Trump fordert Bewegung von Kiew - Putin veranstaltet PR-Show
19.12.2025 - 06:25:07US-PrĂ€sident Donald Trump Kiew forderte das von Russland attackierte Land einmal mehr zu ZugestĂ€ndnissen gegenĂŒber dem Angreifer auf. Kremlchef Wladimir Putin hatte Trump zuletzt mehrfach fĂŒr dessen BemĂŒhungen um ein Kriegsende und das zunehmende VerstĂ€ndnis der US-UnterhĂ€ndler fĂŒr die russische Position gelobt. Heute dĂŒrfte Putin diese Position noch einmal in aller AusfĂŒhrlichkeit darlegen: In Moskau wird er seine traditionelle groĂe Jahrespressekonferenz abhalten, kombiniert mit einer BĂŒrgerfragestunde.
Trump Ă€uĂerte sich zu den GesprĂ€chen ĂŒber eine Friedenslösung, die an diesem Wochenende in Miami im US-Bundesstaat Florida fortgesetzt werden sollen. Die Verhandlungen nĂ€herten sich einer Lösung, sagte der Republikaner, "aber ich hoffe, dass die Ukraine sich schnell bewegt". Denn es gebe da ein Problem: "Jedes Mal, wenn sie (die Ukrainer) sich zu viel Zeit lassen, dann Ă€ndert Russland seine Meinung."
Neben amerikanisch-russischen GesprĂ€chen soll es am Wochenende auch weitere Treffen zwischen UnterhĂ€ndlern der USA und Ukraine geben. "Am Freitag und Samstag wird unser Team in den USA sein", wurde der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj von der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zitiert. US-Medien berichteten, Gesandte des Kremls und der US-Regierung wĂŒrden in Miami ĂŒber den Friedensplan sprechen, der zuletzt in Berlin von der Ukraine, ihren europĂ€ischen UnterstĂŒtzern und den USA weiterentwickelt worden war.
Trumps Ex-Sicherheitsberater warnt vor schlechtem Deal
Trumps frĂŒherer Sicherheitsberater John Bolton riet der Ukraine von ZugestĂ€ndnissen an Russland ab. "Selbst wenn man sich jetzt auf einen Deal verstĂ€ndigt, wĂŒrden die Russen in zwei, drei Jahren eben ein drittes Mal angreifen", sagte Bolton dem "Spiegel". "Das ist das strategische Dilemma, das Trump, sein Sondergesandter Steve Witkoff und (Trumps Schwiegersohn) Jared Kushner nicht verstehen. Sie wollen einen Deal. Es ist ihnen ziemlich egal zu welchen Bedingungen."
Nach Ansicht Boltons wĂ€re es ein "enormer Fehler" der ukrainischen Seite, das Streben ihres Landes nach einer Nato-Mitgliedschaft im Gegenzug fĂŒr weniger verlĂ€ssliche Sicherheitsgarantien aufzugeben. Trump sei unzuverlĂ€ssig, seine Garantien auĂerhalb der Nato seien also nichts wert, warnte Bolton.
Putin wird seine Sicht auf den Krieg erklÀren
Im Gegensatz zu Bolton, der wegen harter Kritik an Trump bei seinem einstigen Chef in Ungnade gefallen ist, spricht man in Moskau in den höchsten Tönen vom US-PrĂ€sidenten. Und wĂ€hrend Selenskyj in aller Ăffentlichkeit von Trump zurechtgewiesen und auch schon vor laufenden Kameras im WeiĂen Haus brĂŒskiert wurde, gibt sich der US-PrĂ€sident im Beisein Putins sehr viel zahmer und hĂ€lt sich auch sonst deutlich stĂ€rker zurĂŒck.
Bei seiner landesweit vom Fernsehen ĂŒbertragenen Jahrespressekonferenz und BĂŒrgerfragestunde lĂ€sst sich Putin heute von ausgewĂ€hlten Journalisten und BĂŒrgern ihre Fragen stellen. Erwartbare Themen sind die vielen Probleme des Landes, wie Armut, soziale MissstĂ€nde sowie Klagen ĂŒber mangelhafte Gesundheitsversorgung und fehlende Infrastruktur.
Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine steht die öffentlichkeitswirksame Veranstaltung auch im Zeichen des Krieges. Putin nutzt das TV-Format immer wieder, um sich als KĂŒmmerer und Problemlöser in Szene zu setzen. Im vergangenen Jahr dauerte die PR-Show knapp viereinhalb Stunden.
Selenskyj in Warschau
Parallel zu der Veranstaltung in Moskau wird der ukrainische PrÀsident Selenskyj in der polnischen Hauptstadt Warschau zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen Karol Nawrocki erwartet. Es ist eine Begegnung mit Spannungspotenzial: Der seit August amtierende rechtskonservative Staatschef Nawrocki hatte im PrÀsidentschaftswahlkampf mit anti-ukrainischen Tönen Stimmung gemacht.
Beim ersten offiziellen Treffen der beiden StaatsoberhĂ€upter soll es nach Angaben von Nawrockis Sprecher um Fragen der Verteidigung, der Wirtschaft und der gemeinsamen Geschichte der beiden NachbarlĂ€nder gehen. Die Ukraine erhofft sich auch weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung. Gerade bei der Flugabwehr gibt es Defizite. Am Vorabend seines Treffens mit Nawrocki beklagte Selenskyj den Mangel an Flugabwehrraketen. Er bat die europĂ€ischen Partner um weitere Lieferungen, damit sich die Ukraine vor den stĂ€ndigen russischen Luftangriffen schĂŒtzen kann.

