ASML: 9,3 Milliarden Euro Umsatz
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 13:00 Uhr, Redaktion boerse-global.de
ASML hat am Donnerstag mit seinem Zahlenwerk für das zweite Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen und zugleich die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr nach oben korrigiert. Der niederländische Lithografie-Spezialist meldete einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro und lag damit über der Konsensschätzung von 8,8 Milliarden Euro. Die Bruttomarge kletterte auf 54 Prozent, der Nettogewinn erreichte 2,9 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet ASML nun mit einem Umsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro – zuvor hatte das Unternehmen eine Spanne von 36 bis 40 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Auch die Margenerwartung wurde angehoben, von 51 bis 53 Prozent auf 54 bis 56 Prozent. Für das dritte Quartal stellt ASML einen Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent in Aussicht. Treiber der Entwicklung ist die anhaltend starke Nachfrage aus dem KI-Bereich, die sowohl bei Logik-Chips als auch im Speichergeschäft für volle Auftragsbücher sorgt. Das Servicegeschäft rund um die installierte Basis übertraf mit rund 2,8 Milliarden Euro die Erwartungen um etwa 300 Millionen Euro.
Kapazitätsausbau und prominente Kundenaufträge
ASML hat nach eigenen Angaben Aufträge für EUV-Systeme bis ins Jahr 2028 in den Büchern. Um die Nachfrage zu bedienen, plant das Unternehmen für 2027 eine um 30 Prozent höhere Fertigungskapazität bei Low-NA-EUV-Anlagen, eine weitere Steigerung um 30 Prozent für 2028 wird derzeit geprüft. Gleichzeitig hat ASML die Montage- und Testzeit seiner EUV-Maschinen um rund ein Drittel verkürzt und eine kontinuierliche EUV-Leistung von 1.000 Watt erreicht.
Auf der Kundenseite setzte SK Hynix einen Rekordauftrag über acht Milliarden US-Dollar für bis zu 30 EUV-Maschinen innerhalb von zwei Jahren. Ein weiterer Meilenstein: Intel hat mit seinem Panther-Lake-Chip auf dem 18A-Prozess die ersten hochvolumigen Logik-Chips auf Basis der High-NA-EUV-Technologie ausgeliefert. Der Anteil Chinas an den Gesamteinnahmen von ASML liegt bei rund 20 Prozent, wobei die Systemverkäufe an chinesische Kunden im zweiten Quartal wegen bestehender Exportbeschränkungen auf etwa 14 Prozent zurückgingen – ein Rückgang, den ASML durch steigende Nachfrage von TSMC, Samsung und Intel ausgleicht.
Analysten überbieten sich mit Kurszielanhebungen
Die Reaktion der Investmentbanken fiel entsprechend deutlich aus. Berenberg hob sein Kursziel von 1.570 auf 2.100 Euro an und verwies auf den operativen Hebel durch die Margenausweitung sowie einen laut eigener Einschätzung "außergewöhnlich starken" Auftragseingang im ersten Halbjahr 2026. Bernstein setzte mit einem Kursziel von 2.500 Euro und der Einstufung Outperform die höchste Marke im aktuellen Analystenfeld. Citi Research erhöhte sein Kursziel von 1.675 auf 2.200 Euro und begründete dies mit dem KI-getriebenen Investitionszyklus in der Halbleiterbranche, der laut Citi zu Umsatzanpassungen von 14 bis 36 Prozent und Gewinnanpassungen von 25 bis 52 Prozent führen könnte. Bank of America nannte 2.452 Euro als neues Kursziel, Kepler Cheuvreux 2.300 Euro. Ein Analyst von Seeking Alpha bestätigte seine Kaufempfehlung und hob sein Kursziel von 2.173 auf 2.510 US-Dollar an, verwies zugleich aber auf Risiken durch mögliche Investitionsverzögerungen der Kunden, Exportkontrollen und eine langsamere Adaption der High-NA-Technologie. Zurückhaltender bleibt Jefferies, das seine Einstufung Hold bei einem Kursziel von 1.560 Euro beließ.
Kursreaktion trotz Gegenwind aus dem Sektor
An der Börse zeigte sich das Bild zuletzt zweigeteilt. Die ASML-Aktie schloss zuletzt bei 1.568,00 Euro und damit rund 10,3 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, das Ende Juni erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 55,54 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die zwischenzeitliche Konsolidierung den langfristigen Aufwärtstrend bislang nicht bricht. Belastet wurde der breitere Chipsektor zuletzt von Kapitalausgaben-Sorgen im Zuge der TSMC-Zahlen: Der Philadelphia-Halbleiterindex verlor an einem Handelstag rund 4,3 Prozent, während Speicherchip-Werte wie SanDisk und Western Digital deutlich nachgaben. Vor diesem Hintergrund fällt die Kombination aus angehobener ASML-Prognose und breiten Kurszielerhöhungen der Analysten umso mehr auf – sie signalisiert, dass die Nachfrage nach fortschrittlicher Lithografie-Technologie im Zuge des KI-Booms nach Einschätzung der Institute noch längst nicht ausgereizt ist.
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