Bundesrat verschÀrft Sicherheitsgesetze gegen Angriffe auf Infrastruktur
06.03.2026 - 17:51:45 | boerse-global.de
Der Bundesrat hat heute die umfassende Reform des Luftsicherheitsgesetzes gebilligt. Parallel dazu beriet er das neue KRITIS-Dachgesetz. Diese Doppel-Offensive markiert einen Paradigmenwechsel im Schutz kritischer Infrastruktur vor hybriden Bedrohungen, Spionage und Sabotage. FĂŒr Unternehmen bedeuten die Gesetze strikte neue Compliance-Pflichten und hohe Haftungsrisiken.
Die neuen KRITIS-Vorgaben verschĂ€rfen die Haftung fĂŒr die GeschĂ€ftsfĂŒhrung massiv, wenn notwendige Risikomanagement-Prozesse fehlen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie rechtssichere GefĂ€hrdungsbeurteilungen erstellen, die jeder behördlichen PrĂŒfung standhalten. Rechtssichere GefĂ€hrdungsbeurteilung: Jetzt kostenlose Vorlagen sichern
SchĂ€rfere Strafen fĂŒr Flughafen-Eindringlinge
Ein Kernpunkt der Reform ist die VerschĂ€rfung der Strafen fĂŒr unbefugtes Eindringen in Flughafensicherheitsbereiche. KĂŒnftig drohen Personen, die vorsĂ€tzlich Sicherheitszonen betreten, um den Flugverkehr zu gefĂ€hrden, bis zu fĂŒnf Jahre Haft. Bislang wurden solche Aktionen oft nur als einfacher Hausfriedensbruch oder Ordnungswidrigkeit geahndet.
Hintergrund sind wiederholte GrenzĂŒbertritte durch Klimaaktivisten und potenzielle Saboteure in den letzten Jahren. Der Gesetzgeber reagiert damit auf Forderungen der Branche, etwa des Flughafenverbands ADV. Juristen sehen in der expliziten Kriminalisierung nun einen robusten Rechtsrahmen fĂŒr die Strafverfolgung.
Bundeswehr erhÀlt erweiterte Befugnisse zur Drohnenabwehr
Eine weitere zentrale Neuerung betrifft die Abwehr illegaler Drohnen. Die Bedrohung durch unbemannte FluggerĂ€te ĂŒber kritischer Infrastruktur hat sich seit dem Ukraine-Krieg deutlich verschĂ€rft. Das reformierte Gesetz integriert die Bundeswehr systematisch in die heimische Drohnenabwehr.
Durch den neuen Paragrafen 15a können die LĂ€nder im Bedrohungsfall vereinfachte Amtshilfe beim MilitĂ€r anfordern. Droht ein besonders schwerer Unfall, ist die Bundeswehr ausdrĂŒcklich befugt, die Drohne mit Waffengewalt zu neutralisieren. Die bisher nötige Abstimmung zwischen Innen- und Verteidigungsministerium in akuten Notlagen entfĂ€llt â fĂŒr einen schnelleren Einsatz, wenn der Polizei die technischen Mittel fehlen.
ErgÀnzend hat die Bundesregierung bereits rund 100 Millionen Euro in eine spezielle Drohnenabwehr-Einheit der Bundespolizei investiert. Diese ist seit Ende 2025 mit modernster Technologie im Einsatz.
KRITIS-Dachgesetz: Harte Auflagen fĂŒr physische Sicherheit
Parallel zum Luftsicherheitsgesetz treibt die Regierung mit dem KRITIS-Dachgesetz den physischen Schutz der gesamten Wirtschaft voran. Es setzt die EU-Richtlinie zur Resilienz kritischer Einrichtungen (CER) in nationales Recht um und fokussiert explizit auf die physische WiderstandsfĂ€higkeit â ergĂ€nzend zu bestehenden Cybersicherheits-Regelungen wie der NIS-2-Richtlinie.
Das Gesetz verpflichtet Betreiber in SchlĂŒsselsektoren wie Energie, Gesundheit, Wasser und Finanzen zu umfassenden SchutzmaĂnahmen. Anlagen, die mehr als 500.000 Menschen versorgen, gelten automatisch als kritisch und mĂŒssen sich bei Behörden registrieren. Zu den Pflichten gehören regelmĂ€Ăige Risikobewertungen, der Einbau physischer Schutzvorkehrungen und die Meldung von SicherheitsvorfĂ€llen innerhalb von 24 Stunden an ein gemeinsames Portal von BBK und BSI.
Hohe Haftungsrisiken fĂŒr UnternehmensfĂŒhrung
FĂŒr Compliance-Abteilungen bedeuten die Gesetze erhebliche neue Pflichten. Das KRITIS-Dachgesetz etabliert eine strenge persönliche Haftung der GeschĂ€ftsleitung, angelehnt an bestehende Regelungen im GmbH- und Aktiengesetz. Wer notwendige Risikomanagement-Prozesse nicht umsetzt oder SicherheitsverstöĂe nicht meldet, riskiert BuĂgelder von bis zu einer Million Euro.
Rechtsexperten betonen, dass die parallele EinfĂŒhrung beider Gesetze eine ganzheitliche ĂberprĂŒfung der Unternehmenssicherheit erfordert. Besonders betroffen sind Firmen in FlughafennĂ€he oder mit vernetzten kritischen Systemen. Ihre Risikoanalysen mĂŒssen nun auch Kettenreaktionen bei AusfĂ€llen berĂŒcksichtigen.
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Paradigmenwechsel: Von Freiwilligkeit zu strikter Regulierung
Die synchron vorangetriebenen Sicherheitsgesetze zeigen einen grundlegenden Wandel der deutschen GesetzgebungsprioritÀten. Die Politik bewegt sich weg von freiwilligen Leitlinien hin zu stark regulierten, strafbewehrten Rahmenwerken. Die Einbindung der Bundeswehr in die Drohnenabwehr unterstreicht die Grenzen ziviler Strafverfolgung bei modernen Hybrid-Bedrohungen.
Im Bundestag wurde zudem diskutiert, ob KRITIS-Betreiber eigene Drohnenabwehrsysteme einsetzen dĂŒrfen sollen. Diese Debatte ĂŒber die Privatisierung von Sicherheitsaufgaben ist noch nicht abgeschlossen. Marktbeobachter rechnen jedoch damit, dass der regulatorische Druck in den kommenden Jahren massive Investitionen in Sicherheitstechnologien und Compliance-Beratung auslösen wird.
Betroffene Unternehmen haben nach Inkrafttreten des KRITIS-Dachgesetzes schĂ€tzungsweise 12 bis 13 Monate Zeit, ihre Risikoanalysen durchzufĂŒhren, physische SchutzmaĂnahmen zu ergreifen und Meldewege einzurichten. Wirtschafts- und FinanzvorstĂ€nde sind aufgefordert, umgehend umfassende Sicherheitsaudits zu starten, um die nötigen Investitionen zu planen und hohe Strafen zu vermeiden.
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