Merz will Rentenstreit entschÀrfen - Angebot an die Kritiker
17.11.2025 - 06:00:04In der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" stellte er sich zwar hinter den Gesetzentwurf seiner schwarz-roten Koalition - darin gehe es um die Zeit bis 2031. Er stellte aber eine umfassende Reform fĂŒr die Zeit danach in Aussicht: "Ich unterstĂŒtze es, dass wir fĂŒr die Zeit nach 2031 in unserem Rentensystem grundlegend etwas Ă€ndern."
DafĂŒr werde noch in diesem Jahr eine Rentenkommission eingesetzt, sagte der CDU-Chef weiter. "Die wird auch so besetzt werden, dass diejenigen, die das jetzt alles kritisch sehen, mit dabei sind." Die Kommission solle noch vor der Sommerpause 2026 ihre Arbeit abschlieĂen. Unmittelbar danach werde das Gesetzgebungsverfahren beginnen. Man könne diese Schrittfolgen auch in einem "Begleittext", etwa einem EntschlieĂungsantrag, zum aktuellen Gesetzesentwurf klarstellen. Das wolle er auch gerne mit der SPD besprechen.
Ohne Unions-Nachwuchs keine eigene Mehrheit im Parlament
Damit versucht Merz, den unionsinternen Kritikern des aktuellen Rentenpakets entgegenzukommen. Im Kern geht es bei der Debatte um die sogenannte Haltelinie bei der Rente, also das Absicherungsniveau der Rente im VerhĂ€ltnis zu den Löhnen. Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD vereinbart, diese Haltelinie fĂŒr das Rentenniveau bei 48 Prozent bis 2031 zu verlĂ€ngern.
Das bedeutet, dass die durchschnittliche Rente mindestens 48 Prozent des durchschnittlichen Lohns eines Arbeitnehmers betragen soll - nach Abzug der Sozialabgaben, aber vor Steuern. DafĂŒr sollen Milliardensummen aus dem Bundeshaushalt zusĂ€tzlich in die Rentenkassen flieĂen.
Das Rentenniveau ist nur eine RechengröĂe. Sie setzt Renten nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst ins VerhĂ€ltnis zum aktuellen Durchschnittslohn. Das sagt nichts ĂŒber die eigene Rente, ist aber ein Orientierungswert.
Nachwuchs der Unions unzufrieden
In dem vom Kabinett und damit auch von Kanzler Merz beschlossenen Rentengesetzentwurf ist vorgesehen, dass auch nach 2031 das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht liegen soll. Genau an dieser Formulierung stöĂt sich die Junge Gruppe der Unionsabgeordneten im Bundestag. Der Unions-Nachwuchs moniert, dass das nicht im schwarz-roten Koalitionsvertrag vereinbart worden ist und 118 Milliarden Euro zusĂ€tzlich kosten wĂŒrde. Bislang ist noch kein fester Schutz fĂŒr das Rentenniveau nach 2031 vorgesehen.
Im Leitantrag fĂŒr den Deutschlandtag am Wochenende hatte der CDU-Parteinachwuchs einschneidende Reformen an der Rente gefordert. Bis strukturelle Reformen vorlĂ€gen, dĂŒrfe es keine weiteren Beitragserhöhungen in den Sozialversicherungen mehr geben. Die JU pocht zudem auf eine Koppelung des Renteneinstiegsalters an die steigende Lebenserwartung. Ab 2031 soll nach Vorstellung der JU bei einem Anstieg der Lebenserwartung um ein Jahr die Regelaltersgrenze um neun Monate steigen. Damit wĂŒrde sich das Renteneinstiegsalter alle zehn Jahre um ein gutes halbes Jahr erhöhen.
Der Jungen Gruppe gehören 18 Abgeordnete an. Da CDU, CSU und SPD im Bundestag nur eine Mehrheit von 12 Stimmen haben, ist die Koalition bei der Abstimmung ĂŒber das Rentenpaket im Bundestag auf den Unions-Nachwuchs angewiesen, um eine eigene Mehrheit zu bekommen.
Söder fĂŒr weitere Verhandlungen mit der SPD
Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) hatte beim Deutschlandtag der Jungen Union am Wochenende VerstĂ€ndnis fĂŒr den Kanzler gezeigt - Merz mĂŒsse auch eine Koalition zusammenhalten. Söder sprach sich aber auch fĂŒr weitere Verhandlungen mit der SPD aus. SPD-Chef Lars Klingbeil erteilte dem direkt eine Absage: "Ich sage euch in aller Klarheit: An diesem Gesetz wird nichts mehr geĂ€ndert", sagte der Vizekanzler.
Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn hatte den jungen Abgeordneten in seiner Bundestagsfraktion wenig Hoffnung auf grundlegende Ănderungen gemacht. Die Vereinbarung zur Haltelinie des Rentenniveaus sei ein Kompromiss. Das Thema sei fĂŒr die SPD in etwa so wichtig gewesen beim Eintritt in die Koalition wie fĂŒr die Union der Politikwechsel bei der Migration, sagte Spahn.
SPD-Politiker Schweitzer mahnt VerlÀsslichkeit der Union an
Der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Alexander Schweitzer (SPD) hielt der Union in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" vor, "Chaos" in einer wichtigen Frage zu verursachen. "Es wĂ€re jetzt gut zu wissen, wer sagt denn am Ende tatsĂ€chlich, was die Unionsposition ist?" Die Union mĂŒsse jetzt fĂŒr Mehrheiten in ihrer Fraktion im Bundestag sorgen - so wie es die SPD bei vielen anderen Punkten auch getan habe, die der Union wichtig gewesen seien. "In einer Koalition muss man sich aufeinander verlassen können", sagte Schweitzer.

