kann, war zunĂ€chst noch unklar. Israel kontrolliert die ZugĂ€nge und muss grĂŒnes Licht geben und die Sicherheit von Konvois garantieren. Ob und wie UNRWA fĂŒr die humanitĂ€ren Aufgaben genutzt wird, ist auch noch unklar.

Israel hat die Zusammenarbeit in UNRWA Anfang des Jahres beendet. Das Land wirft der Organisation NĂ€he zur Hamas vor. Ohne das Netzwerk von 12.000 Mitarbeitern im Gazastreifen, die trotz des israelischen Boykotts dort weiter gearbeitet hĂ€tten, gehe es aber nicht, sagte eine Sprecherin des Hilfswerks zu Reportern in Genf: «UNRWA ist weiterhin die grĂ¶ĂŸte humanitĂ€re Hilfsorganisation im Gazastreifen.»

Auslöser des Gaza-Kriegs war der Überfall der Hamas und anderer islamistischer Terrorgruppen auf Israel am 7. Oktober 2023. Rund 1.200 Menschen wurden dabei getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte mit einer umfassenden militĂ€rischen Offensive und teilweisen Blockade des Gazastreifens. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 67.000 PalĂ€stinenser getötet.

@ dpa.de

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