Sicherheit, Russland

EuropÀische LÀnder: Nawalny starb laut Analyse an Nervengift

15.02.2026 - 12:18:32

Zum zweiten Todestag des Kremlkritikers Nawalny prĂ€sentieren Außenminister Wadephul und Kollegen am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz neue Erkenntnisse. Hat das Folgen fĂŒr Putin?

  • Bei einem gemeinsamen Auftritt am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz prĂ€sentieren Außenminister Johann Wadephul und mehrere Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Nawalny-Witwe Julia neue Erkenntnis zum Tod des Kremlkritikers - Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Kay Nietfeld/dpa

  • Julia Nawalnaja, die Witwe des prominenten Putin-Kritikers Alexej Nawalny, bei der PrĂ€sidentation neuer Erkenntnisse zur Todesursache ihres Mannes am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Kay Nietfeld/dpa

  • Außenminister Johann Wadephul (CDU) fordert Konsequenzen aus den neuen Analysen zur Ursache des Todes des prominenten Kremlkritikers Alexej Nawalny. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Kay Nietfeld/dpa

Bei einem gemeinsamen Auftritt am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz prĂ€sentieren Außenminister Johann Wadephul und mehrere Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Nawalny-Witwe Julia neue Erkenntnis zum Tod des Kremlkritikers - Foto: Kay Nietfeld/dpaJulia Nawalnaja, die Witwe des prominenten Putin-Kritikers Alexej Nawalny, bei der PrĂ€sidentation neuer Erkenntnisse zur Todesursache ihres Mannes am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz. - Foto: Kay Nietfeld/dpaAußenminister Johann Wadephul (CDU) fordert Konsequenzen aus den neuen Analysen zur Ursache des Todes des prominenten Kremlkritikers Alexej Nawalny. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Zwei Jahre nach dem Tod von Alexej Nawalny steht fĂŒr Deutschland und vier weitere europĂ€ische LĂ€nder fest, dass Russland den prominenten Kremlkritiker mit einem starken Nervengift umgebracht hat. Außenminister Johann Wadephul erklĂ€rte bei einem aufsehenerregenden Auftritt mit Nawalnys Witwe am Rande der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz, nach Analysen von Proben sterblicher Überreste sei klar: «Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.» 

Julia Nawalnaja sagte, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei. Schon vor zwei Jahren hatte sie auf der Konferenz angesichts der damaligen Berichte ĂŒber den Tod ihres Mannes zum Kampf gegen den russischen Machtapparat aufgerufen. Nun forderten Wadephul, dessen Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien, Frankreich, Schweden sowie den Niederlanden und Nawalnaja erneut Konsequenzen fĂŒr Putin. 

Solche Folgen muss der Kremlchef aber zunĂ€chst nicht fĂŒrchten. So blieb etwa ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen des von Putin vor fast vier Jahren begonnenen Angriffskriegs auf die Ukraine bislang folgenlos, weil das Gericht keinen Zugriff auf den Kremlchef hat.

Moskau spricht von Ablenkungsmanöver

FĂŒr das russische Außenministerium nannte Sprecherin Maria Sacharowa die Veröffentlichung eine «Informationskampagne mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit von den drĂ€ngenden Problemen des Westens abzulenken». 

Wadephul sagte auf eine Journalistenfrage, warum die Analysen so lange gedauert hĂ€tten, es habe sich um ein kompliziertes Verfahren gehandelt. Details nannte er nicht. Er betonte: «Es ist heute eine passende Gelegenheit, das der Öffentlichkeit auch zu prĂ€sentieren» Dies zeige, dass Putin fĂŒrchten mĂŒsse, «dass so etwas nicht unter der Decke bleibt».

Hochgiftige Substanz aus HautdrĂŒsensekret bestimmter Pfeilgiftfrösche

Die sterblichen Überreste Nawalnys hĂ€tten ein besonders starkes Nervengift, Epibaditin, enthalten, sagte Wadephul. Die Wirkung des im HautdrĂŒsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium. Das Nervengift lĂ€sst sich inzwischen auch im Labor herstellen. Am effektivsten wirkt Epibaditin bei Injektion ins Blut, ist aber auch bei Verschlucken wirksam. Der Tod tritt durch Atemstillstand ein.

Tod in Strafkolonie nördlich des Polarkreises 

Nawalny galt als prominentester Gegner Putins, auch weil er KorruptionsfĂ€lle aufdeckte und dessen nach außen getragenen konservativen Werte als hohl entlarvte. Damit schuf er sich in Putin einen Todfeind. Selbst den Namen seines Kontrahenten sprach der PrĂ€sident nicht aus.

Dass Nawalny eine echte Gefahr fĂŒr das System darstellte, zeigt die Moskauer OberbĂŒrgermeister-Wahl von 2013, wo er trotz Hindernissen 27 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber und Putin-Vertrauten Sergej Sobjanin holte. 

2020 wurde Nawalny vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland geflogen, wo er in der Berliner CharitĂ© behandelt wurde. Russlands Behörden nahmen ihn im Januar 2021 bei seiner RĂŒckkehr noch auf dem Flughafen fest - wegen des angeblichen Verstoßes gegen frĂŒhere BewĂ€hrungsauflagen. 

SpĂ€ter verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen - unter anderem wegen Extremismus. Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Damals war er 47 Jahre alt - die russischen Behörden sprachen von einer natĂŒrlichen Todesursache.

Chemiewaffen-Kontrolleure sollen sich mit Analysen beschÀftigen

«Niemand außer Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist», sagte Wadephul. «Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.»

Vor dem Hintergrund, dass das Gift in Russland in der Natur nicht vorkommt und im Labor hergestellt werden kann, kritisierte Wadephul, Putin seien auch seine Verpflichtungen nach dem ChemiewaffenĂŒbereinkommen völlig egal. Deshalb habe man den Generaldirektor der Organisation fĂŒr das Verbot chemischer Waffen ĂŒber die Erkenntnisse informiert. Das Abkommen hat ein weltweites Verbot chemischer Waffen und die Vernichtung von ChemiewaffenbestĂ€nden zum Ziel. 

«MĂŒhlen der Gerechtigkeit mahlen langsam, aber entschlossen»

Nawalnaja erklĂ€rte in einer teils auf russisch gehaltenen Rede, sie hoffe, dass Putin «irgendwann auf der Anklagebank landet und sich fĂŒr alles, was er getan hat, verantworten muss». 

Die britische Außenministerin Yvette Cooper zitierte in MĂŒnchen Nawalnys Worte: «Wir mĂŒssen das tun, was sie fĂŒrchten. Sagt die Wahrheit, verbreitet die Wahrheit. Das ist die mĂ€chtigste Waffe.» Schwedens Außenministerin Maria Stenergard sprach von einem wichtigen Schritt, um Russland zur Rechenschaft zu ziehen und seine fortwĂ€hrenden LĂŒgen aufzudecken. Der niederlĂ€ndische Außenminister David van Weel sagte, die MĂŒhlen der Gerechtigkeit mahlten zwar vielleicht langsam, aber entschlossen fĂŒr Nawalny.

@ dpa.de

Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.