Geiseln, Wochen

Zweite Gruppe von Geiseln freigelassen - Vier Deutsche

26.11.2023 - 00:14:12

Vor rund sieben Wochen wurden sie aus Israel brutal von Islamisten in den Gazastreifen verschleppt. Nun ist eine weitere Gruppe von Geiseln in Sicherheit - darunter vier deutsche Doppelstaatler.

Nach Beginn der Feuerpause im Gaza-Krieg hat die islamistische Hamas eine zweite Gruppe von Geiseln freigelassen, darunter vier deutsche Doppelstaatler. Das teilte Außenministerin Annalena Baerbock in der Nacht zum Sonntag auf der Plattform X, ehemals Twitter, mit.

Nach Angaben ihrer Familien handelt es sich bei den vier Deutschen um eine 67-jÀhrige Frau, sowie ihre 38-jÀhrige Tochter und deren Kinder im Alter von 3 und 8 Jahren.

Das Rote Kreuz brachte am Abend 13 Israelis sowie vier thailĂ€ndische StaatsbĂŒrger ĂŒber die Grenze nach Ägypten, wie das israelische MilitĂ€r mitteilte. Nach Angaben Katars sollen unter den freigelassenen Israelis acht MinderjĂ€hrige und fĂŒnf Frauen sein.

Der Konvoi mit den freigelassenen Geiseln fuhr nach Armeeangaben zunĂ€chst zum nahe gelegenen israelischen GrenzĂŒbergang Kerem Schalom. Dort wollten Sicherheitsvertreter die Namensliste ĂŒberprĂŒfen.

Weitere Geiseln sollen heute freikommen

Israel hat indes eine Liste mit den Namen weiterer Geiseln erhalten, die demnach an diesem Sonntag freikommen sollen. Das teilte das BĂŒro des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu am frĂŒhen Morgen mit. Sicherheitsbeamte wĂŒrden die Liste ĂŒberprĂŒfen. Die Information sei im Auftrag des fĂŒr die Geiseln und Vermissten zustĂ€ndigen Brigadegenerals Gal Hirsch den Familien der Geiseln ĂŒberbracht worden, hieß es weiter. Wie viele Geiseln am Sonntag freikommen könnten, wurde nicht mitgeteilt.

Schon am Freitag waren 24 Geiseln freigekommen: 13 Israelis sowie 11 AuslÀnder. Unter ihnen waren auch vier Deutsch-Israelis.

Unklar war zunÀchst, ob auch Doppelstaatler unter den freigelassenen Israelis waren. Sie sollen nach einer ersten medizinischen Untersuchung zunÀchst in KrankenhÀuser in Israel geflogen werden. Dort werden sie auch ihre Familien treffen.

39 PalÀstinenser aus israelischen GefÀngnissen entlassen

Die israelische GefĂ€ngnisbehörde entließ unterdessen nach palĂ€stinensischen Angaben 39 PalĂ€stinenser. Sie seien in Ost-Jerusalem sowie im Westjordanland von ihren Familien empfangen worden, berichteten palĂ€stinensische Medien. Demnach handelte es sich um sechs Frauen sowie 33 mĂ€nnliche Jugendliche unter 19 Jahren.

Am Abend hatten Dutzende auf die Freilassung vor einem israelischen GefÀngnis nördlich von Jerusalem gewartet. PalÀstinensischen Angaben zufolge waren israelische Soldaten gegen die Wartenden mit TrÀnengas und Gummigeschossen vorgegangen. Laut SanitÀtern wurden vier Menschen verletzt.

Nur wenige Stunden vor der Freilassung der Geiseln hatte die Hamas eine Übergabe in letzter Minute ĂŒberraschend gestoppt. Als Grund nannte die Terrororganisation, dass Israel aus ihrer Sicht gegen einen Teil des Geisel-Deals verstoßen habe. Sie warf Israel unter anderem vor, nicht ausreichend Hilfslieferungen in den nördlichen Teil des Gazastreifens ermöglicht zu haben. Israel wies das zurĂŒck und drohte mit einer AufkĂŒndigung des Abkommens, das von Katar vermittelt wurde. Nach Einschreiten Katars lenkte die Hamas am spĂ€ten Abend ein.

Das Abkommen fĂŒr eine Feuerpause zwischen Israel und der Hamas sieht vor, dass im Gegenzug fĂŒr jede Geisel aus Israel drei palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden. Am Tag zuvor waren so bereits 39 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freigekommen.

Feuerpause soll vier Tage dauern

Die Kampfpause soll mindestens vier Tage dauern. GemĂ€ĂŸ der Vereinbarung sollen in dieser Zeit insgesamt 50 Geiseln freigelassen werden. Eine VerlĂ€ngerung der Feuerpause auf bis zu zehn Tage ist möglich, wie das in dem Konflikt vermittelnde Golfemirat Katar mitgeteilt hatte.

Auslöser des jĂŒngsten Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen hatten. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, auch mehrere Deutsche.

Israel reagierte mit massiven Luftangriffen, einer Blockade des Gazastreifens und begann Ende Oktober eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der islamistischen Hamas fast 15.000 Menschen getötet. Mehr als 36.000 wurden demnach verletzt. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

@ dpa.de