Höchstmengen, Nahrungsergänzungsmittel

EU führt Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel ein

28.03.2026 - 00:00:35 | boerse-global.de

Ab 2026 gelten in der EU erstmals verbindliche Grenzwerte für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Die Regulierung soll den boomenden Markt harmonisieren und Verbraucher besser schützen.

EU führt Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel ein - Foto: über boerse-global.de
EU führt Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel ein - Foto: über boerse-global.de

Ab 2026 gelten in der EU erstmals verbindliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Diese lang erwartete Regelung soll den milliardenschweren Markt harmonisieren und Verbraucher besser vor Überdosierungen schützen. Bisher gab es in Deutschland nur unverbindliche Empfehlungen.

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Selen bis Vitamin D: Diese Nährstoffe werden reguliert

Konkret sollen Grenzwerte für kritische Nährstoffe wie Selen, Mangan, Folsäure und die Vitamine B6, A und D festgelegt werden. Auch für bestimmte Pflanzenstoffe werden Mengenbeschränkungen erwartet. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) liefert die Grundlagen für diese Sicherheitsbewertungen. Die neue Regelung ist ein Meilenstein – eine EU-weite Harmonisierung war bereits seit 2002 vorgesehen.

Warnungen zeigen: Der Markt bleibt ein Risikogebiet

Trotz der anstehenden Regeln häufen sich weiterhin Verbraucherwarnungen. Erst am 26. März 2026 wurde vor einer Honig-Paste gewarnt, die den verschreibungspflichtigen Arzneistoff Sildenafil enthielt. Französische Behörden meldeten ähnliche Fälle. Das Problem: Nahrungsergänzungsmittel unterliegen keiner staatlichen Wirksamkeitsprüfung wie Arzneimittel.

Kontrollen offenbaren massive Mängel. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit beanstandete 2025 rund 61 Prozent der untersuchten Proben. Das Bundesamt für Verbraucherschutz stellt fest: Nach Fisch und Gemüse sind Nahrungsergänzungsmittel die Lebensmittelgruppe mit den häufigsten Meldungen im EU-Schnellwarnsystem.

Online-Handel überfordert die Kontrolleure

Besonders im Internethandel ist die Lage schwierig. Die schiere Menge an Warensendungen überfordert den Zoll bei Stichproben. Verbraucherzentralen fordern seit langem schärfere Kontrollen und nationale Höchstmengen als Notlösung, falls EU-Regelungen stocken. Ihre Botschaft: Viele Präparate sind unnötig und oft viel zu hoch dosiert.

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Boomender Markt mit Schattenseiten

Die Dringlichkeit der Regulierung zeigt sich vor einem paradoxen Hintergrund: Der Markt boomt. Der Umsatz in Deutschland stieg um fast fünf Prozent auf 1,78 Milliarden Euro. Nachfrage-Treiber sind ein gesunkenes Gesundheitsempfinden, der Trend zu pflanzlichen Inhaltsstoffen und Produkten wie Vitamin D oder Magnesium.

Doch Verbraucherschützer warnen vor irreführender Werbung und Gesundheitsrisiken. Viele Konsumenten übersehen: Die Mittel dienen nur der Ergänzung einer normalen Ernährung, nicht der Therapie von Krankheiten. Eine ausgewogene Ernährung bleibt die beste Basis.

Was kommt nach den Höchstmengen?

Die Einführung der EU-Höchstmengen ab 2026 ist ein wichtiger Schritt. Die eigentliche Herausforderung wird aber die Durchsetzung, besonders im Online-Handel, bleiben. Denkbar sind weitere Schritte wie strengere Regeln für Gesundheitswerbung.

Verbrauchern raten Experten zu gesunder Skepsis. Vor der Einnahme sollte immer eine ärztliche oder pharmazeutische Beratung stehen – um Wechselwirkungen mit Medikamenten auszuschließen und zu prüfen, ob ein Präparat überhaupt nötig ist.

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