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Deutschland muss fĂŒr Asylreform noch aufholen

08.05.2026 - 17:53:15 | dpa.de

BRÜSSEL - Deutschland hinkt fĂŒnf Wochen vor Inkrafttreten der europĂ€ischen Asylreform (Geas) bei den Vorbereitungen zur Umsetzung des Vorhabens hinterher.

(neu: Im neunten und zehnten Absatz wurde die Rolle Ungarns bei der Umsetzung der Asylreform ergÀnzt.)

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Deutschland hinkt fĂŒnf Wochen vor Inkrafttreten der europĂ€ischen Asylreform (Geas) bei den Vorbereitungen zur Umsetzung des Vorhabens hinterher. Die EU-Kommission fordert die Bundesregierung und weitere MitgliedslĂ€nder unter anderem dazu auf, "dringend" KapazitĂ€ten fĂŒr Asyl-Grenzverfahren etwa an FlughĂ€fen aufzubauen. Dies geht aus einem Bericht der fĂŒr die Umsetzung zustĂ€ndigen BrĂŒsseler Behörde hervor. 15 andere EU-Staaten hĂ€tten in diesem Bereich inzwischen die notwendigen Maßnahmen getroffen.

Deutschland fehlt es demnach auch noch an notwendigen Ressourcen beim sogenannten Screening der Asylbewerber - also der ErstĂŒberprĂŒfung. Dazu gehören Gesundheitskontrollen, die Deutschland neben drei weiteren MitgliedslĂ€ndern bisher nicht den Anforderungen der EU-Kommission entsprechend eingerichtet hat. Die Bundesrepublik muss laut Bericht bis zum Start von Geas am 12. Juni auch noch Probleme beim Eurodac-System lösen, in dem Asylbewerber FingerabdrĂŒcke und andere biometrische Daten von sich speichern lassen mĂŒssen.

Zudem mĂŒsse das Mitgliedsland den RĂŒckstau bei der Bearbeitung von AsylantrĂ€gen angehen. Gleichzeitig gehört die Bundesrepublik zu den wenigen Mitgliedstaaten, die notwendige Reformen in der nationalen Gesetzgebung bereits abgeschlossen haben, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Auch Griechenland, Italien und Bulgarien fehlt es an KapazitÀt

Die geplanten Grenzverfahren gelten als entscheidender Baustein der Asylreform, um sogenannte SekundĂ€rmigration zu verhindern - also die Flucht von Schutzsuchenden aus einem EU-Staat in einen anderen. Die Idee: Der Antrag auf Asyl von FlĂŒchtlingen soll dort bearbeitet werden, wo sie erstmals eine EU-Außengrenze erreichen. Bei geringen Aussichten auf Asyl sollen FlĂŒchtlinge festgehalten und von dort auch abgeschoben werden können.

Im Gegenzug sollen Staaten mit EU-Außengrenzen und besonders vielen AnkĂŒnften von Schutzsuchenden UnterstĂŒtzung von den anderen MitgliedslĂ€ndern bekommen.

Doch MitgliedslĂ€nder, die fĂŒr dieses neue System entscheidend sind, scheinen fĂŒr die Grenzverfahren laut EU-Bericht fĂŒnf Wochen vor Inkrafttreten nicht die nötigen KapazitĂ€ten zu haben. Nachholbedarf haben demnach etwa Bulgarien, Griechenland und Italien. Sie gehören ausgerechnet zu den LĂ€ndern, die nach Zahlen der EU-Grenzschutzbehörde Frontex die meisten irregulĂ€ren GrenzĂŒbertritte registrieren.

EU-Kommission: Asylreform ist Marathon, kein Sprint

Gleichzeitig ist die EuropĂ€ische Kommission bemĂŒht, keine Alarmstimmung aufkommen zu lassen. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner teilt mit: "Fast alle Mitgliedstaaten haben ihre Systeme bereits an die europĂ€ische Asyl- und Migrationswende angepasst." Nicht alles werde im Juni auf Knopfdruck funktionieren - aber man sei schon weit gekommen, so der österreichische Politiker.

Ein Kommissionssprecher sagte zudem: "Das ist ein Marathon, kein Sprint." Auch ĂŒber den Juni hinaus seien nachhaltige Anstrengungen erforderlich, um die Asylreform umzusetzen.

Ungarn fÀllt negativ auf - bringt Magyar VerÀnderung?

Eine Sonderrolle nimmt Ungarn ein. Dem Land wird an keiner Stelle des Berichts attestiert, notwendige Vorbereitungen getroffen zu haben. Im Gegenteil: Ungarn hat etwas als einziges Mitgliedsland noch keinen Notfallplan bei der EU-Asylagentur eingereicht. An zahlreichen Stellen der Analyse taucht Ungarn auf, weil es zum Beispiel am Aufbau von KapazitÀten mangelt oder Systeme bisher nicht integriert worden sind.

Beim sogenannten SolidaritĂ€tsmechanismus, der die Verteilung der Asylsuchenden sowie den Ausgleich finanzieller Belastungen unter den EU-Staaten regeln soll, verweigerte Ungarn jegliche Beteiligung. Überraschend ist diese Bestandsaufnahme allerdings nicht. MinisterprĂ€sident Viktor Orban hatte die Migrationspolitik der EU in der Vergangenheit vehement abgelehnt. Ob der kĂŒnftige ungarische Regierungschef Peter Magyar diese Blockadehaltung aufgibt, ist offen.

Am 12. Juni sollen die strengeren Migrationsregeln der europĂ€ischen Asylreform in Kraft treten. Dadurch sollen etwa Schutzsuchende zwischen den MitgliedslĂ€ndern solidarischer verteilt und Asylverfahren schneller abgewickelt werden. Zudem hat die EU in den vergangenen Jahren die Kooperation mit mehreren Drittstaaten ausgebaut, um unerwĂŒnschte Migration zu verhindern.

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